Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3126481-3126578-3126583--2378-3129228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5ii Sit. Abraham: Hm die Ethik unserer Propheten gibt Israels Auserwähltheit diesen: Volke keine Vorrechte, sondern legt ihm nur höhere Verantwortlichkeit auf. Grundbedingung für das Entstehen und das Bestehen des Bundes zwischen Gott und Israel ist das' Sittliche, nicht aber Kultus und Glaube.. Der Ewige und Sittlichkeit gehören im prophetischen Bewußtsein' so eng und innerlich zusammen, daß eines von ihnen ohne das andere . nicht denkbar ist. „Suchet mich", so spricht Amos (5; 14) von Gott, „so werdet ihr leben" und zugleich auch „Suchet das Gute und nicht das Böse!" "Und in demselben Sinne Ieremia (9, 22 u. 25) „Dessen rühme sich, wer sich rühmen mag: daß er verstehe und mich erkenne, daß ich der Ewige es bin, der Gnade, Hecht und Gerechtigkeit übt auf Erden, denn an diesem habe ich Wohlgefallen." Bei den Propheten, kann nur von' einem prak-. tischen ' Gottesglauben geredet werden, nicht von einem theoretischen. Sie.interessiert von Gott nur, was er will, nicht was er ist. von der Teilnahme an der Sittlichkeit im Sinne der Propheten sind demgemäß auch die Seiden nicht ausgeschlossen.. Der Gottesbegriff der Propheten trägt den Charakter eines Nr- und Vorbildes, eines Ideals sittlicher Vollkommenheit, dem nach- und zuzuftreben die Pflicht und Aufgabe jedes Bien schon ist. * Sind aber Jahve mnd Sittlichkeit identisch, völlig gleichbedeutend, so. entschwindet damit die Möglichkeit, daß das Sittliche im Diesseits realisiert werden kann. Andererseits wird dadurch der ewige Fortschritt in der bmmanisiernng der Welt verbürgt, weil nun den: Propheten der Ausgleich zwischen Ideal und Wirklichkeit in der Gegenwart unmöglich schien, verlegten sie ihn in eine unendlich ferne Zukunft, die sich als Ertrag aller sittlichen Weltarbeit, also auch der jedes einzelnen Individuums, auf dem Wege einer unendlich aufsteigenden ' Entwicklung darstellt, lind das ist die Idee des 'HI effianis - m u 5, des Heiches Gottes, auf Erden. In jener Zeit werden alle Völker wandeln in: Lichte des Ewigen, auf den Pfaden der Sittlichkeit. Sein cha-rs wird ein Bethaus für alle Völker genannt werden und die Erkenntnis Gottes: d. h. feines Willens und die Willigkeit, ihn auszuführen, wird die Erde bedecken wie Wasser die HIeerestiesen. Bei solcher Anschauung und Gesinnung, kann nicht von Nationalismus und Partikularismus gesprochen werden. Bei seinen scharfen Abfällen dürfte Tr. weniger die Heden der Propheten in: Auge gehabt haben, als vielmehr die Gesetzgebung^ die von den Propheten beeinflußt ist, wohl .diejenige des Deuteronomiums. Nun deckt sich . das Deuteronomium nicht im ganzen und nicht in aller: Einzelheiten mit dem Ideal der Propheten, denn es ist ein vermittlungs- und Ausgleichsversuch zwischen 'Priester und Propheten. Hnd doch, auch das Dt. verfolgt die höchsten humanen Ziele, well hausen^ sagt im Anschluß an 50, \\: „Nirgend klarer als in den Hlotiver: des Dt. findet sich der Grundgedar:ke der Propheten ausgesprochen, daß Jahve nichts für sich haben wolle, sondern als Frömmigkeit ansehe und verlangedaß der Mensch dem 'Menschen leiste, was recht-ist, daß sein Wille nicht in unbekannter Höhe und Ferna liege, sondern in der allen bekannten und verständlicher: sittlichen Sphäre." Es ist nicht so, wie Tr. glauben machen will, '„daß den Fremdstimmungen gegenüber, gxnan wie überall im Altertum, die hmnanen moralischen Forderungen aufgehoben werden." Die wirkliche Anschauung der Propheten über die Ausländer tut u. a. Salomos Tempelweihrede in ihrer deut.rono mischen Bearbeitung dar. In diesem Gebet erhält dcr Ausländer eine Beziehung zu dem Ewigen, dem Gotte Israels, wie sie wohl irn antiken Gastrecht beispiellos dasteht: „(Ohne voraufgehende Erfüllung kultischer Pflichten soll der -Ausländer Erhorung finden, sobald er sich an Jahve wendet. Gier ist jedwede .ethnische Schranke zwischen Israel und dem Ausländer, soweit es sich Erhorung von Gebetwünsch cn handelt, geschwunden " prüft man die ganze Salomonische Tempelrede ans ihren religiösen und sittlichen Kerngehalt und darf inan sie als Probe des deuteronomifchen Geistes ansebn, so erweisen sich folgende Ideen als die leitenden Gesichtspunkte des Deuteronomiums: Der Gottesbegriff ist über jede -Haum¬ und Zcitbeziehung erhaben. 2. Die Beziehung zwischen Mensch und Gottheit ist in erster Heihe sittlich. 5. An dieser Beziehung kam: der Ausländer ohne weiteres teilnehmen.