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Liberales Judentum · 1918-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1918) · p. Seite 55

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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M. Abraham: Ilm die Ethik unserer Propheten Der maßgebende 'Gesichtspunkt fürda s Prinzip der prophetischen Moral ist „vornehmlich die Idee von der universalen Einheit de^ Menschenge«? schlechte, wie sie aus dem Begriffe des einen Weltengottes unmittelbar hervorgeht/' Dafür zeugt unter anderem in hervorragendem Maße das Gebot in der Fassung des Deuteronomiums, jenes herrliche Dokument sozialer Fürsorge, wie es weder Die Gesetzgebung des griechischen Staates, noch des römischen Weltreiches aufzuweisen hat. Das Gebot spricht dem Sklaven und der Sklavin den gleichen persönlichkeitswert zu, den der Dienstherr für sich in Anspruch nimmt. Der vergleichende Ginweis auf Israels Sklavenverhältnis in Aegypten zeigt uns, daß <5 sich auch um nicht-israeliti fche Sklaven handell. Wie kann man angesichts der oftmaligen Forderung: „Ihr sollt den Fremdling lieben" und der Begründung Lx. 25, 9/ „denn ihr wißt ja, wie es einem Fremdling zu Mute rst" noch von Stammes- oder Nachbarschaftssthik sprechen? •< . Für die tatsächliche Zurückführung dieser Sklaven- und Fremd'enliebe auf die Idee.der Einheit und Gleichheit kann ganz besonders ein Stück unverfälschter, „primitiver Bauernethik" als Zeugnis dienen, in dem Gstob lü a. ausruft (5s, (3—^0): „Gabe ich das Recht meines Anechtes vernichtet und das meiner Magd, wenn wir im Streite waren? Was wollte ich auch Lun, wenn Gott sich erhöbe, und wenn er untersuchte, was ihm erwidern? Gat nicht, der mich erschuf, im Mutterleibe auch ihn geschaffen, und hat nicht Einer uns im Rlutterschoße bereitet?" Lsier sehen wir deutlich das Gepräge des israelitischen Prophetismus: die gefühlsmäßige Ableitung der sittlichen Forderung aus dem Gedanken der Gleichheit der Menschen als dem notwendig entsprechenden Ergänzungsbegriffe der Einheit des Schöpfers. ' wenn Troeltfch behauptet: „Die Sittlichkeit der Propheten ist nicht die Sittlichkeit der Menschheit, sondern die Israels in der ganzen Ungeschiedenheit von Sitte, Recht und Moral, die allen alten Böllern eigen ist", so widerstreitet diese Behauptung dem literarischen Befunde. Wohl steht - die Moral neben dein Rechte, aber nicht beide neben der Sitte, soweit man darunter kultisch-religiöse Bräuche versteht. Das wird jeder vorurteilslose erkennen und zugeben,Ver unter den zahlreichen einschlägigen worün der Propheten z. B. die folgenden liest: Amos 5, 2s—2^. „Ick hasse, verschmähe eure Feste, und eure Feiertage mag ich nicht. Bringt ihr mir anck Brand- und Speisecgfer dar, }> nehme ich sie nicht gnädig auf, wd das.Dankopfer eurer Mastkälber sehe ich nicht an. Aber Reckt ouelle wie Wasser Hervor und Gcrechtiakeit wie ein nie versiegmder Bach." Hosea 6, 6. „Deine Liebe verlange ich und nicht Gxfer,2nd Gotteserkennnis, nicht Brandoxfer." Jesaja s, sä. „Waschet euch, reinigt euch, schafft die Brsheit eurer Taten mir ans den Augen. Höset auf zu freveln. Trachtet nach Gerechtigbü, steuert dem Frevler, helft der Waise zum Recht, führt die Sache der Witwe." Micha 6, 8. „Er hat dir gesagt, o Mensch, was .gut iffc Was anderes verlangt denn der Ewige vm dir als Recht hm, das Gute lieben und in Demut wandeln mit deinem Gotte." . I e r e m ia 7, 2&. „So spricht der Ewige der Geerscharen, Gott Israels: Fügt eure Brandoxfer 'zu «rren Schlachtopfern und esset (ihr) Fleisch. Denn ich habe euren Vätern, als ich sie crrL-Aegvptcn führte, nichts gesagt und geboten in Betreff von Brandoxfern und Schlachtczfern, sondern das habe ich 'ihnen geboten: Gehorchet nieinen Befehlen, so will.. ich Eier Gott und ihr sollt' mein Volk sein." In all diesen Federungen findet man nicht nur keinerlei Lnpfehlung einer Sitte, eines kultischen Brauches, sondern eher das 'Gegenteil. Sie sind Deder von einer kulturfeindlichen, noch knltrMndisferenten Stimmung erfüllt, sondern im schönsten Sinne und höchsten -Grade kultursreuidlich. Abgesehen davor;,, daß Tr. der prophetischen Ethik nur beschränkten Wert zuerkennt, stellt er auch den Satz auf: „Die Völker oder Geiddn gewiiinen an ihr nur Anteil, wenn sie zu Jahve sich bebhren und seine Gebote annehmen." Diese Behauptung ist ebensowenig haltbar wie dir anderen. Nach Anios Aap. ( u. 2 werden heidnische Völker von dem Ewigen, der auch ihr Herr ist, für Sünde .bestraft, die sie geger ihre eigenen Brüder bezw. andere Heiden kegangen haben. Ferner

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