Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Dr. Gukmann: Die biblische Lehre von der göMichen Vergeilung bin, der sie zum erstenmale ausgesprochen bat, airf einen Genius -von einer sittlichen und' religiösen Tiefe, daß die Annahme unabweisbar ist, daß von ihm deutliche Spuren in der israelitischen Ueberlieferung sich finden müssen. Und wo sollten wir diese Spuren anders suchen, als in dem Bericht, der Moses an den Anfang der religiösen Entwicklung des israelitischen Volkes stellt? So dürfen wir erwarten, daß auch nach den ältesten biblischen Berichten im Verhältnis Gottes zum Menschen, in der Wallung Gottes! im Leben der Menschheit) der Völker und des Einzelnen sich vor allem feine Gerechtigkeit offenbart. .Und in der Tat macht das ja gerade , die biblischen Erzählungen zu einem so wichtigen Mittel der religiösen Erziehung, daß hier Ernst gemacht wird mit dem Gedanken, daß sich in' allem Geschehen der Wille eines heiligen und gerechten Gottes offenbart. So erzählt der Zahvist, daß die ersten Menschen das Paradies verlassen muffen, weil sie das Gebot Gottes übertreten haben; weil Rain seinen Bruder erschlagen hat, wird er verflucht und muß unstät und flüchtig auf der Erde umherirren. ' Bekannt ist, wie die biblischen Erzähler die Erzählung von der allvernichtenden Flut unter einen sittlichen 'Gesichtspunkt gestellt haben. „Nicht Haß und Unüberlegtheit eines Gottes, der Mich die übrigen Götter forttreibt, führt — so erzählt es die babylonische Sage — die Sintflut herbei, sondern der gerechte Beschluß des einen heiligen Gottes, der den bis zum Uebermaß gehäuften Frevel nicht länger mit ansehen kann. Und Noa wird mit den 'Seinen gerettet, nicht durch die List eines ihm ohne Grund günstigen Gottes, sondern darumweil ihn Jehova als den einzigen Frommen unter seinen Zeitgenossen erfunden hat." (Kautzsch.) Ebenso wird die Geschichte vom Untergange. der Städte Sodom und Gom-ora in sittliche Beleuchtung gerückt. Zn seiner feinen, nachempfindenden Art leitet Gunkel (Genesis, S. (88) die Entstehung der Sage aus dem unheimlichen, Eindruck ab, den das-Tote-Meer macht. Diese schauerliche Landschaft kann nur durch einen Fluch der Gottheit entstanden sein, warum aber hat ihr Zehovu geflucht? Darum, weil ihre Bewohner gesündigt haben, entbrannte der Zorn Zehovas über dieses Land. Und Lot wird gerettet, weil er gerecht war uirt> den Sendboten Gottes Liebe erwies, an denen die Sodomiter sich in so grauenvoller weise versündigenwollten. — Eine vorurteilslose Betrachtung der Zakoberzählung wird in. der Flucht Zakobs nach fjaran eine Strafe Gottes für den Betrug an Efau sehen. Die Söhne Jakobs fassen die harte Behandlung, die ihnen , in Aegypten zuteil wird, als eine Strafe für ihre Verschuldung an Joseph auf. (S. Gen. <$2, 2\ und 22 und (6): die ägyptischen plagen werden nicht nur als ein Mittel der Rettung Israels, sondern auch als eine Strafe für ungerechte Vergewaltigung angesehen. In der sicherlich alten Erzählung von Davids Versündigung an Uria ist der Zwist im krause Davids und die Verschwörung seines Sohnes Absalom mit all dem Kummer, den sie über das Haupt des Vaters brachte,, die Strafe, die von Gott für fein hinterlistiges vergeben über ihn verhängt worden ist. . -Diese Ansicht von der Gerechtigkeit des göttlichen Waltens findet aber eine doppelte Einschränkung. Die Vorstufe der israelitischen Religion, so dürfen wir wohl anüehmen, ist nicht gleich so ganz überwunden worden, daß sich nicht mannigfache Spuren von ihr in der mosaischen Religion finden, Hier interes-' sieren uns namentlich die Erzählungen, in denen uns ein willkürliches, nicht von Gerechtigkeit diktiertes verl>alten der-Gottheit entgegentritt. Gen. 3, 22 und 23 wird die Austreibung des ersten Menscheiipaares mit der Furcht Gottes, davor begründet, daß der. Mensch seine Hand nach dem Baume des Lebens ausstrecken und so ewiges Leben gewinnen könnte. Zn ähnlicher weife wird als Grund für die allgemeine Sprachverwirrung angegeben, daß der einigen Menschheit nichts unmöglich fein würde, weshalb Gott in seiner. Eifersucht, um die Macht der Menschen zu brechen, ihre Sprache verwirrt und sie über die ganze Erde zerstreut. Eifervoll wacht Gott auch sonst über seine Ehre. Wer sich der Bundeslade nähert, wird vom plötzlichen Lodedahingerafft, und auf einen Appell Mi fein Ansehen, das bei den Völkern' leiden würde, wenn er fein Volk vernichtet, ändert Gott mebrfach * den verhängnisvollen Entschluß. (Exodus 32, )N—(^,'Num., V*, 15, (6.) Mit noch größerer Willkür verfährt die Gottheit, wenn sie das Herz und den Sinn Pharaos und seiner Diener verstockt, damit sie Gelegenheit habe, Zeichen und Wunder zu verachten, wenn Gott selbst veranlaßt, daß Hophni.