Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Abraham: Ilm die Ethik unserer Propheten wünschen entsprechen, noch — was wichtiger ist — der Sache selbst gerecht werden, wie wir meinen.' In solchem Falle heißt es, mit besseren Waffen die gute Sache verteidigen und ihre hohe Stellung wahren. Als ein ziemlich allgemein anerkanntes Ergebnis deb modernen Bibelwissenschaft konntebisher gelten, daß im israelitischen pro* xhetismus Sittlichkeit und Gottesgedanke sowohl eine ideale Höhe erreicht, wie die innigste und erhabenste Verschmelzung gefunden haben. Dieser begeisterten Anerkennung kann und will sich Ernst Arbeit sch, Religionsphilosoph an der Berliner Universität, nicht anschließen. In der -Zeitschrift „Eogos" (WS, Band 6, Heft \) sucht er vielmehr unter - dem Titel: Das Ethos, der h e b r ä i s ch e n P r o x h e t e n nachzuweisen, daß man auf Grund einer besseren' Forschungsmethode zu einer ganz anderen Auffassung kommen müsse.. „Insbesondere wird dabei," so sagt. er, „ein. punkt deutlich hörvortretcn, der den bloßen Erklärungen stets zu entgehen pflegt: Der'Zusammenhang des proxhetismus mit einer 'höchst aktiven und lebendigen, aber, rulturin- . indifferenten, za kulturfeindlichen Ethik." (S. 5). Das eigentlich Entscheidende in ihrer (der Propheten) predigt ist die unerschütterliche beinahe rätselhafte Gewißheit von der Unzerstör-. barkeit Israels, wenn es Jahve treu bleibt und jede Versuchung zu Bündnissen oder Verschmelzungen ’ widerstrebt." : (\0) Bach Troeltschs Zlusführnngen soll sich ergeben: Nicht aus philosophischen.und ethischen Gründen haben die Propheten Jahve zum Herrn über 'die Geschicke der Völker, zum Denker der Geschichte und des Herzens erhoben,- sondern weil sein unzerstörbares Verhältnis zu Israel eine solche Machtstellung fordert, damit er die fremden Völker und Mächte, als feine Straf- und Erziehunaswerkzeüg'e für fein Volk verwenden könne. So zwar zum überweltlichen Gott erhoben, bleibt Jahve doch nur ein Stammesgott, und in einem solchen könne man nicht den Grund und die Bürgschaft des' Sittlichen erblicken. „Die Sachlage bei den Propheten ist nicht ein noch unüberwundener Widersprurch zwischen Universalismus und Nationalismus, Volksgott und weltgett, sondern gerade ans der gesteigerten Leidenschaftlichkeit, Kraft und Innigkeit des Nationalen selbst geht ihre religiöse Welt hervor." ({2i _ Demgemäß verlieren für Tr. auch die (Zukunftsgedanken Deuterojefajas ihren universalistischen Charakter und Wert. Allerdings, in dem prophetischen Begriff des heiligen Nestes gewinne die Sache doch noch eine andere Seite. Dieser heilige'Nest stellt das geläuterte Israel dar, das die vom Volke verlassene reine Sitte von ganzem Gerzen halten und nur deswegen, wegen seiner Treue und seines Gehorsams gegen Jahves Gebote zu seinem Stellvertreter auf Erden gemacht wird. Zu diesem Zweck tft es auserwählt, diesem Zweck dient seine Erziehung in Strafe und Eeid wie in Lohn und Herrlichkeit. Dann aber beruht Jahves weltstelluna in Wahrheit nicht einfach auf dem postulat der Unzerstörlichkeit des Bundesvolkes, sondern auf seinen sittlichen Wächter- und Regentenamt, das sich in Israel das sittliche Vorbild der Menschheit erzieht." (W ' - ' - _ Gewinnt es so den Anschein, als ob vLr. chch nun doch zu den von ihm bekämpften Resultaten der modernen Bibelwissenschaft bekennt, so darf .nicht übersehen .werden, daß solche gelegentlichen Zustimmungen, die als Zeugnisse seiner.Vorurteilslosigkeit gelten können und sollen, meist nur den Uebergana bilden zu Aussprüchen von außerordentlicher Schärfe und Schroffheit. Und so ist es erfreulich, daß Troeltschs Angriff bald eine würdige und sehr 'wirksame Abwehr gefunden hat in Dr. Rellermanns Schrift: Der ethische Monotheismus der Propheten.und feine soziologische Würdigung. Rellermanns Abhandlung ist ausgezeichnet durch vornehmen. Ton, streng wissenschaftliche Darstellung, scharfe Formulierung der umstrittenen punkte, klare übersichtliche Gliederung und zwingende Schlußfolgerungen. , Doch dürfte leider die zum Teil sehr schwere Ansdrucksweise diese Arbeit hindern, so verbreitet zu werden, wie sie es um ihrer selbst und um der Sache, willen, zumal in unseren eigenen Reihen verdient. Nachdem Rellermann kurz die Methodolog i s ch e G r u n d f r a a e erörtert und die Unzulänglichkeit der von Troeltsch befürworteten und angewandten Riethode nachgewiesen hat, untersucht er Schritt vor Schritt die von Tr. gefundenen Resultate bezw. anfgcstellteu Behauptungen und kommt zu folgenden Ergebnissen:. .