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Liberales Judentum · 1918-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1918) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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Bücherschau M Jakob Neubaue-r: Bibelwisse lisch a f t l i ch e I rr u n g e n. Lin Beitrag zur Kritik der alttestamontlichen Bibelkritik an der Lsand eines gerichtlichen theologischen Gutachtens. Berlin Verlag von L ouis kämm. 8°. 242 Seiten, .preis: 4/50 2Ttf. / Ausgangspunkt dieser umfangreichen Krickik ist das Gbergutachten, das Professor Kittel in dem skandalösen Prozeß gegen den.berüchtigten Antisemiten Fritsch idem. Landgericht Leipzig erstattete und bas zur Folge hatte, daß das Strafverfahren gegen Fritsch wegen Gotteslästerung und Beleidigung der jüdischen Beligionsgem einschaft eingestellt wurde. Das Gericht kam zu einem freisprechenden Urteil infolge zweier Thesen, die Kittel aufstellte und wissenschaftlich verfocht. Gegen diese zwei Thesen: daß der von Fritsch gelästerte Gott -nicht der Gott der heutigen deutschen Juden sei, 2. daß ein wkhrer Kern in d^n allerdings übertreibenden Schmähungen Fritschs vorhanden Jei, wendet sich der Verfasser mit großer Schärfe und. mit einen: anerkennenswert reichen wissenschaftlichen Material. Der Verfasser ist durchaus vertraut mit den Lr- «ebnissen der modernen Bibelkritik und besitzt daneben reiche Belesenheit in talmu- ' dischen und mittelalterlich-rabbimschen einschlägigen Schriften. So wird seine Schrift zu einer ergiebigen Quelle der 2lnfklärung über viele heißumstrittene Fragen der Bibel- Tvissenschaft. Dervorzuheben sind die Kapitel über „Ger, Rea, Talion". 2l!lein trotz dieser Anerkennung können wir unsere schweren Bedenken'gegen die ganze Art dieser kritischen Widerlegung nicht unterdrücken. Der Verfasser beweist zu viel und darum zu wenig. Trotz seiner Verwahrung im Vorwort, daß seine Untersuchungen ohne die üblichen „dog Matischen Voraussetzungen" erfolgt seien, iß festzustellen, daß der dogmatische Standpunkt fast in jedem Kapitel sich unangenehm bemerkbar macht. Der Standpunkt des Verfassers ift nicht als wissenschaftlich anznerkennen, viele Deutungen angegriffener Bibelstellen sind homiletisch statt exegetisch (z. B. S. 5.ö, 55, 92}. Schade, schade, daß so viel Gelehrsamkeit, Scharfsinn und Fleiß umsonst vertan ist, weil eben nur der einen Wissen-, schaftler widerlegen kann, der selber unvoredigenominen und unbeengt von dogmatischen Bindungen auf dein Boden der Wissenschaft steht. R. L. 2)1 a y: K o nf e s si 0 nellc Militär statistik. — S.. 2l. : 2lus dem Aränv! für Sozial Wissenschaft nnö 5j.! zLalp 0 lit i k. Tübingen \C)\7. Verlag von 1. T. B. iilofc (pau! Siebeck). 8°. (,5 Seiten.. preis: 2,60 2llk. Der auf dem Gebiete der Statistik und Sozialwissenschaft als Autorität bekannte £ci faffer zeigt in diqstr bedeutungsvollen, aus gezeichneten Schrift^ welche Schwierigkeiten de- Aufgabe einer korfesfionellen Ulilitärstatiüi: entgegenstehen und wie dieselben zum Teil überwunden werdar können: Durch Difscrcn zierung, durch AiHellimg und durch ckui deckung zahlreiche^, meist übersehener 'Ge 'sichtspunkte, , wie Bildungsverschiedenbeit. Stadt- und LandgÄurt und deren Beziehung zu MilitärtaualichM, 2lltersanfban der Beligionsgerneinschafttn und dessen Ursache;!. Aufenthalt bei 2luÄ>ruch des Krieges, Einfluß der Ukifcheheu auf den Prozentsatz der KonfessionsangehöLgen .im Deere etc. .Die Schrift ist trotz ihrer nüchternen Wissenschaft lichkeit und ihres ruhigen ToneS ganz ungewöhnlich interessant zu lesen. Niemand, der über Beteiligung Der deutschen Juden am Weltkrieg urteilen will,- darf an dieser bervorragenden Arbeit vorübergehen. Bloch, Dr. Ioßeph S.: Kol Nid re u n d s e i n e T nttft e h u n g s g e s ch i ch t c. Mit einem Vorwort von Dr. 2llfrcd Stern. Präsident der lvimer isr. Kultusgemeinde. Wien ks)k7. 2k. Lowit, Verlag. 8". 28 - Seiten. Den: Urteil Dr. Sterns in den: Vorwort, daß die in dieser Schrift versuchte Deutung des Kol Nidre einen so hohen Grad innerer Wahrscheinlichkeit hrbe, daß sie jeder Kritik standhalten werde, schließen wir uns aus voller Ueberzeugung an. Der Verfasser führt die Entstehung der rwr allen: durch ihre ergreifende 2Nelodie zw Berühmtheit gelangten eigenartigen Lingcngsformel zum Versöhnnngstag-Vorabend ruf die seit der Zwangstaufen unter den Mstgotifchen Königen in Spanien zurück und mthüllt fo — nach einer instruktiven historifcken Einleitung *— das große Mysterium ler Kol Nidre - Formel, als eines der ergrorpndsten, Dokumente indischen Märtyrertums.

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