Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherschau 57 4. Die Sittlichkeit bildet eine unendliche Aufgabe': „Denn es gibt keinen Menschen, Der nicht sündigte."' 5. Die Aufstellung einer äo ut äss-Theorie verbietet sich hieraus von selbst. Das Problem der sittlichen Persönlichkeit bat durch Czechiel (läesekiel) eine neue Beleuchtung erfahren. Lr löst die sittliche Persönlichkeit von allen Fesseln, durch die sie ethnisch und biologisch verstrickt und belastet ist. Aus. der gleichmäßigen Beziehung aller Lntz^seelen;u Gott folgt für ihn die gleichrnäßige moralische Verantwortlichkeit, ohne Bevorzugung oder Benachteiligung für irgend eine. - „Fürwahr," läßt er Gott sprechen (l8. \), „mein sind alle Seelen, die Seele des Vaters wie die Seele des Sohnes — mein find sie; Die Seele, die sündigt, die soll sterben." Und ferner, die letzte Tat des Individuums ist ausschlaggebend für dessen sittliche .Beurteilung, da in der Cinzelhandlung der ganze sittliche Mensch seine Erzeugung und Darstellung findet. „Fs gibt für den Propheten weder eine Gruppe, noch eine einheitlich ge- # fchlosfene Persönlichkeit, aus denen die vielen' sittlichen Wandlungen automatisch hervorgucllen. Bur in der ständigen Neuzeugung sittlicher Taten kommt der Charakter rückwirkend Air Entdeckung." Unzweifelhaft deutlich und strahlend klar tritt der universalistische Charakter des israelitischen propbetismus in der Ausprägung hervor, die er durch den sogen, zweiten Jesafa gestruden hat, wonach Israel der Unecht Gottes ist, zum Licht und cheil der Volker werden und als weltcnpriester da- . stehen soll. Danrit ist die individuelle Volksseelsorge, wie sie Czechiel als feine 2lnfgabe empfindet, zur universalen Weltseelsorge Und damit zur Seelsorge schlechthin geworden. Stellen wie 3ef. D, f—4, 49, l—6, 50. 4—9, 2—5, 55, niuffen überzeugen, wenigstens feden Vorurteilslosen. 2lns dem Psalter, 'dieser Furdgrnbe für universalistische durch die proplptic erzeugte Gesinnung sei nur der Psalm s5 erwähnt, welcher trotz der von Duhm gerüätm „Aermlichkeit.seiner Forderungen" .eine splche Fülle ethischer Grundsätze enthält, me sie — nach Rettermanns Worten — vonder durchgeistigsten Gesinnungsmora! nicht Werboten werden kann. Sn diesem psalm ist Linerlei Forderung enthalten, welche irgend eine Cinzelpersönlichkeit oder Gemeinschaft an und für sich, aus einen: ändern als sittlichen Grunde von dev Gottcsnähe ausfchlietzt. . Die letzten Rapitrl behandeln noch, den prophetischen Ind iv i.d unlism n s, Vorläufer und Ausläufer des idc-. .alen Individualiismus und die Methode der religiiansges chichtli ch en Forschung. wir .sind Dr. Rellermann „für seine Schrift zu tiefstem Dmke verpflichtet. Sie wird in uns die Leberzeugung festigen, daß es Troeltsch nicht gelingen wird, die begeisterte wertschitzung zu mindern, die sich unsere Propheten im Bewußtsein der Besten geschaffen haben. Der israelitische prophetismus, der urtttr Schmerzen geboren worden ist, im Volke du Leiden, wird weiter eine (Quelle des Segens fein für die Gesamtheit, für SchönheiisfreMge, Lsoheitsbegeisterte und Trostbedürftige. Die Worte der Propheten, welche in den engen Grenzen eines kleinen Volkes gelebt, rLer ihren Blick haben schweifen lassen bis au die Cnden der Crde und Zeiten, werden' wir in der Vergangenheit so auch in der Zukunft wirken: hinaus über alle trennenden Schrcnken. Sie werden sich auch fürder allzeit erweisen als die Führer zu den' Höhen reinster Sittlichkeit und edelsten Menschentums. Büchedchau. Adolf Go etz: Zm Föhr er L ey. Roman C. Crich Behrens Verlag, Hamburg \ty\ß<. . 8°. 22\ Seiten. Mit flotter Technik und spannend geschrieben stellt der Roman in den Flitter des sogenannten modernen Lebens mit seinen Atrappen wie Sanatorium, Zeppelin, Badeort, erkünstelte Rnn'fierboheme und dergleichen die heiße Liebesgeschichte^ eines runden, gefestigten prächigen Menschen. Lin wenig Judentum spiett hinein mit Antisemitisnms, usalemrouantik und Berliner Ws w. Taufen, ein wenig sentimentale Allegorie aus der Cstbcrgeschiche. Rnaxp Umrissen