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Liberales Judentum · 1918-09-01 · Heft 9-10 (September 1918) · p. Seite 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 9-10 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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Dr. D. Lenndörfer: Der Hamburger Tempel und seine ersten Prediger Iicrm m ästhetischer Form sollte das Nralle stets neu, erhaben, vornehm und würdig uvL damit zurr: Ligenturn, zu wirklichem Besitz des von den 2lhnen Lrerbten machen in den Kerzen einer deutschdenkenden, deutschempfindenden, deutschsprechenden, in Schule und Leben zu. deutschen Bürgern erzogenen Generation. Ganz im Sinne Gabriel Rießers, der in seiner Zeitschrift „Der Jude", in seinen parlamentsreden, in seinem Wirken als Rechtsanwalt und zu einer Zeit auch als Vorsteher des Tempels der innigen Verbindung von Judentum und Deutschtum sein gewichtiges Wort gewidmet hat. Rley 6nd Salomon verfolgten diese Ziele in der Anordimng der abwechselnd hebräisch und deutsch zum Vortrag gelangender: Gebete und Gesänge im Tempel und ganz besonders ' in ihren gottesdienstlichen Vorträgen. - ' Worin sie sich unterschieden, das war — in Beziehung auf ihre Homiletik — die 2Net h o d e. In Alev war der Lehrer, in Salomon der Prediger vorherrschend. Dort waltete wie in der Welt der Schule das Rnterrichtsmäßige, das Denken, die Reflexion in der äußeren Form und Sülle lehrhaft, doirrrnar, abhandelnd vor, hier ward mehr . als auf die Verstandestätigkeit auf Gemüts- ■ tiefe, Gefühlswärme, Gewicht gelegt; hier gestaltete eine lebhafte Phantasie Sregese, Arrsdruck, Stil, Einwendung und Vortragsweise auf der Ranzel. Kleys gedankenreiche predigtart entbehrte des Schwunges, des Glanzes, des bestrickenden Reizes, die Salomons be- ' zaubernder Redekunst zu eigen war. Bei Kley war es der Rathederton der Unterweisung und Belehrung, bei Salomon die frisch und lebhaft erregende, Erbauung bewirkende Einbildungskraft, die bald rührend, bald begeisternd, immer erwärmend, die Sinne und die Herzen der Hörer gefangen nahnr. Alex sprach wohl nicht im salbungsvollen Tone, aber doch oft nach dem Uluster protestantischer Geistlichen, Salomon, der zu Beginn seiner Predigerlaufbahn nach dem Vorbilde -eines Draefeke seine ' Reden ausarbeitete, arbeitete an sich, meisterte Gedanken und Formen selbständig solange, bis -er es zu einer Ursprünglichkeit, Eigenart und vollständigen Unabhängigkeit von anderen Kleistern der, Rhetorik gebracht hat. Diese seine Originalität schreibt er selber der verrieftrng in die rabbmische Wissenschaft, insbesondere midraschische Literatur zu: „Ich habe,' sagt er einmal in dar Vorrede zu einem Band.' Festreden, „meine Art zu predigen, lediglick den Rabbinen abgäbrnt." Seine Gleichnisse, poetische Stil- und M-deblüten, rn welche viel, sach Blumen der Agava verflochten sind, fesselten, erbauten und beeinflußten die Gemüter in erhöhtem Rlaße. Insofern ist er! der erste, echtsüdusche Prediger, dem die Gerzen der Hörer wie auch der zahlreichen Leser seiner viel veLfffentlichten Reden warm entgegenschlugen. 218 Recht nannte man ihn den Vater der Mdischeu Homiletik inderNeuzeit. Ludwig Philippstchn schrieb anläßlich des 25jährigen AmtsjukMums unseres Salomon in der allgemsuen Zeitung des Judentums Rr. \2 folgendes: Salomon durchwehte die jüdische predigt nut freien: Geiste, löste sie von der Bachahnung anderer Glaubens- Parteien los, machte sie zuerst zu einen: eigenen, dem Iudeiürme selbst gehörenden Produkte. Sr ward Muster und Lehrer in der deutsch-israelitisZen Beredtsamkeit, und wer die vor: Tag zu Lag sich steigernde Mick? - tigkeit dieser für unpren Gottesdienst zu ermessen versteht, wird Las Verdienst Salomons ganz zu würdigen wissen. Die herrliche deutsche Sprache floß aus der Feder vieler Inden vor ihn: in ihrer ganzen Herrlichkeit, aber vom 2lc u nd e-mires Juden als. lebendiges Wort war sie bis zu ihn: in solcher Kraft, in solchen: Gl«M, in solcher Vielseitigkeit noch nicht vernornner: worden. Salomon war der erste, der £gt deutsch-israelitischen Kar:zclberedtsamkeit auch bei anderen Glau bensparteien 2lchtuug abzwang — und man weiß, wie schwer dies ist." Ist Kleys geistvLb Interpretation des Schriftwortes meist oh.w poetischer: Schwung, so war er als Schöpfm des Tempel-Gesangbuches doch auch poeisii^ verarüagt, ur:d er sowohl als seine treue Schülerin T h e r e s e Warendorff dichteten zahlreiche Lieder, die heute noch nut Vorliebe gesungen werden. Roch ein Zug ir: drr Persönlichkeit Salo-- n:or:s sei hier erwähnt:Die Kraft seiner Apologetik. Gemütswarm aber sachlich, wissenschaftlich und ohne subjektive voreingenom n:er:heit, mit den: ihn: eigentümlicher: liumcr ur:d Witz tritt er kühn der: Angreifern des Judentums entgeger:. Bmno Bauer, die pro-

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