Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherschau ' 59 dessen Blumen so süß, so bitter, so selig und fo webe Dich anschaun. Der Verstand wird : staunen, Spott wird zu lächeln versuchen. bequeme ■ Gewöhnung erschreckt sich auf- / bäumen. -— Nur Dein Gefühl soll weit offen zur Empfängnis sich breiten; wolle ,licht begreifen, laß Bilder Dir vorzaubern, Ahnungen, Träume Dich umspinnen, tausche dem RyLbmus der Worte, der Farben, der Gestalte« wie einem fernen Rlang von matten Geigen..... Mit großen verwunderten Sternenaugcn, aÄagert auf rotem Tibettexpich sitzt ein Rind, - bas nimmer zu altern scheint, und strömt uns ,mL Mondscheins gütigem Lachen wundervolle Verse in die Seele. Goldgeflimmer schwingt durch dunkle Nacht, Rosen lächeln, mit silbernen Blumen in den löänden schreiten die . stolzen Märchenprinzen. Duftsüßer Gauch umkühlt uns..... ' Aber nein! Das Weib härmt "sich, begehrt, reckt die Arme. Ihr längliches Gaupt ' uinrahmt von schwarzftränigem Gaar. Glührot brennt ihr Mund nach Rüssen.... „Blumerapege führen auf dunkle Gewässer"..... Mitleid, Hingabe, Taumel der Wollust, Sehnsucht, Liebe, Lanzenspeer mitten durchs Gerz. Aus weinenden Wimpern tropft schwarzer Schnee.... 2Lber nein! Urgefühle verwehter Jahrtausende krönen sie zur Schwester Ruths, Esthers, Rebekkas, Sulamiths. In den Abend- Farben Jerusalems glüht die Seele einer späten propbetin. wunderseltenes Geschebn. daß hier in deutscher Sprache einer Dichterin . psalmen vom Mund strömen, die wie althebraische Weisen Gottessehnsucht und Girtenfreude, Erntefeste, Liebesklage und Iudenleid zum Worte formen. . Ludwig Michael Fuchs: Von Tod zu - Tod. Gedichte. R. Lörvit, Verlag Berlin und Wien. )Q\8. \6®. 3\ Seiten, preis: - Steif broschiert 1,20 Mk. Gin Gedicht und vier Szenen eines Müden, Verneinenden,, weltverfluchenden. Aufschrei todwunder -Sehnsucht möchte das All, Gott und sich selbst zerschmettern, höhnisch vernichten. Harlekin ist der Mensch, ein Stück eingefangener Freiheit, znm Sein verdammt. Und als am jüngsten Tag als letztes Wort erklingt: „Ich liebe!" ist Echo das unendliche Gelächter aus den Gräbern. In scharfen, harten Sätzrn, rücksichtslos und aufreizend, packend und in dramatischer Steigerung zeigen die symbolischen Gestalten uns immer wieder den Tod als Ende, aber nicht als Erlösung; als Flucht, aber nicht als. Zuflucht. . Felix Holland er: Der Tänzer. Roman. S. Fischer, Verlag, Berlin M3. 8*. , 398. Seiten. Alle Freunde spannender und guter Un- Lerhaltungslektüre werden auch an dem neuesten Buch des bekannten Romanschriftstellers ihre Freude haben. Von Sensation zu Sen* sation,. von Weib zu Weib treibt das Leben den „Tänzer", den Aerflächlich amoralischen Menschen, dessen ungezügelte Sinne Rünstlerschaft und phantastischen Drang seiner Seele immer wieder überwwchern und zum Schwei- . gen bringen, bis enLZLH der Dolch des Mörders den nutzlosen. Schädling beseitigt, vielleicht symbolisch die Lumanente Gerechtigkeit des Weltgeschehens andeutend. .Ein 'Vorkriegsbuch, leicht geschrieben, bunt bewegt, aber im Ernst unserer Tage für den Denkenden und Geistigen cmi Mumie aus Steingräbern weltferner ZLen ausgegraben, während es dein Leichten müfsige Stunden gut zu vertreiben helfen mag... I0sef Rastein: Logosunö pan. Eine Liederkette aus unseiL7N Leben. R. Loewit Verlag, Berlin und Wien W3.. Groß S°. 64 Seiten, preis: Gebunden 3,30 Mk. > Seltsam, daß auch in diesem Buche wieder eine drängende Sehnsucht, ein müdes Mü- . hen, in der Gedanken letzte Tiefen zu tauchen, die Verse eines neuen Mischen Dichters durch - tränkt. Ich weiß nichts von ihni und wage nicht, ihn jung zu iieäßneii, da Resignation des Alters mit mancher Unreife, mit manchem Anklang ' cm wehlbekannte Strophen jüngster Dichter wechselt.. Vielleicht ist es aber nicht seltsam, ist es cÄnc notwendige Folge der Zwiespältigkeit jüdischer Seelen/die vorn Zionsideale durchflanrint, ' im Geimatland Wurzelboden verloreri, ist es unentrinnbare Tragik, daß ganze Generationen jüdischer Literaten — trotz ihres Abscheus vor Assirnilation — das Erbe des jüdischen Mptimisinns verloren, und nur vom Verzicht und Grübeln zu sagen weiß? Nein! — wir -haben . Kronzeugen — nur Werick nenn ich von vielen