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Liberales Judentum · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^»1 : i 1 0 j judai; Liberales Judentiitir Monatsldiritt '; fttr die rcllglöfcn Interefrcn des ludcnöms v . : herausgegeben oon der , Vereinigung für das liberale Judentum is Deutfdiland - unter, der Redaktion von vr. Caelar Seligmann, Rabbiner in Srankfurf a. M. Ho. 11 und 12. Jahrgang 10. Hoobs. u. Oezbr. 1918. lieber die Berechtigung des Zionismus. -- Von Erich Sachs-Charlottenburg. — tT> iderstand gegen den Zionismus darf sich s reinen 'Gottesbegriffes recht gehabt, sich für nicht gegen die praktischen Ausführungsetwas besonderes zu galten, es gehörte wirkmoglichkeiten seiner Bestrebungen richten z. B. gegen die Besiedelung Palästinas vom politifd&n oder volkswirtschaftlichen Standpunkt aus. Er darf sich auch nicht bestimmen lassen von der nahegerückten Möglichkeit der Aufrichtung eines jüdischen Staates. Denn Zionismus iü eine Idee und nur Idee darf gegen Idee austreten. *Die Kernfrage ist: Morin besteht die Sendung der Juden? Und wie kann sie zur Wirklichkeit gestaltet werden? Aber vor dieser Frage müssen wir eine andere stellen: Haben wir Juden überhaupt eine besondere Aufgabe für die Menschheit? Wenn wir diese Aufgabe gefunden haben, so werden wir eben hierin das wesentliche von uns Juden -erkennen. Die bedeutenden Wirkungen auf die Menschheit, deren Ausgangspunkt in den Juden liegt, als'sie noch als ein geschlossenes Volk im eigenen Staate lebten, sind von der Geschichte Unerkannt. — Zwar nicht der GoLtesbegriff, aber die Reinheit des Gottesbegriffes war ihre erste große Geistestat, die sie von allen anderen Völkern scl^arf unterschied. Indem ihre Führer diesen Gedanken mit ungeheurem Wurf als Grenzstein und Zielpunkt vor das Volk warfen, trieben sie es unablässig zum Erreichen dieses Ziels an. Aber der Wurf war für die 2lugen der Masse zu weit, das Christentum nahm den Gedanken auf und setzte 'hn mit schwächerem Wurf als näheres Ziel vor den Blick der Menschheit hin. Das jüdische Volk hatte im Besitz seines lich eine besondere Güstesveranlagung dazu. Und auch die Idee drr Menschheit,, die das Christentum im bewsKen Ausbau, mit dem. Gottesbegriff vereint«^ um die Welt danach zu formen, ist als eins reife Frucht im jüdischen Volke gebildet Md von seinen höchsten Gestalten, den jDropkMn, verkündet worden An sich ist ein GEesbegriff weder wertvoll noch wertlos, er sst eine notwendige Erscheinung der geistiges Verfassung des Menschen. Seinen Wert gewinnt er erst durch die Folgerungen, die aus ihm gezogen werden. Daß die Juden von ihrem Gott zur Idee'der Menschheit gelangten und ihre Propheten die reinsten Bilder von der Einheit des Menschengeschlechts und von ernrm gemeinsamen Ziel entwarfen, das war die zweite große Geistestat des jüdischen Volkes die es nicht nur von allen anderen Völkern unterschied, sondern über deren völkische Beschränktheit weit hcraushob. Ls war vor etwD 2000 Jahren, um die Zeit, als das Christrutum in seiner trüben Mischung die beiden großen jüdischen Gedanken erst wirklich udfcr die Menschen zu pflanzen begann, daß drs jüdische Volk Staat und Heimat verlor und als einziges Erbteil seinen fruchtbaren GeW und geistigen Besitz mit fick' in die Welt «chm. Außerdem hatte es als Volk nichts Hervorragendes geleistet. Es hatte der Welt kein Vorbild einer guten Verfassung gegZen, die alle Kräfte eines Volkes zu wecken verstand — dazu war

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