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Liberales Judentum · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 89

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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Dr. GuLmann: Die biblische Lehre von der göttlichen Vergeltung 88 und pruchrs nicht auf ihren Vater hören, weil er beschlossen hat, sie zu töten ((. Sam. 2,25), wenn er David aufreizt, das Volk zahlen zu lassen (Sam. II, 24, I), wenn er einen Lügengeist uster die Propheten Ahabs sendet, damit diese Alhab ermutigen, in den stlamxf gegen Syrien zu Kehen, in-dem er seinen Tod finden wird. 3h® Gegensatz zu Pharao und Ahab hat Gott cwch seine Lieblinge, denen alles zum Guten gerät. Abraham steht Gott auch dann h?j^ wenn er sich durch eine Unwahrheit in große Gefahr gebracht hat (Gen. \2 und 20). 3faaf erntet hundertfältig; Jakobs Werden vermehren sich in öaran so, daß er, der mit einem Stabe über den Jordan gezogen ist, in . 6 Jahren zu einem reichen Herdenbesitzer wird; Joseph ist der Isob msrULyb, dem Gott alles geliMgen läßt, was er unternimmt. An diesem GlÄke von ^Gottes Lieblingen nehmen dann auch diejenigen teil, die zu ihnen in BeziehnngLR treten: auch Labans Werden vermehre» sich um Jakobs willen, der sie weidet; um Josephs willen segnet Gott das Saus des AegypLers, und fein Segen ruht auf allein, was ihn gehört, im Kaufe und auf dem Felde; um Lots wÄlen soll auch sein ganzes Kaus, , sollen selbst seine Schwiegersöhne gerettet werden, wobei gar nicht gefragt wird, ob diese verschonten. ftnmm und der Verschonung würdig sind. Munkel, Genesis, S. 1,84.) von Gottes.strenger Gerechtigkeit kann aber auch da nicht die Rede sein, wo die Auffassung besteht," daß Gott nicht zu den Einzelnen, sondern zu der durch Bande des Blutes verbundenem Gemeinschaft in ein Verhältnis tritt, auf de» Einzelnen als 'solchen gar keine Rücksickst ni-Mmt. Für den antiken Menschen ist die FamÄie, der Stamm, das Volk etwas ganz anderes als für uns. Der Einzelne ist nur etwas als Glied einer Gesamtheit, für sichwemg oder nichts. Nun liegt die Sache aber nicht jjb, daß erst etwa.Jeremia infolge feiner besonderen Schicksale zum Schöpfer des Individualismus in der Religion geworden sei: wir haben zu viele Beispiele aus den älteren Quelle» dafür, daß auch der Einzelne in ein Verhältnis zu Gott treten kann. Dennoch läßt sich rückst leugnen, daß der Glaube an die Verkettung der Geschlechter in «Schuld und Verhängnis, wie ihn Hermann (Lohen genannt hat, nicht bloß im 2. Gebote, das übrigens in derselben Form sich im Deuteronomium findet, Mu einer Theorie vorn Verhältnis Gottes zu den Nachkommen der Gerechten und der Sünder geführt hat, fondam auch für die Rechts-- praxis nicht ganz ohvr Einfluß gewesen ist. Die Nachkommen Saufe mußten mit ihrem Leben dafür büßen, daß ihr Vorfahr die Gibeoniter hatte. austilMn wollen; und gewiß wäre uns nicht erzäkM worden, daß Amazja die Sohne der Nlänmr, die seinen Vater ermordet hatten, nicht Loten ließ, wenn das Gegenteil nicht einmal allgemeiner Brauch gewesen wäre. Auch dir Rinder Naboths rverden um der vermcartlichen Schuld ihres Vaters willen hingeriDet, wie aus II. Könige 9, 26 ersichtlich ist. Mer auch das praktische Verhalten Gottes zum. Sünder und zum Gerechten denkt man sich ik gleicher Iveise. Auch Gott straft den Sohn für. die Sünden seines Vaters und belohnt rhu für dessen Frömmiakeit. Es heißt allerdkgs Num. 26, H, daß die Söhne Rorachs mcht umkamen, womit wahrscheinlich das. vLrkommen der bekannten Sängerfamilie derÄorachiten erklärt werden soll: doch wird.uns s6, 32 erzählt, daß die Erde sich auftat und die Empörer verschlang samt all den Leuten, die ihnen gehörten. Als Gott Israel wegen des 'Raubes am Banngute Jerichos zürnte, ließ-sein Zorn erst ab, als der Frevlrr samt seinen Söhnen und C-öchtern hingerichttt worden war. Auf die oben erwähnte Schuld Sauls an den Gibeonitern war man erst dadurch anftnerksam geworden, daß 3 Jahw lang eine Hungersnot im Lande Israel herrschte, die ein Grake!- sxruch als Strafe für Sünde uut> Blutschuld deutete, und die aufhLvte, als die Nachkonimen Sauls sie durch ihvrn Tod gesühnt hatten. wie Gott hier die Schuld der Väter rächt, so lohnt er auch ihre Frömmigkeit an den ferneren Nachkommen shne deren eigenes Verdienst. Der Gedanke Des S’chus owos gebt eben schon auf uralte Anschauungen zurück. Um Abrahams willen Wird Ismael zu einen: großen Volke; der ErMäter gedenkend, läßt sich Gott das Unheil gereuen, das er dem Volke Israel wegeil scker Anbetung des goldenen Kalbes angedrccht hatte. Um Davids willen soll nicht Salons, sonderii erst seinen! Sohne das Reich entriMn werden und sollen seine Nachkommen wenigstens die Herrschaft über den Stamm Juda behalten, damit dem Gottesknechte David allzeit eine Leuchte vordem Ewigen verbleibe in Jerusalem. (Kön. I, sh 36). Stammt die leWe Stelle wirklich aus

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