Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Erich Sachs: Ueber die Berechtigung des Zionismus es zu en»se»tig orientiert. Aus demselben Grunde hatte 'es in der Philosophie nichts geleistet, in den Künsten, in Wissenschaft und technischen Erfindungen, im Kriegführe»», im Handel und in der Landwirtschaft, in alledem hatte es mindestens nichts zuwege gebracht, worin andere Völker ihm nicht gleichgekommen wären oder es übertroffen hätten/ Jedenfalls hat von allein, was das jüdische Volk hervorbrachte, nur seine Religion auf die ganze Menschheit gewirkt, durch die Vermittelung des Christentums. Auf diesem Gebiet liegt die große Kulturtat des jüdischen Volkes als die Frucht einer religiösen Staatsgemeinschaft. Hier hinein war die besondere, wesentliche Leistung des Judentums gelegt; und wenn wir an die dauernde Kraft dieser Idee glaube»!,, so liegt darin auch heute noch das wesentliche des Judentums, in nichts anderein. wir haben als die höchsten Gedanken des Judentums den Gottesbegriff und die Menschheitsidee gefunden. Das erste zu verbreiten, wo Schlechteres herrscht, das zrveite zur Wirklichkeit werden zu lassen, das ist die Sendung . des Iudentuins von» Anfang an. — In der langen Abgeschlossenheit als Volk hat' die Fähigkeit gelegen, diese Idee»» auszubilde»», aber sie zn verbreiten »»nd zu verwirklichen hat es fidi als Volk unfähig gezeigt. — Danr» zersplitterte das Volk in die Welt ur»d vervielfachte da»nit seine Berührungsflächen und die Möglichkeiten der Beeinflussung. Sollten ' Ideen »»icht einen stärkere»» Rückhalt am überall eindrrngenden Einfluß ihrer Träger haben als an der zweifelhaften Macht eines zufamn»engedrä»»gter» volkshaufens? Erst m seiner Zerstreuung kann das Judentum seiner Sendu»»g gerecht werden, .wenn es sie richtig erkennt. Der Gottesbegriff »var als Ausgangspunkt zwar voi» der größten Bede»»t»»»»g, aber er tritt zurück hinter dei» rvefentlichei» Teil nuferer Sendu»»g, der Verwirklichung der Menschheitsidee. — Für die Verbreitung des Gottesbegriffes hat das Christentum viel geleistet, es ist dafür die Vorstufe zum Juden-- tun», »veil der unvermittelte Aufstieg zu dessen Höhe für die Blasse zu steil wäre. Aber »vas es für die Menschheitsidee geleistet hat, sehe»» »vir he»»te. Jedes Volk flehte Gottes Segei» auf fei»»e Waffen, um ' mit den gesegneten Waffen die Blenschbeitsidee zr» morden. wein» vorder vor et»va 100 Jahren noch feststellei» kon»»te, alles neige sich in Europa Uw allmähliche»» Auslöschung der Nationalcharaktere, so ist heute das Gege»»teil der Fall. Neue Ideale si»»d aufgekommen, vor allem die von» Selbstbestimmungsrecht der Völker und der Forderung von Nationalstaaten. — Auch die Zion.iste»? schwin»n»e»» in diesem Strom. Aber eins darf »nan bei.dieser Bewegung nicht übersehen, daß freies Ausleven der Völker und Nationen nur deshalb gefordert wird, weil die freie Entfalt»»,»g aller nationale»» Eiaentümlichkeitel» auch die Ausbildung aller nationalen Vorzüge -mit sich bringe, und hierdurch erst.das große Mosaik der.Menschheit .vollkommen ausgeführt werden könne.. Alle diese Nationallstei» leben von der Zukunft, sie sehe»» nationale Besonderheiten, fordern freie Anerkennung, am besten, einen'eignen Staat, und hoffen, mag das Gebilde auch' »»och so wunderlich werde»», a»»s dem Saufen Unkraut nlüffe doch eine volle Aehre auftauchen, die sie rechtfertigt. — Diese Nationalisteu stütze»» sich wemgstens a»»f eine gewisse Volksmenge, die altanfäffig auf einen» zufa»»»»»»enhängenden Bode»» lebt, in gleichen oder ähnlichen Sitten, »nit gleicher Sprache u»»d den» Bewußtfein ihrer Zrrsam,»»e»»geho»igkeit auf Grund ihres Gegensatzes zu de»» «»»deren Umwohnenden oder Beherrschende»». U»»d die Zioniste»»? Die Gru»»dlage für ihr »»atio»ralistisches Bestrebe»» ist natürlich die Zufan»mengehörigke»t alle»' Iuden, die über die Welt zerstreut find. Eine Natioi» kan,» »,»«»» aber mir -auf das Bewußtsein einer Zusam»»»e,»gehörigkeit z»»n» U»»te»- schicd voi» anderer» Nationei» gründen, :»nd die Zioniste»» sagen »nit Recht, »venn dieses Bewußtfe»»: »»och nicht lebe,»dig sei, so könne mai» es wecke»». Aber wie beweisen sie die Zusammengehörigkeit? — De»» Beweis der körperlichen Besonderheit »»nd Zufami»»e»»gehörigkeit aller I»»de»», der zum Anfstellei» eines besonderen Rassebegriffes berechtigte, rvill icf> als einwandfrei geführt ansehcr», trotzde»»» er die a»»fechtbarste ihrer Bohauxtllnge»» ist. Aber es kommt für. »»ns hier »»icht darauf a»», »i»ar» »vürde das Ziel der Zioniste,» zu sehr unterschätzen, »ve»»»» :nar» glaubte, sie zöge»» aus diesen körperlichen vorbedi»»gu»»gen die Folgerung, »»»»bedmgt eine Natioi» 511 grüllden, sozusager» ans einer Art höchster Pedanterie, um (Ordnung in die Btusterkarte der Menschheit zn b»i»»gen. So,»- dern das wesentliche, das sie zur Gründung