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Liberales Judentum · 1918-09-01 · Heft 9-10 (September 1918) · p. Seite 78

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 9-10 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 78 (sequence 14)
Language
German
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7S M. Heule: Bemerkungen zum Gesang im Hamburger Tempel Bei der Neubesetzung des vorbeteramtes nn Jahre \855 wurde besonderer Wert auf eine musikalisch gebildete Kraft gelegt und man glaubte eure solche in den: Sohne des Altonaer portugiesischen Thasan, Dr. phil. Joseph piza gefunden zu haben. Line imposante Erscheinung mit volltönender Baßstimme, auch mit einiger musikalischer Begabung ausgeslattet, reichten doch seine kan- Loralen fachmännischen Kenntnisse nicht aus, um die gewünschte Reorganisation der musikalischen Verhältnisse im Tenrpel dauernd herbeisiihren zu können. Die angestrebten Versuche scheiterten bald wieder und die musikalischen Zustände konnten nicht aufwärts geführt werden. Der Thoralgesang blieb immer noch in der Vorherrschaft und wenn auch die Tempelbesucher mit Eingebung und triebe sich an den im Gottesdienste heimisch gewordenen Gesängen erbaut hatten, so vermißte man doch immer mehr die belebende Kraft des an anderen jüdischen Andachtsstätten erklingenden verbesserten liturgischen Gesangs. Unter den obwaltenden Verhältnissen, die der zeitlichen Richtung nicht Rechnung trugen, verringerte sich das Interesse am Tempel und die Teilnahme am Gottesdienste konnte'auch durch die allsabbatlichen predigten selbst an den l)ohen Festtagen nicht gehoben werden. Lin Wendepunkt trat ein, als zmn erstenmal einern deutschen Vorbeter, vorgebildet durch fachrnännische Studien und ausgestattet mit kantoralen , und musikalischen Kenntnissen und Fertigkeiten, im Jahre IS?9 die Leitung des musikalischen Gottesdienstes übergeben wurde. Das Festhalten an den portugiesischen Ulelodien und an der portugiesischen Aussprache des hebräischen wurde auch ihn: zur Pflicht gemacht. Bald jedoch begann er diese Ligenart des Tempels nmsikalisch auszngestalten, indein er sowohl bedeutungsvolle hebräische Gebete des Vorbeters als auch insbesondere die respondierenden Gerneindegesänge durch charakteristische Mrgelbegleitnngen gestützt und gehoben batte. Damit, wurde denr Gerneindegesang auch neben dem Thoralgesang eine hervorragende Stelle im ^empelgottesdienste eingeränmt und die Gemeinde konnte sich « ’i; an der Liturgie beteiligen. Reben diesen Gesängen des Vorbeters und der Gemeinde beteiligte sich der neugeschaffene Thor aus Damen und Herren aus dem Kreise der Tempelmitglieder in erbaulicher Weise anr Gottesdienst mit dem Vortrag von bewährten S^nagogengefängen, -die durch neue Kompositionen ergänzt wurden. Dein Konzertartigen wurde in der Weise entgegengearbeitet, daß Thöre und Solovorträge des Kantors erst dann wieder eine Erweiterung und Abwechslung erfuhren, wenn nach gerarüncr Zeit die Gesänge sich in den Gottesdienst integrierend eingefügt hatten, so daß sie in ihrer Zugehörigkeit zur Liturgie Weihe und Andacht auslösen konnten. Das Bestreben des neuen, Vorbeters war darauf gerichtet, nur musikalisch Wertvolles dem Gottesdienste zuzuführen und in tadelloser Ausführung zu Gehör zu bringen, so daß einerseits die Herausforderung zur Kritik die Andacht nicht stören konnte, andererseits der meist musikalisch gebildete Beter durch stinnnungsvolle Ulusik in seinem religiösen Empfinden gehoben werden konnte. ' So wurde auch im Hamburger Tenrpel ein nmsikalischer Gottesdienst geschaffen, der den zeitlichen Anforderungen entsprach und mitgeholfen hat, den Besuch des Gottesdienstes insbesondere an den-hohen Festtagen und die Anteilnahme an religiöser Betätigung wesentlich und dauernd zu fördern. Die Richtschnur, die für den Aufbau eines nmfikalifchen Gottesdienstes bei der Neugestaltung im hainbnrger Tempel maßgebend erschien, dürfte auch ün allgemeinen und ün besonderen für den liberalen Gottesdienst wertvoll fein. Folgende allgemeine Gesichtspunkte sind dabei festzuhälten. , Vor allem soll in einein Gottesdienst von niusikalisch-künftlerifchen! Gepräge musikalische Einheitlichkeit vorwalten, was darunter zu versteheu ist, mögen folgende Beispiele andenten. Unkünstlerisch und die niufikalifche Einheitlichkeit störend ist es, auf eine alte traditionelle Ulelodie des Vorbeters, die in ihrer eigenartigen Kunstsprache aus dem jüdischen Empfinden herausgewachsen ist, in einer modernen wesensfremden niufikalifcheu Phrase als Gemeindegesang oder Thorgesana.antworten zu lassen, wenn beispielsweise auf einen alten Kadisch die Gemeinde einen stilfremden omen. jehe scheine rabo folgen laßt, wenn der Vorbeter selbst sein Thasonus durch einen stilfremden Mechalkel chajim u. dergl. unterbricht, wenn der Thor auf den So ko-

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