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Liberales Judentum · 1918-09-01 · Heft 9-10 (September 1918) · p. Seite 74

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 9-10 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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74 Dr. D. Leimdörser: Der Hamburger Tempel und seine ersten Prediger Das 2TUtteI hierzu sei Ine Er baunngs statte, aus der wie einst „von Zion die Gotteslehre ausgehe und das 'Gotteswort von Jerusalem!" An der Spitze dieser neuen Epoche standen zwei Theologen glänzende,! Namens: Dr. Eduard Israel Rley und Dr. Gotthold Salomon. Schreiber dieser Skizze beabsichtigt, zur Hundertjahrfeier des Tempels eine Fest-, schrist herauszugeben, die außer wichtigen Amsätzen und archivalischen Dokunienten zur Geschichte des Tempels einen Abschnitt über die Prediger enthalten soll. §ier nlöge, dem Wunsche der Schriftleitung dieses Blattes entsprechend, nur ein kurzer Abriß des Wirkens der ersten zwei Prediger gegeben werden, von Lenen die grundlegende Organisation dieser Bet- und Redestätte ausgegangen, und die die geistigen Urheber und wirksamsten Förderer dieses neuzeitlichen Rultus- und Rulturheims gewesen sind. Die Bahnbrecher der Wissenschaft des Judentums im vorigen Jahrhundert haben in ihren Schriften die Arbeiten und Verdienste Rlevs und Salonions des öfteren gewürdigt, nämlich Leopold Zunz und Abraham Geiger, aber auch der rebaiöskonfervative -Salonion Iehuda Rappoport -tonnte nicht umhin, in seinen hebräischen Briefen „Igrot ha SIR“' besonders Salomon als hervorragenden Goiniletiker zu verherrlichen. Der {S\7 ziun Direktor der israelitischen Freischule von Berlin.nach Isamburg berufene LduardRley, geboren am \0. Ilmi . ->789 Zu Bernstadt in Schlesien, war 22 Jahre lang Prediger am Tempel, legte dann sein Antt freiwillig nieder und starb ani 's. Oktober l-467. Gott hold Salomon. geboren am l. November (73^ in Sandersleben (Anhalt), kani von der Franzschule in Dessau, wo er als Lehrer gewirkt hatte, (8(4 nach Gamburg, fungierte 39 Jahre als Geistlicher des Tempcls und starb ani (7. Rovember (362. — Ls dünkt mir wie ein Fingerzeig der Vorsehung, daß zwei Schulmeister fast zu gleicher Zeit zum Predigtantte Hierselbst gelangten. Das abgebrauchte Wort: „Mer die Schule l^at, hat die Zukunft" und der vielfach angewandte volksspruch vorn „deutschen Schulrneister, der die Schlacht gewonnen" dürften auch da, wo es sich um die Pflegestätte religiöser Andacht handelt, in deren Ruttelxunkt das Lehramt oder die Ranzel steht, angeführt werden. Wie beirn Sonnenaiifgang der jüdischen Geschichte — nach dem Midrasch Ialkut — der treubewährte weiter einer kteineir lserde zum öirten Israels erwählt worden ist — Moses —, wie beim Niedergange der Davidschen Dynastie Lsillel und nach dem Untergänge Ben Sakkai Schulen ^gegründet litten, dort Bet-Lsillel, das LehrHaus jhillels, hier Jab ne, aus denen die Erhaltung des Judentums sich herleitet und die Meister und Lehrer der Schulen musterhafte religiöse Wortführer für ganz Israel geworden, so sind berufliche Pädagogen, Erzieher der Rinder, Lehrer der Jugend an israelitischen Stiftungsschulen zu Volkslehrern und geistigen Führern der jüdischen Gemeinde erkoren worden. Die kleine Herde der Schüler zu lenken, galt ihnen als Vorstufe für das Seelenhirtenamt der Gemeinschaft der Großen, für welches sie sich freilich schon früher meist nach dem vorbilde nichtjüdischer Wegweiser der Ranzelrede in einenr Privattempel „Bet- Iakob", gegründet von Israel Iacobfohn in Berlin, erfolgreich vorbereitet hatten. Der Hamburger Tempel fand seine erste Gemeinde m der Schule und seine ersten geistigen Führer wieder in der Schule — und was diese beiden wollten, dachten, schrieben und sprachen, das machte — Schule. Schulemachen heißt: vorbildlich wirken, heißt: Gleichstrebende zur Nacheiferung veranlassen, ihren Ideen zürn Durchbruch verhelfen und auf die Neugestaltung der Institutionen in Beziehung auf Geist und Willen ausschlaggebenden Einfluß üben. Beide, Rley wie Salomon hatten das eine Ziel: Die Erhaltung des positiven Iudentruns, die Belebung jüdischen Selbstbewußtseins, die Ansbreitung der mosaischen urid prophetischen Ideen, insbesondere der Ethik des Judentums sowohl im Iinneren der Gesanitheit ihrer Glaubensgenossen wie auch außerl^alb derselben in der Welt, in der sie Achtung und Anerkennung der Lehren der jüdischen Religion und ihrer Bekenner erstrebten. Die Mittel und Wege dazu sollte der Tenipel weisen durch seine würde- und weihevolle Andacht und durch das klar, rein und schön zu Gehör gebrachte Gotteswort. Der tenipel bahnte ferner die Wege zur Verbindung des Judentums mit d e m D e u t s ch t u ni insofern, daß die ewigen Wahrheiten unserer Religion, ihr tiefsittlicher Geball Festigung finde durch die in die Erscheinung tretende reizvolle Gestalt, die heilige

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