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Liberales Judentum · 1918-09-01 · Heft 9-10 (September 1918) · p. Seite 76

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 9-10 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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76 M. Henle: Bemerkungen zum Gesang. im Hamburger Tempel fcffcrcn Bartmann, Rübs und Fries, die den Crnanzipationsgedanken öffentlich bekriegten, wuroen durch Salornons gediegene apologetische Arbeiten schachmatt. Salornons Abfertigung eines Judenfeindes mit dem Pseudonym Carlo habe ich \8£)^ unter dem Titel „Das schwarze und das blaue Buch" in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht. Der jüngst verstorbene Philosoph Geheimrat Professor Hermann Cohen s. A. hat mir vor einem Jahre einen Artikel über Salomons apologetische Schriften für das geplante Festbnch zu M8 zuzusenden versprochen; mit dem Lftinveis auf seine geschwächte Sehkraft entschuldigte er kur; vor seinem Lsinscheiden die Zurücknahme seiner Zusage, was sehr zu bedauern ist. — Auch die Angriffe und Ausfälle gegen den Tempel und fein Gebetbuch wies Salomon gewandt, kühn und kräftig, stets sachlich und' wissenschaftlich ab, und. sine ira sed cum studio trat er für die Erfordernisse der Neuzeit ein in den verschiedenen Rabbinersynoden des l9- Jahrhunderts. Man lese Salomons „Selbstbiographie und ph. Phitippsons „B i o g r a p h i e Gotthold Salomons". Mit einer, wie mir scheint, nicht unwichtiger. Bemerkung möchte ich diesen Aufsatz sc!stießen. Mein unsterblicher Lehrer und väterlicher Freund, Adolf _j e 11 i n e t,' der der jüdischen loomiletrk neue Bahnen wies, schrieb vor etwa 55 Zähren in der „Wiener Neuzeit", der Hamburger Tempel fei „ein stolzes Schloß auf einsamer Böhe"; er wollte damit sagen, daß der kviener Tempel mehr Nachahmer gefunden hatte. Bier bat der geniale Wiener Prediger das lokale Interesse hierin über das allgemeine gestellt. Nein, der Hamburger Tempel stand nicht auf einsamer Böhe, denn Wien selbst verdankt ihm seine Bedeutung insoweit, als Zellineks Vorgänger, Zsak Noa Mannheimer, sich einen Jünger von Rley und Salomonnennt, daß er in seinem Gutachten über das Tempelgebetbuch die Aeußerung tat: „Ich habedie Weihe zum Prediger im Bamburger Tempel empfangen." Cr hat zwei Jahre die ersten Prediger hier, gehört, eine kurze Zeit Salomon vertreten und ist von Salomon hier getraut worden. War auch Mannheimer als Bearbeiter des für die österreichischen Gemeinden maßgebenden Wiener Gebetbuches in etlichen Punkten anderer Ansicht, die Hamburger Liturgie hat er mit wärme vertreten. Nicht auf einsamer Böhe steht ein Gotteshaus, das in Leipzig, Zellineks erster Gemeinde, eine Filiale hatte, das die meisten Hauxtgerneinden Curopas und Amerikas in Liturgie und Ranzelrede grundlegend und airsschlaggebend beeinflußt hat. Nicht auf einsamer Böhe steht ein Tempel, der Meister wie Rley und Salomon an seiner Spitze hatte, die die Rabbiner aller Richtungen in der neuesten Zeit gelehrt haben, wie Gottes Wort zu verkünden sei und deren literarische Nachlässe.Zeugnis abgeben für die Wahrheit, Tiefe und Größe der jüdischen Religion. Bemerkungen rum 6elang im Hamburger Tempel Von M. Henle-Harnburg. ie Hundertjahrfeier der Hamburger Tempelgründung gibt Veranlassung, auch einige Streiflichter auf die Bamburger Tempelmusik in ihrer Cnttvicklung sowie auf die Gestaltung der musikalischen Linrichtnngen im liberalen Gottesdienste zu werfen. Cs ist bekannt, daß die Fornien des jüdischen Gottesdienstes, wie sie vor hundert Jahren in die.Erscheinung getreten waren, den Anforderungen der neuen Zeitverhältuisse keine religiöse Befriedigung gewähren konnten und daß der Bamburger Tempel damals zuerst einen nachhaltigen Einfluß auf die Reform des Gottesdienstes ausgeübt hat. Die hervorstechenden äußeren Neuerungen m diesem Gottesdienste waren deutsche Gebete, deutsche predigt und deutsche Lieder mit Drgelbegle»- tung. Auch die gesanglichen Darbietungen der Synagoge in jener Zeit waren nicht geeignet. Würde und Andacht im Gottesdienste ausznlösen. Schon im s3. Jahrhundert wurde vou Einsichtigen darüber geklagt, daß die alten traditionellen Weisen aus der Synagoge verschwinden und daß an ihrer Stelle Gpern-, Tanz- und Marschliedcr u. dergl. gelungen wurden.

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