Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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46 ' Rundschau: Nürnberg nh leiten und ihrem geistigen Suchen in jeder Einsicht anregendste Befriedigung gewähren. So werden wir sichere Erfolge erwarten, dürfen. Unserer Jugend muß die jüdisch-liberale Idee das Fundamant zur Weltanschauung werden undbleiben! Alles klebrige baut sich dann^weiterhm auf. Unser liherales Judentum müssen wir nach tage der Dinge insonderheit gegen den Zionismus auskämpfen. Dasmuß. ausgesprochen werden. Klare Erkenntnis weist den weg. wir brauchen keinen Aarteifanati smus zu treiben, wie die Gegenseite; doch beseelt uns wahre Begeisterung für unser Judentum, die uns die Rüstung zum Kampfe gibt. Die jüdisch-nationalen Tendenzen werden in ihrer Einseitigkeit künftig keinerlei wesentlichen Einfluß im Judentum gewinnen können. Bach der scharfen Umwertung aller Begriffe durch das ungeheuerliche Weltdrama wird auch das Judentum zur Einsicht kommen müssen, daß im Nationalismus keine Lösung der „UIessias"-Frage zu sehen ifh Die Evolution wird und muß naturnotwendig im Sinne unserer liberal enIdee kommen. Auf religiöser Grundlage, im Einklang mit den Erkenntnissen der Zeit, selbstbewußt und stolz auf unsere uralte Gemeinschaft,' auf unser Judentum, vaterlandstreu als Staatsbürger, denen im freien Vaterlande alle Rechte werden müssen, und weiter hinaus als UI e n f ch e n, die im Strome der Welt höhere und weitere Interessen mitvertreten und den Ulenschheitsrdealen nachstreben, so wollen und werden wir für unser Judentum leben und kämpfen! Eure feldgrauen Brüder draußen hegen die feste Zuversicht, daß die emsige Arbeit für unsere gute Sache nicht erlahmen wird, daß der ideale Schwung für unsere Ideen erhalten bleibt. Denkt daran, daß der Kampf auch noch nach dem Kampfe nicht erloschen ist, daß nachher erst recht das Ringen an hebt. Dann geht es u m h o h e r e Werte. Sorgen wir voraus und fchaffenwirin unserer Jugendbewegung die Grundlage für Zukunftserfolge. Für uns gilt der Feldruf: „Der Sonne zu im Zeichen des Judentums!" ■/; . . . Rundfdiau. Nürnberg, Rlai 4918- Zu einem Ereignis von hervorragender Bedeutung gestaltete sich die jüdische Erziehungswoche, die iu den Tagen vom 29- 2lprit bis 2. Alai 4.9IS ,in Nürnberg stattfand. Es waren für vier aufeinanderfolgende Abende Vorträge über allgemeine Erziehungsfragen angesetzt, und die großen Säle des Goldenen Adler konnten kaum die RIenge der Zuhörer fassen, die zirsammengeströmt waren, um ihr Interesse an dieser wichtigen Frage zu. bekunden - Am .ersten Abend sprach Bert* Rabbiner Dr. Freudenthal über „Grundsätze jüdischer Erziehung". Eingangs feiner Rede bemerkte er, daß für alle Konfessionen Nürnbergs eine Erziehungswoche veranstaltetwurde,..daß. man uns Inden jedoch nicht dazu äufgefordert, im Gegei^teil. den rein christlichen Charakter des Unternehmens betont habe. Nun sei mem von berufener Seite daran gegangen, eine jüdische Erziehungswoche zu veranstalten, die dartun solle, daß unsere jüdischen Erziehungsgrundsätze recht wohl neben denen der christlichen Konfessionen bestehen können. Als schlagendster Beweis dieser Voraussage — das kann ans vollster Neberzeugung berichtet wer-. den! — ist der Vortrag des Gerrn Dr. Freudenthal selbst anzusehen: die wunderbare weise, in der er jüdische Art und jüdisches wesen kennzeichnete, seine meisterhafte Darlegung der edelsten jüdischen Erziehmigsgrundsätze/ .die glänzende Dialektik, mit der er tiefgründige Fragen beleuchtete, Probleme aufrollte, die uns alle beschäftigen und erfüllen, sie werden allen unvergeßlich bleiben, die diese Stunde geistigen Genusses nnterleben, durften. Der nicht endenwollende Beifall am Schlüsse der Rede dokumenIierke anSdeütliek^ sten die Dankgefühle der begeisterten Zrchorer. Zum zweiten Abend rvar als Rednerin Fräulein Sidonie Werner auskömnbnrcr^heebeigeeilt, die ihre so oft bewährte Kraft bereitwilligst in den Dienst der guten Sache gestellt hatte. Ihr Thema laMete: „Gedanken zur Erziebnng der . jüdischen r weiblichen