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Liberales Judentum · 1918-09-01 · Heft 9-10 (September 1918) · p. Seite 72

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 9-10 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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"TOr. Ecligmann: Zur Entstehungsgeschichte des Hamburger Tempels den ^cdft^ur-- und Festtagen sowie bei anderen feierlichen Göelegenheiten, in einem eigens zu diesem 3ä$mifc einzurichtenden Tempel, der Gottesdiienr ^gehalten werden soll. Bei diesem GottesD^erK ssoll namentlich auch eine deutsche predigb 2ÄS vTboralgcsang mit Begleitung der Grgel emge? führt werden. Dirr srrwahnte Ritus soll übrigens sich nicht bÄH -sauf den Gottesdienst nn Tenipel beschrÄsLo-^, vielmehr sich auf alle diejenigen religiösen Gebrauche bei Handlungen des bürgertüchW! Gebens erstrecken, die durch die Rirche WÄsLiligt sind oder ihrer Natur nach geheiligt Merden sollen. Die vorzüglichsten derselben Md ' die bei der- Aufnahme der Reugeboremes irn den Bund der Väter, bei den TrauumgrM u. dergl. m. Auch soll ein religiöser 2lK Eingeführt werden, durch welchen die Runder ^beiderlei Geschlechts, nachdem sie in den Meaubenslehre einen angemessenen!lnterr«ÄS Erhalten haben, als Bekenner der ncofaisMM Rcliaion einaefeanet werden sollen/"' DurSeeele des neuen Tempels war neben Iller Lrer Hochbegabte,;m jüdischen Schrifttum wüe W! '.der modernen Rultur gleich heimische LTeZMrius der israelitischen Genceinde, Mover IMuel B r e s s e l a u. Gr war, zusammen! üfe Sedcl Isaak Frankel der Verfasser uurd Herausgeber des neuen ^.empelgebetbruches,, dessen deutsche neue Gebete übrigens, Ebenso wie die Tenlpelgesänge größtenLeAs rvon Rley verfaßt sind. Dms Wrorisch denkwürdige Tempelgebetbuch isst Erwähnten Isaak Jacobson gewidmet!&: 'Widmungsworte lauten: „ÄMkWTr hochwohlgeboren, den: Geheimen Fimm^Math I. Jacobson als einen Beweis nre-chrM' Achtung und aufrichtiger hochschätznnG MMndniet von den Herausgebern." „kstochWohlgeborner hochznverehrender Herr! Lv-Lnn wir'uns erlauben, Ihren Ramcm ss-n die Spitze dieses Gebetbuches zu setzen so - sehen wir es als eine Huldigung an, die IbMen. für Ihr unerinüdetes Streben gebührt,, f-Awohl das Gute und Tdle im All- * genreineM ' befördern, als besonders in religiöser .huHicht den Sinn dafür unter unfern Glaube'-r.socrs-ossen zu wecken. Ist cs -.uns gelungen, dieses Gebetbuch und dem LLMlit verbundenen Gottesdienst in Ihrorm -Aoriste zu gestalten, so mögen Sie es als Ihr Werk betrachten, gleich einer Pflanze, wozu Sie in weiter Ferne den Samen ausgestreuet, den ein wohlthätiger wind Hierhergeführt, wo er euren fruchtbaren Boden gefunden hat und schön aufgegangen ist; und wenn es Ihnen die Freude gewährt, die ein gelungenes Werk mit sich führt, so möge Ihnen der Allgütige die noch größere gewähren, dieses gottselige Werk sich immer mehr und mehr in Israel verbreiten zu sehen. von dem aufrichtigen Wunsche für Ihr dauerhaftes Wohlsein durchdrungen, verharren wir, hochwohlgeborener, hochzuverehrender Herr Ihrer ergebenst ' Frankel und Br esselau." Hamburg, im August \§\ty. Kurz vor der Einweihung des neuen Tempels, die am \8. Oktober \8\8 erfolgte, hatte der Tempelverein eine schwere Gefahr zu bestehen. Als an den Senat der freien Stadt Hamburg die Einladung erging, der Einweihung des Tempels beizuwohnen, erfolgte die Antwort, daß es dem Senate auffalle, daß ein Tenipel eingeweiht werde, wovon er keine Wissenschaft habe, und wozu seine Erlaubnis nicht nachgefucht worden. Der Senat wünsche zu wissen, was dazu bewogen habe, diesen Tempel zu errichten und ob er eine besondere Sekte bilde. Bresselau antwortete, daß der Tempel ans den: Wunsche einer beträchtlichen Anzahl von Familien, die die väterliche Religion in ihren Grundlehren als Erbteil für' sich und ihre Rinder bewahren wollten, hervorgegangen sei, daß er innerhalb der Synagoge bleiben wolle und keine besondere Sekte bilde und daß er nur darum deu Rainen Tempel wählte, um einen Ronflikt mit den Vorstehern der Svnagoge zu vermeiden. Das war das ausgesprochene und in allen Uiaßnahmen und Aeußerungen bekundete Bestreben des Tempelvereins, „innerhalb der Synagoge zu verbleiben." Als ein Rollege im Vorstand eine bestimmt formulierte Glaubenslehre von Bresselau verlangte, antwortete dieser mit den charcrkteristischen Worten: „Wir Haben den 'Gottesdienst verbessern wollen, und das ist geschehen; zum Reformator füyle ich mich nicht berufen." Und als kurz nach dem ersten Gottesdienst mehrere

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