Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. D. Leimdörfer: Der Hamburger Tempel und seine echen Prediger To\ Eempelnritglicder, ihrer Angabe nach von einem sehr großen Teil der Mitglieder des Vereins aufgefordert und bevollmächtigt, der Direktionso hieß der Vorstand — nachdrückliche Vorstellung über die Form des Gottesdienstes machten und eine Art freireligiösen Gottesdienstes eingeführt wünschten, gab ihnen Bresselau eine entschieden ablehnende Ant-, wort. Die historische Bedeutung des Tempels . liegt geradezu in diesem von Bresselau vertretenen Grundsatz, alle charakteristischen Momente des historischen Judentums „die positive Grundlage in tehre und Geschichte nach ihrer Eigentümlichkeit" festzuhalten, so lange und soweit es Geist und Gemüt ansxricht und den Forderungen religiöser Nahrhaftigkeit und dem gebildeten Geschmack nicht widerspricht. Alle Neuerungen,, wie deutsches Gebet, Gesänge, Orgel wurden vom Standpunkt des traditionellen Judentums, mit talmudifchen Gründen als berechtigt nachzuweisen versucht. Alan wollte nicht radikal sein und keine Prinzipien reiten. Der Tonpel „wird in der Alitte auflösender Einwirkumen von wahrhaft tonservativeni Geiste bestückt", wie der Herausgeber der theologischm Gutachten sagt. Die Kraft und Zukunft, des Tempels lag in feiner glücklichen vereinigMW partikularistischer und universalistischer Elemrnte. Der Senat erklär sich von den 2kusein° andersetzungen Bressettus befriedigt und antwortete, daß der Trmpellverein „toleriert werden" solle. Ser war der junge Tempel glücklich der Gefahr entronnen, in welcher der Iacobsonsche Teupel in Berlin untergegangen war. Oer klamburger lempei und seine erften Prediger. Zur Hundertjahrfeier des Hamburger Tempels. Sott Rabbiner Dr. D. Leimdörser-Hamburg. m ^8. Oktober, dem historischen Denktag der Völkerschlacht bei Leipzig ist vor hundert Jahren der erste Hamburger Tempel feiner Bestimmung übergeben worden. Das vielgepriesene, mehr noch verlästerte Gotteshaus rief die größte Umwälzung des öffentlichen. Kultus der Israeliten Deutschlands, später auch Oesterreich-Ungarns und vieler anderer Staaten beider Hemisphären hervor. -Die Schöpfer des Tempels hatten lediglich ideale, tiefreligiöse Ziele im Auge. Die Nachmendelssohnschc Zeit stellte als wichtiges Erfordernis der Neuzeit einen geordneten, weihe- und würdevollen Gottesdienst hin. Die in deutscher Sprache und Wissenschaft geschulten und gebildeten Geschlechter vermochten nicht mehr den in den meisten Svnagogen üblichen Formen und weifen der herkömmlichen Andachten sich anzüpassen, cs war ihnen das Verständnis und die Kenntnis der. heiligen Sprache, der Bibel im Urtexte, der hebräischen (Sc&cfe, ihres Vortrages, ihrer Sang- und Kkangart, ihrer Rezitation und vor allem das Interesse abhanden gekommen, ohne welches eine Erbauung im Gotteshause unmöglich ist. Der tiefe, Geist erleuchtende und Herz veredelnde Gehalt der jüdischen Gotteslehre, verkündet in einer der Jugend unverständlichen Sprache und Vortragsweise, drang nickst ftr die Seelen ein, um drs Interesse für das heilige Erbgut der Geneinde Jakobs zu heben und zu beleben. Die Folgen davor: mußten sein: Entfremdung vom Elternideal, Erkaltung des religiösen ^rnes, Gleichgültigkeit gegen das religiöse Cefcas und Streben, moralische Verwahrlosung, «n verfall, der all-- mählich zum Abfall führt. Die Gründer des Tempels, begeisterte 2lnhänger des Judentums, ernst besorgt um die Zukunft der Heranwachsenden Geschlechter und tiefbekümmert um Die Forterhaltung des uralten Väterglaubens 4ei Kindern und Kindeskindern, legten sich Lie Frage vor: was soll, was muß gefchehm, um unser uraltes Judentum lebensfrisch, gegenwartsfroh und znkunftskräftig der neuen Generation zu sichern dermaßen, daß dieses Fundament des ethischen Weltbestandes ihr nicht verloren gehe? Die 2lntwort auf diese FraZe war die Gründung des Tempels. In neuer Gestalt, der Kitlhir, der wisselüchaft und der» Zeitbewußtsein entsprechcrid muß die!rehre Moses, für die Väter und Mütter Jahrtausende gerungen, gelitttn und die lchwersten Opfer gebracht hatten, die Gemüter entflammen, die Jugend mit Begeisterung erfüllen..