Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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•~vi. ^nni’.ann: Die btt.'lische Lehre von der göttlichen Vergeltung der deuteronomistischen Ueberarbeitung des Kenigsbuches — und vieles spricht dafür —, ic isr 05 ein beweis, wie man sich selbst in dieser späten Zeit von dem Glauben an das Oerdienst der Väter und seine dem ganzen Geschlcchte den Segen sichernde Wirkung nicht hat losmachen können, wahrend ja sonst das Deuteronomium prinzipiell auf einem anderen - Standpunkte steht. Geißt es hier auch an mehreren Stellen (7, 8; 8, f8; 9, 2), daß Israel nicht um seiner Rechtschaffenheit und seines lauteren Gerzens willen in den Besitz des Landes komme, so wird doch auch nicht die Frömmigkeit der Väter als Grund dafür angegeben, sondern der Lid, den Gott ihnen zugeschworen habe. Allmählich erstarkt aber — namentlich unter dem Einflüsse der Propheten — der Glaube - an Gottes unbeugsame und unwandelbare Gerechtigkeit. Daß die Weltgeschichte das Weltgericht ist, ist für die Gottesinänner eine unumstößliche Gehre, und von dein Glauben, daß eine sittliche Grdnung nicht bloß in den Geschicken Israels, sondern in denen der gesäurten Menschheit sich offenbart, sind sie zu dem Glauben an einen Weltengott gekommen. Mit seinem „die Seele die sündigt, soll sterben" räumt Ezechiel, darin Ieremia folgend, mit jedem Glaubcn dararr auf,' daß der Sohn für das verhalten des Vaters bestraft werden könne. Das Sprichwort: „Unsere Väter haben saure Trauben gegessen, und uns, ihren Rindern,' werden die Zähne stumpf", ist ein Spottwort vonr Lande Israel, das niemand mehr im Munde führen soll. Deutlich wendet sich der Verfasser von Deut. 7, 9, \0 gegen den Zusatz zum 2. Gebot, indem er kehrt: „Gott läßt den, der ihn haßt, an seiner eigenen Person die Vergeltung durch Vertilgung erfahren. Er gewährt dem, der ihn haßt, keinen Aufschub, sondern läßt' ihn an seiner eigenen Person die Vergeltung erfahren." — In Parenthese sei hier bemerkt, daß der Talmud, wie ich nach Lohen „Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch" zitiere, ein Verständnis für den Wider - sprucb Ezechiels gegen das 2. Gebot gehabt hat. Er sagt: Die Bestimmung, daß die Schuld der Väter an den Kindern geahndet werden solle. iv-b v reich? anr. indem er lehrte: die sündigt, die soll sterben." Und ’.; •!! v-aituit unter dein Einflüsse der predige der Propheten eine ganz neue Auffassung vom Geschicke des Volkes und des Einzelnen, wie sie namentlich in der * sogenannten deuteronomistischen Geschichtsbearbeituna zu Worte kommt. Alles Unglück ist eine Strafe für die Sünde. Das Schema des Richterbuches: Abfall, Gingabe an die Feinde Israels, Rückkehr zu Gott und Rettung, wird erst jetzt in die Geschichte hineingearbeitet, und so wird aus dem ganz natürlichen verlaufe des Geschehens, der aus der Gage eines erst vor kurzem seßhaft geworden, in einzelne Stämme auseinanderfallenden und von Feinden ringsum bedrohten Volkes sich ungezwungen erklärt, ein göttliches Erziehungswerk, in dem Schuld und Strafe, verdienst und Lohn die einzigen Faktoren sind. Die Losreißung des Nordreiches vom Hause Davids ist nicht eine Folge der Eifersucht der Nordstämme auf Inda, des Steuerdrucks und der sonstigen Mißwirtschaft Salomos, sondern die Strafe für seinen Abfall von Gott, der höchstwahrscheinlich nur darin bestand, daß er auf den Höhen opferte, was damals noch nicht verboten war, und seinen fremdländischen Frauen, namentlich der ägyptischen Königstochter, gestattete, ihren heimatlichen Göttern auch in Jerusalem zu dienen. Eine merkwürdige Umgestaltung erfährt die Königsgeschichte unter dein Einflüsse dieser Lehre in den Büchern der Lhronik. Jede Sünde findet ihre Strafe, nie mangelt dem Unheil eine Schuld. -„In dem Reiche Jahves", so sagt Wellhausen in seinen prologomena zur Geschichte Israels, „wirkt nicht ein natürlicher und menschlicher, sondern ein göttlicher Pragmatismus. Ihn zum Ausdruck zu bringen, dazu sind die Propheten da, die in ununterbrochener Folge den Königen und Hohepriestern zur Seite gehen; sie verknüpfen die Taten der Menschen mit den Ereignissen des Weltlaufes und benutzen die hl. Geschichte als Thema für ihre predigt, als Beispielsanunlung für die prompteste Wirksamkeit der Gerechtigkeit Jahves... Sie stellen Glück oder Unglück in Aussicht, je nachdem das Gesetz treulich erfüllt oder vernachlässigt worden ist." Ich verweise auf die Belege, welche Wellhansen am angeführten Grte in großer Fülle bietet, und will hier nur einige Beispiele geben. Josaphat, der fromme König, beteiligte sich nach \. Könige 22, an dem Feldzuge des gottlosen Aha' gea m di Syrer von Damaskus. Das aber lft-'wi-. '-dm nach der Lhronik .nicht ungestraft umgehen