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Liberales Judentum · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · p. Seite 45

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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Hermann Stzig: Jclöruf V 45 iraucii auf dos Wahre und Gute, das einst doch, noch die Welt erleuchten wird und muß trotz Allem. Ls ist die uralte Lehre des Judentums! Unsere jüdische Jugend ist sich selbst treu geblieben. In zähor Arbeit und sicherem Wollen hat sie sich auch in dieser harten Rriegszeit dürchgesetzt . und. setzt sich in Ueberwindnng aller Schwierigkeiten weiter durch. Unser Samenkorn hat gute Früchte getragen. Aufrechtgeht unsere Jugend ihren Weg und hält das Banner.des Judentums mit -fester Hand hoch. ..... Die Arbeit in den jüdisch-liberalen Jugmdvereinen war und ist — wie wir Feldarane draußen mit Freuden aus den verschiedenen Berichten ersehen konnten — durchaus auf der Höhe. (Enger Zusammenhalt durch Vereinsabende, Diskussionszirkel und andere Veranstaltungen geben die Form, Begeisterung rmd Ueberzeugung den Inhalt des Vereinskebens. Wo die jungen Männer fehlen, treten dis jungen Mädchen ganz selbstverständlich in die Mesche und dienen der guten Sache treu und in vollster Hingabe. — Die Vorarbeit . nn Frieden hat Früchte getragen, und im Zusammenschluß aller jüdisch-liberalen Jugendvereine sehen wir den schonen Erfolg, der vielverheißend in die Zukunft leuchtet. Ls gilt weiter, in der Arbeit, in der Hingabe nicht zu erlahmen; ja es gilt, noch energischere Betätigung in der jüdisch-liberale^ Jugendbewegung, wenn wir uns die Grundlage erhalten, wenn wir uns Zukunftserfolge sichern wollen. In weit stärkerem Maße müssen wir die jüdische Jugend fürderhin f ü r ünsM gewinnen suchen — im Interesse d^es <5cf amt Judentums. In schwerer (Zeit werden Ideen und Prinzipien scharfer Prüfung unterzogen, und manches wird dann. schwerLch noch bestehen können und dürfen. So ist es mit dem Grundsatz der Neutralität für unser jüdisches. teben. Unsere Jugend darf nicht mehr mit Zwiespältigkeiten belastet werden, für die sie nach diesem Erleben nimmermehr empfänglich sein wird. In der neutralen Jugendorganisation -kann ihr klares Wollen und feste Ueberzsrgung nicht gegeben werden. Unserer Jugend muß ein entschiedenes Judenr u ni gezeigt werden. Im neutralen Sinne ist dieses nicht durchführbar.!Vir find unserer Jugendbewegung nuhr schuldig, als ihr nur einen Sammelnamen und nichts weiter zu bieten. Die Orthodoxie wird keinen besonderen Zuzug von der Heranwachsenden Generation erwarten dürfen. Sie kann die Jugend durch die alten prin§pien nicht zu sich heranziehen. Unsere Jugrnd hat in den ernsten, harten Krieasjahreu zuviel des Neuen gesehen, ist durch nachhaltiges Erleben selber sehend geworden uifr weiß sicher und klar, daß nur stete EntwiMung das Eeben bedingt, nicht aber Erstarren in alten Formen. Der Zionismus versucht mit aller Ulacht und' allen MiMrln die jüdische Jugend für sich zu gewinnen. Es ist aber hier nicht der platz zu untersuchen, was die jüdischnationale Richtung m der Kriegsepoche und durch den Krieg verlirven wird. Das ist wohl gewiß, daß die EnL-ncklungsaussichten für die Zukunft nicht mehr das Bild geben, wie es einstmals gewefen M Der Nationalismus wird für spätere, reife Zeiten kein wesententlächer Faktor mehr sein, auch nicht mrhr der jüdische. Die Menschheit hat dann «ne zu schaurige Schule hinter sich, um wohl Zi wissen, daß ihr aus nationalem Bannerruff kein Heil, erwachsen kann. — Die zionistische Agitation berauscht die Jugend. Deswegen gilt'- unsere Arbeit, gil?s objcWve 2lufklärung für unsere Sache. liberale- Judentum kann, wird und muß das Fundament für die Zukunft unseres Judentums geben. Und erst recht, unserer Jugend! Das muß überall ausgesprochen und ständig betont weiDen. wir schreiten mit der Zeit vorwärts und können unsere Grundsätze ruhig, fest und fficher auch in wildbewegter Epoche zur GMmg bringen. Unsere Idee ist in der N e n zeit e r st z u r rechten Reise gelangt und hat ihre Notwendigkeit und Daseinsberechtigung in einer verhältnismäßig kurzen prriode voll und ganz erwiesen. Jüdisch-liberale Grundsätze geben unserer Jugend f estem Halt im Judentum. Seien wir uns dessen bei der Werbe arbeit stets bewußt. Bedenken wir aber auch, daß wir mit der Jugend die anderen wichtigen Lebensfragen zu ibehandeln haben, daß wir sie, in objektivster Weise zur Erkennt-

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