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Liberales Judentum · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 83

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Erich Sachs: Aeber. die Berechtigung des Zionismus 83 «wer Nation treibt, ist ihnen die geistige Zusammengehörigkeit aller Juden, vor allen: die geistige Besonderheit zum Unterschied von allen anderen. Aber gesetzt, sie bestände, so wurde das noch keine zureichende Veranlassung sein können, um eine Nation zu gründen. Sondern entweder man gründet sie, um den gütigen Eigentümlichkeiten den freien Raum zur Entfaltung zu geben, den sie in der.fremden Umgebung nicht genießen, ohne Rücksicht darauf, ob man. dadurch Wertvolles kultiviert oder nicht. Das wäre das moderne, rücksichtslose Selbstbestimmungsrecht der Nationen, und , man darf eine so hohle Phrase nicht als Leitstern der Zionisten hinstellen. Oder man glaubt, durch Gründung einer Nation den besten Boden zur pflege des -besonderen Geistes schaffe,: zu können und durch seine Erhaltung der Menschheit ein wertvolles Geschenk oder zun: mindesten die Hoffnung darauf durch die Gewähr seiner Entwickelung 5U, machen. wird unsere jüdische Wesensart unterdrückt? Besteht überhaupt das allgemeine Gefühl für das Dasein einer besonderen jüdischen Wesensart inmitten der umschließenden Nationen? — Eine Besonderheit wird fraglos allgemein empfunden. Für uns genügt in: vorliegenden Fall die Feststellung, ob das Gefühl ihrer Unterdrückung besteht, wir wollen von den Ländern Rußland und Rumänien äbsehcn, in denen die Unterdrückung des Ginflusses aller einwohnenden „Fremdvölker", zu denen auch die Inden rechneten, versucht wurde, — heut ist in Rußland und grundsätzlich auch in Rumänien die Gleichberechtigung ausgesprochci:. Doch in den anderer: Kulturländern Europas gibt es eigentlich nur eine Stimme, vor allem in Deutschland, daß der geistige - Einfluß der . Juden in der sozialen Politik, in der Presse, in dev Kunst, in Handel und Industrie stark hervortretc, viele meinen sogar an der Spitze stehe. Ich gehe rächt darauf ein, ob dieses Gefühl einen triftigen Grund hat, sondern ich will nur feststellen, daß von einer geistigen Unterdrückung der jüdischer: Wesensart ir: alten europäischen Knlturstaaten feine Rede ist') Hierbei nehmen wir 'eine besondere jü- *) Diese allgemeine Ansicht vom herrschenden jüdischen Einfluß sieht ihn allerdings nur von seiner schlechten Seite als zersetzend in allen Beziehungen des öffentlichen und Kulturlebens des umschliesiendische Wesensart als heute noch feststehend vorweg, durch die sich die überall in der: einzelne::, Völkern verstreuten Juden vor: derer: Wesensart untwscheiden. Irr objektiven' Behauptungen ouf diesem Gebiet, wo fast nur die subjektive Keinung herrscht, karu: man nicht vorsichtig gmug sein. Wenn wir uns bei der folgenden Ausführung auf die Völker Europas beschränken, so vergleichen wir sie untereinander arstens im Ganzen, in ihrer nationalen wiümsrichtung und verwerte,: hierfür'die Geschichte ihrer Kriege und ihrer Politik, was sie dssnit erstrebten und erreichten. Dieses vergbichsgebiet kommt für ur:s Juden weger: dar Zerstörung unseres eigenen Staatslebens rächt mehr in Betracht. Zweitens vergleichen rar sie in rein geistiger, kultureller Hinsicht, aber dann nicht mehr im Ganzen, sondern nur n§ch in den Leistungen ihrer höchster: Erscheimmgen, ihrer Denker, Künstler nr:d Erfinder. Und da treffe,: wir auf die Tatsache, daßMche kulturellen Leistungen un:so höher geschätzt werden, je höher sie über die nationale Besonderheit hinausragen. In Diesem Sinne ßrgen wir, daß wahrhaft große Männer der Welt gehören. Ir: der Masse der national«: Leistungen werden wir gewisse BefonderhÄen feststellen, genar: wie zwischer: zwei Individuen derselben Nat:on. Die eine erhält em besondere Gciftesrrchtung durch das Morr, die Rauheit des Klimas, die a,:dere vov einem fruchtbaren Land: hier zwir:gt die uwgebende Natur den Geist durch ständige Arbrit für die Notdurft den Volkes an. Hingegen G der Hintveis auf die bedeutende ansbauende Mitrcbeit der Inden im Kultur- und Wirtschaftsleben der europäischen Votier keine geeignete Verteidigung^ denn wer den Vorwurf macht, wird hierauf amvvrten, daß eben unser Aufbauen und Mitarbeiten Kr ihn die Zersetzung bedeute. Sondern wir mnssvL erkeiilien, das; es der Fluch . des Suchenden ist, als Verführer in die Irre verschrieen zu werden. Und luic Inden sind Suchende geblieben, wenn die anderen.Mou gesunden zu haben glauben. Jede Äenderung rund Weiterbildung bestehender Zustände kann man mit „Zersetzung" bezeichnen, wenn es beliebt, um bem un$ertvetmtid}C}i Zusammenhang von UrsaclM und Wirkung einen schlechten, unethischcn Veigesümack zu geben. Loch das Eingehen auf die hier Kstreiften Fragen liegt außerhall) meines Themas. Liese Wirkungen, die segensreich oder gefährlich schnnen, als fortschrittzcngendc Lebendigkeit oder zersetzende Wühlerei angesehen werden mögen, können niä)t der Kern, sondern nur das Ofscnbarwerden der jüdischen Wesensart bedeuten.

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