Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Eeligrnann: Zur Entstehungsgeschichte des Hamburg«: Tempels /l rvrrrde die Wiederholung des Sauptgebets und (in der ersten Zeit) das Mussaph fortgelassen, dam« der 'Gottesdienst nicht zu lange dauere. Auch wurde die portugiesische Aussprache des LiebDÄfchen emgeführt, die Gesänge wurden von «ner Grgel begleitet. Berühmte christliche Lediger, Schleiermacher, Ritschl u. a. besuchte» oft diesen Gottesdienst und waren aufmerrßame Zuhörer der jungen Prediger. Da wurde von der altrabbinischen Partei die LMe der preußischen Regierung gegen den Reforrugottesdienst angerufen. Line alte Verordnung, wonach keine Privatgottesdienste zulässig feien, wurde ausgegraben. Am den Iaeotzfon-Beerfchen Tempel vor dem Anschlag zu retten, erhoben 'ihn die reformfreundlrchen Gemeindevorsteher, während des damocks gerade notwendig gewordenen Umbaues des alten Gotteshauses, zur Gemeindesynasoge. Obschon der Gottesdienst jetzt noch viel Konservativer gestaltet wurde, widersetzte sich das Berliner Rabbinat jeder Reform; " es wollte nicht einmal die deutsche Predigt dulden. Die Regierung wurde aufs n.ue von der Partei der Altfrommen in den inneren "Kami?? hineingezogen. Mehrere Jahre wogte der Kampf hin und her. Die Prediger ver-. ließen die kampfumtobte Stätte, an der der Gottesdienst bald nur noch ein küninierliches Dasein fristete. Kley ging nach läambürg, GünÄburg nach Breslau, Auerbach nach Leipzig. 3m Jahre (823 erwirkte die ältrabbinifche Partei eine königliche Kabinettsordre, welche jede Neuerung im Kultus als Sekliorerei auf das strengste verbot. Seitdem wurde der jüdische Kultus von der Regierung überwacht. Sogar Leichenreden zu ' halten" wurde den Inden in Preußen untersagt. Me in Berlin, so legten sich in Breslau snd Königsberg die von der Drtl>odoric heraufbeschworenen Maßregelt: wie kalter Nachtfrost auf das neu hervorkeimende religiöse Sehnen und Verlangen. Dvmals fand der Massenabfall der Gebildete» vom Judentum statt. Alle Kinder Ijxus den hochgebildeten jüdischen .Däusern warrdten der alten Synagoge den Rücken. And wo es nicht zum Abfall karrt, zog ein Kirchhofsfrieden ein, eine eisige Oede und religiöse Gleichgültigkeit, die denr preußischen Judentum der zwanziger und dreißiger Jahre des , neunzehnten Jahrhunderts sein unseliges Gepräge aufdrückt. — 7lber trotz polizeigLwalt und Verketzerung .setzte sich das Neue, das aus einem tiefen inneren Bedürfnis geboren ward, doch durch und eroberte sich zulcht selbst die altfrornrne Synagoge. Denn „Ideen können so wenig xroskribiert, als Ländre gegen Licht und Luft abgesperrt werden. L-vßt Lsuß in Kostnitz verbrennet!, und es entsteht ein Luther in Wittenberg, wenn die Frucht der Zeit reif ist." . Jm Jahre (8(7 hatte Kley Berlin verlassen, um einem Rufs nach Hamburg zu folgen, wo er die LeiÄrng der (8(5 errichteten Freischule übernahni. Mt den Vormittagen der s Sonntage hielt er in ßeiner Schule eine Andachtstunde ab, zu dw sich auch zahlreiche Erwachsene einfanden. Diese „sonntäglichen Erbauungen" übten «nie weitgehende AÄrkung und weckten im Meise der intelligentesten Männer und Frauen von Hamburg, die seit Jahrzehtlten kein GMeshaus inebr besucht hätten, das schlummernde religiöse Bedürfnis. So fielen die Anregungen Kleys auf einer: äußerst fruchtbaren Beden. Noch in demfelbeti Jahre, in welchem er nach Hamburg gekommen war, versammeMn sich arf feine 7l::- regung (am ((. Dezenter (8(7) sechsundsechzig angesehene GemeinderMtglieder, denen sich in der nächsten Zeit noch dreißig weitere anschlossen und konstituieren sich, nach einer An spräche Kleys zu eina» Verein, denr sie,den Namen „Neuer israelitischer Tempelverein in Hamburg" beilegtet:. In der schon vw der konstituierenden versamntlung entworPne:: „vereinigungsakte" heißt es: „Durchdrungen von der Notwendigkeit, den öffenEchen Gottesdienst, der teils wegen der innnor mehr abnehnrenden Kennttlis der Sprache, b: welcher er bis jetzt allein gehalten worden, teils durch die mannigfaltigen dabei eingesMchenen Alängel, seit einiger Zeit von so viclkm vernachlässigt worden, zu seiner ihm angemessenen Würde und Bedeutuitg zurückzufichxen, utid von dein Wunsche beseelt, den fast erkalteten Sinn für die ehrwürdige ReligLm der Väter wieder zu beleben, haben dir Endesunterzeichneten sich dahin vereinigt, nach dem Beispiel mehrerer israelitischer Gemeinden in Deutschland, und ttameittlich Der in Berlin, auch in dieser Stadt, für sich und alle, die mit ihnen gleich gesinnt sind, ewrn würdigen und geordnetet! Ritus herzustckten, ::ach welchem an