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Liberales Judentum · 1918-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1918) · p. Seite 60

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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9 Büchcrschau —, die lachend ja sagen, die nicht in Gedanken versponnen, die Gegenständliches, Dmghaftes onnen, die das Erlebnis von Natur und Körpermolt zu Farben und Versen verdichten. Und doch ist viel Gutes, von uns allen >umpf Gefülltes in den wohlklingenden, melodischen Gedichten dieses Buches enthalten. Das Ich und seine Liebe, die Freund schafh die Gemeinschaft, der Geist, alle Programmworte neuer Kunst, bilden den Inhalt/ mit denen , der Dichter sich auseinanderzusetzen versucht. Die! ist ibrn gelungen. In Formen der Schönheit eingefangen, tragt uns in gedankenferne Welten die tiefe Symbolik, das mystische Ahnen, das blutende Bekenntnis, das dämmernde hoffen der Gedichte, wir begrüßen sie als Verheißung und hoffen, daß der Dichter zu bejahender Erlösung und kraftvoller Eigenart aufrvachsen möge. - . I e r u b b a a l. Eine Zeitschrift der Jüdischen Jugend. R. Lörvit Verlag, Berlin und Wien. Iahrg., L Deft, April Mit der rühmlich bekannten, vortrefflichen Ausstattung, die der Löwit-Verlag, dem wir ein neues Aufblühen jüdischer Literatur in diesen Jahren verdanken, allen seinen Veröffentlichungen mitgibt, liegt das erste l^eft dieser neuen Zeitschrift vor uns. Das Geleitwort verspricht viel, wird das Werk es halten? Ls wendet sich an die jüdische Jugend von J5—25 Jahren, die ihr Judentum und die Wenschheit ernst nehmen. Es will nicht vor allein belehren und unterrichten, sondern problerne der jüdischen Gegenwart aufzeigen, Fragen erörtern, Lösungen andeuten., Jugend vor allem soll zur Jugend sprechen. von den witarb eitern seien erwähnt: bin Gorion, Birnbaum, Brod, Buber, Kaplun-Kogan, Landauer, Oppenheimer. Herausgeber ist Dr. Siegfried Bernfeld. Das erste Best enthält unter anderem:'wartin Buber: Jüdisch Leben. Robert Weltsch: Die Belle der Jugend in der Politik. Abraham Schwadron: lieber deü verstandesmäßigen und heroisch-fanatischen Zionismus. wenn der Wahlspruch lautet: „In der Zeitschrift Ierubbaal kommen alle Weinungen und Anschauungen zu Wort, ihre einzige Aufgabe ist, der jüdischen Jugend zu dienen, so wie sie selbst es bestimmen und verantworten will", so muß doch betont werden, daß nach Auswahl der witarböiter und dem Inhalt des ersten Bestes, keine neutrale, sondern eine ausgesprochen zionistische oder wohl besser national-jüdische . Tendenz der Zeitschrift eignet. - Wayer Sigmund: Die wiener Juden \700—lH00. Wien/Berlin $17. Löwit Verlag., 8°. 52\ Seiten. Dieses monumentale Werk, ist mehr, als sein Titel verheißt. Es ist nicht nur eine wirtschaftliche und politische Geschichte der Wiener -Juden in den letzten zwei Jahrhunderten, sondern eine nach neuen interessanten Gesichtspunkten bearbeitete Wirtschaftsgeschichte der Juden vom babylonischen Exil bis zur Gegenwart. Es zeigt den weg, der die Juden aus der alten Beirrrat Palästina und Babylon nach Wien geführt hat. und hat die Tendenz, den jüdischen Nationalismus durch die Lehre der Geschichte zu bekämpfen. Aus dem Buche weht ein erfrischender Gauch jüdischen Gptimismus. Großzügig find die Gedankengänge und hochfliegend die Forderungen. „Die Juden als Gegner des Nationalismus wären sozusagen die frühesten- Bürger der kornmenden politischen Welt"". Wutwilliger Leichtsinn wäre es, die feit einem Jahrhundert trotz aller antisemitischen Rückschläge begonnene und gesetzlich geschützte Aufwärtsbewegung durch zionistische, Romantik zu gefährden, weil nicht alle Blütenträume reiften. „Ich bin kein Pessimist. Die Betrachtung des Sprunges, welchen die österreichischen Juden, schon während der Dauer meines Lebens — und ich bin nocb nicht einmal hundert Jahre alt — gemacht haben, gestattet nur nicht, es zu sein oder zu werden. Als Knabe war ich noch ein Gefangener.zwischen den Bumern eines Ghetto, als Jüngling stand ich unter der entwürdigenden Polizeiaufsicht des Wiener Iudenamtes Beute sitzen Juden im lZerrenhaufe neben kaiserlichen Erzherzogen rnitberatend, mitcntscheidend."" wir empfehlen das fesselnd geschriebene, populärwissenschaftliche, jugendfrische Werk dos im patriarchalischen Alter von über 80 Jahren stehenden wiener Gerneinderates auf das allerwärmste allen denen, die Belehrung über die Geschichte der Inden in ' Europa suchen, sowie allen denen, die gleich uns nicht im nationaler Ligenleberr sondern in der religiösen Eigenart den Sinn und die Bestinnnung des Iudentmns erblicken.

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