Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1918-09-01 · Heft 9-10 (September 1918) · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 9-10 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 79 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3126481-3126578-3126584--2402-3129253
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. Norden: Hundert Jahre Hamburger Tempel gesang des Kantors in einer nicht verwandten Ds«art einsetzt u. dergl. mehr. . Mer auch im Lhorgesang wird häufig gegen die Musikalische Einheitlichkeit gesündigt, wenn tm En komoeho von dem Komponisten 3k Wajeki binsöa von B, Schema jisroel van £ »sw. zusammengestellt wird oder wenn von ober einheitlich durchkomponierten Keduscho, «man Lecho dqdi oder sonstigen zusammengehörenden Kompositionen einzelne Teile oä foLchen anderer Kompositionen vermischt «ec&Hs die kernen musikalisch geistigen Zusamrsenhang haben. HavmonHche Einheitlichkeit muß den ganzen Gollesdienst durchwehen, wenn das musikalische Empfinden Weihe und Andacht auslofeu rrnd nicht durch musikalische Barbarismen asstort werden soll. Eine solche Störung der Andacht kann auch dadurch bewirkt werden, Sven« ein Lhor Kompositionen zur Anfführu»« bringt, wofür seine Kräfte nicht ausreiche«. Nicht die Schwierigkeit einer Komposition verbürgt den künstlerischen wert und Eindruck, sondern die dem Kunstwerk innewohnende rrruMalische Stinnnung, die der textlichen Unterlage und ihrem religiösen Gehalte entspricht. BmuMäten urrd Trivialitäten wirken störend nwd besitzen keine künstlerische Kraft. Der Vertrag des vorbeters muß der religiösen GarrdkrrWg angemessen sein; theatralische Allüven gehören nicht ins Gotteshaus, weder, im Ton noch in der Gebärde. Vor allenr hüte «r sich, nur in einzelnen Nummern glänzen zu wollen, jeder Ton, jedes Wort muß von bsingebuW und Andacht getragen sein. Gerade im innigen Vortrag der einfachen Gebete zeigt fich der Meister. Die Gemeinde ist durch passende Gemeindegesänge, die künstlerisch dem ganzen Gepräge des musikMschen Gottesdienstes an--! gepaßt sind, zur tätigen Teilnahme an -demselben heranzuKhen. Gemeindegesänge müssen einfach/ einsiWimig und dem Massengesang entsprechend Mn. Line.passende Verteilung von Gemeinde-, Lhor- und Sologesang, sowie von.stillen Gebeten schützen den Gottesdienst vor Ueberladuig. Ueberall sei der Kynagogale Ulufikstii gewahrt. Unter synagsgalem Mnsikstil rann nicht diejenige Art zu fingen verstanden werden, die im Caufc dar Zeit durch die twiste Erniedrigung des fyiWgogalen Gesangs teilweise heute noch im jüdischen Gottesdienste sich so festgesetzt hat, daß die irrige Meinung j)latz greifen konnte, das sei synagogale Musik. Seichte UtelodLrn, die aus der Gaffe und aus Theater . sich einen j)latz im Gotteshaus erobert haben, körnen nicht als traditionelle Gesänge anerkannt werden und verdienen nicht, als synaZogaler Mnsikstil an- - gesehen zu werden. Mw Gesänge, die, geboren und gehoben durch den Ernst und die Weihe des Gotteshauses, den Andächtige-! zu innerer Erhebung führen, eine gottesdienft-. liche Musik, die eine Der gottesdienstlichen Handlung entsprechende Stinnnung auszulösen imstande ist, bezeichnen Mir mit svnagogalem Musikstil. nunäert Jahre Hamburger Tempel. Von Rabbiner Dr. Norden-Elberfeld. amburger Tempel! Erinnerungen aus frühen IugSndjahren steigen in meinem Geiste auf. Ein frommer Jude, so hörte ich sagen, darf d«r Tempel nicht betreten; denn der große „Lhad^Lm" Isaak Verna ys hat ihn mit dem Vanne belegt. 2kein, sagten andere, über den Tempel selbst hat er den Bann nicht ausgesprochen, mithin dürfte man eigentlich das Gebäude wohl betreten; aber über den: Gebetbuch, das beim Tempelgottesdienst benützt wird, liegt allerdings der Bann, und da ist es jedenfalls besser, wenn wir uns von diesem Gotteshaus fernhalteu. Gleichwohl konnte mir, einem religiös .interessierten Knaben, nMürlich nicht gleichgültig sein, was in einem so verpönten Gotteshaus meiner HeimatgeMeinde verging. Knd so horchte ich denn mit gespanntester Aufmerksamkeit ans alles, was verwandte und freunde, die sich über den „Bann" Hinwege setzten, vom Tempel zu erMsten wußten. ÜnO da mußte id] denn doch A>er manches, was ich zu hören bekam, den Kopf schütteln. Von einem der Kanzelredner erzählte man,, er beziehe sich in seinen Sabbatpredigten, wenn er auf die „heutige Sidra" Hinweise, nicht auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.