Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Dr. Freuv'entha!.: Gptimismus und Pessimismus im Kriegs .schichtliche Unterweisung der fugend läßt An ihrer heutigen Form (vgl. meine Abhdl. in Nr. 6/7, jahrg. 5 d. Zertschr.) sehr zu wünschen und könnte auch sonst allein die 2lufklärungsarbeit nicht vollständig leisten. Line jüdisch-liberale Zeitung aber sollte in jeder Numrner wenigstens einen allgemeinverständlich von berufener Leite geschriebenen, geschichtlichen Aufsatz bringen, über die Entstehung irgend eines Brauches, über die ursprüngliche Handhabung der Toravorlesung, über, die Stellung der Propheten zum Kultus und ähnliche Fragen, die dazu dienen sollen, das Volk zum Verständnis und zhrr Beurteilung aller Aeußerungen der Religiosität anzuleiten. Damit würde sie nicht allein die Lache des Liberalismus fördern^ sondern darüber hinaus die religiöse Ehrlichkeit. 0ptimi5mu5 unä Peffimismus im Kriege. Von Dr. Felix §reudenthal-Berlin. Bei der'großen Vorliebe der Deutschen für Fremdworts darf es nicht Wunder nehmen, daß zwei aus dein lateinischen stammende Ausdrücke sich bei uns das Bürgerrecht erworben haben, die zwei. entgegengesetzte . Weltanschauungen ausdrücken: (Optimismus und Oessimismus. Beide 2lnschauungen treten sieb erfahrungsmäßig in kritischen Zeiten, besonders während eines blutigen Kampfes, mit ungewöhnlicher Schärfe entgegen. Sic gehören nun einmal zum. eisernen Bestand des Krieges; sie sind Lchlagworte, die Sonderung der Zivilbevölkerung'fast ebenso scharf , hervorhebend, wie die Armeen den Hauptbestandteilen nach in jnfanteristen,,Kavalleristen und Artilleristen eingeteilt werden. jedenfalls ist es erfreulicher, falls gebieterisch Farbe bekannt werden muß, zu der Partei der (Optimisten gerechnet .zu werden als zu ihren bleichsüchtigen Antipoden, vorausgesetzt daß nicht leere Phrasendrescherei ehrgeiziger Befehlshaber oder dreiste Entstellungen einer verlogenen Presse, wie bei unseren zahlreichen Gegnern dem- Siegesbewußtsein die solideste Unterlage, nämlich die wahrh eit entzieht. Das ist kein (Optimismus mehr, das ist Größenwahn, Schäumschlägerei, der unsere Feinde verblendet. Anders bei uns Deutschen! Sehen wir v doch, gestützt - und gekräftigt durch ungeahnte Lrsolge und durch Gattes sichtlichen Beistand, mit berechtigtem Stolz und unb.dingt.an Vertrauen dein Ausgang des uns aufgedrungenen gewaltigen und beispielloser! Völkerringens' entgegen, ja, wir. sind bescheiden-ernste, unserer Kraft bewußte (Optimisten. Dieses Wort in seiner vollsten Bedeutung verstanden, dasheißt nur glauben an den Sieg, weil wir siegen müssen, weil es -gilt, unsere Existenz, Haus und Herd, Frau und Kind zu verteidigen. - - ..... ' Doch wer vermag zu leugnen, daß es inmitten einer Scchsunsechzig Nlillionen-Bevölkerung auch Schwarzseher geben mag. Das sind die Pessimisten des Krieges. Sie starren nur auf die Schattenseiten eines feindlichen Zusammenstoßes, auf .das unvermeidliche Llend, auf die schmerzlichen Verluste, die noch in keinem Feldzüge gefehlt haben und die noch unendlich größer wären, wenn unsere bewundernswürdigen Truppen sich nicht im Stande gezeigt hätten, den Feind von den Grenzen fernzuhalten. Sie, die selbst nichts riskieren, denken nicht an den Heldenmut und die Todesverachtung unserer für die Vaterlandesverteidignng sich opfernden Kämpfer draußen, sie verstehen nicht die Größe der Zeit, nicht die Tragik eines nur der Antike vergleichbaren unerbittlichen Schicksals, nicht die welthistorische Bedeutung eines Niefenkämpfes für Freiheit und Unabhängigkeit. wahrlich ein klägliches Schauspiel, dies abstoßende Bild einer zaghaften kleinmütigen Seele. Gott fei dank-gehören solche Pessimisten in Deutschland zu "den seltenen Erscheinungen. Hat doch im Gegenteil die ganze Nation, ohne' Unterschied des Glaubens, durch heroische Aufopferung uud restlose Hingabe bewiesen,; daß allen Schichten des Voltes die Kraft innewohnt die durch ehrliche Arbeit errungene Weltstellung zu behaupten und festzuhalten. Das stolze Gefühl, wir müssen in diesem uns aufgezwungeneu Kampf siegen und wir wer-