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Liberales Judentum · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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Hermann Becker: Liberales Judentum im Gstrw 43 mit geistigen und materiellen Mitteln reich Versehene Fronten tun? Es ist selbstverständlich, daß nur geistige Massen in diesem Kampfe der Geister zur Anwendung kommen dürfen. Solche geistige Massen sind: liberale ZeÄschriften und Zeitungen, öffentliche Versammlungen und Mandervorträge, Jugendvereinc. . liberale Zeitschriften und Zeitungen kerben wir ja zur genüge, leider fehlt es ihnen — trotz des religiösen Liberalismus in den gut situierten Kreisen — an der genügenden Anzahl von Lesern. Denn was nützen der liberalen Sache die besten Zeitschriften, die vortrefflichsten, mit zwingender Logik geschriebenen Aufsätze, wenn sie, nicht gelesen werden, wenigstens nicht in den Kreisen, für die sie besonders bestimmt sind. Es ist nicht'allein der religiöse Indifferentismus in diesen Kreisen, der diese traurige Tatsache verursacht. Mehr noch trägt dazu bei: einmal die mangelnde Werbetätigkeit, dann aber auch die geschäftliche Leitung unserer liberalen Zeitschriften, die viel zu wünschen übrig, läßt. In beiden Punkten können wir. viel von unseren Gegnern lernen, insbesondere von orthodoxer und zionistischer Seite. Ich gebe zu, daß wir nicht genau dieselben Werbemittel anwenden können, weil unser 'Liberalismus wie jede freiheitliche Richtung, auchdie politische stets mehr auf den Sieg des Geistes ihre Hoffnung setzt, als auf den Sieg der äußeren Machtmittel. So lange aber dieser - Sieg des fortschreitenden Menschengeistes noch in nebelhafter Ferne liegt, ist es unsere Pflicht,, alle lauteren Mittel zu benutzen, um diesen Sieg zu beschleunigen. Für die Verbreitung der liberalen Zeitschriften ist erstens ein billiger Bezieherpreis notwendig, den Lehrern und Gemeindcbeamten muß eine Ermäßigung des Preises zugestandeu werden. Sie sind die erfolgreichsten Werber in ihren Gemeinden. Hotelbesitzern, Restaurateuren, Fleischern, Wurstwarenhändlern und Buchhändlern, die meist auch Jüdische Ritusgegenstände vertreiben, ist ein Teil ihrer et- " waiaen Anzeigenkosten auf den Bezieherpreis anzurechnen und die Anzeigegebühren selbst sind zu ermäßigen. Ebenso ist jüdischen Gemeindeverwaltungen für Stellenangebote, mehr aber noch den Stellungsuchenden eine angemessene Ermäßigung zu gewähren. €s müssen zwetzrns von Zeit zu Zeit geeignete Werbcnumwern an möglichst viele jüdische Adressen verßandt werden. Drittens muß in möglichst rücken liberalen politischen Zeitungen eine EinleLung zum Beziehen der jüdischen liberalen Zeitschriften angezeigt werden. ' Sind durch diese Werbemittel mehr Besteller und Inserentom herangezogen worden, dann gilt.es sie durch eure entsprechend gestaltete Abfassung des Inhaltes der Zeittrng dauernd der seitschrMzu erhalten. Line liberale Zeitschrift, die wrs Volk dringen soll, muß mehr volkstünrüch gehaltene als wissenschaftliche Artikel crrchalten, sie muß Bilder und Illustrationen arßweisen, sie muß einen unterhaltenden Teil, aber auch eine besondere Gemeindebeilage haben, die Nachrichten von möglichst vielen Mitarbeitern, aus möglichst vielen Gemeinden, besonders aus der sogenannten „Gemersdestube" bringt. Diese Beilage „2lus der Grmeindestube" soll das Interesse der GemeinÄemitglieder an den Angelegenheiten ihrer Gemeinde erwecken und festhalten, sie soll die Gemeindewahlen in libcralem Sinne beeinfluszen und so dein Indifferentismus, der zur Zst — wie oben bemerkt — der Orthodoxie und dem Zionismus kampflos das Feld überlaßt, kräftig entgegenarbeiten. Oeffentliche Versammlungen und w a n d e r v o r trä g e sind gleichfalls als Werbenrittel warm zu empfehlen. Freilich ist die gegenwärtige Weltlage noch nicht dazu geeignet, indes U zu hoffen, daß sie sich in kurzem von GrWnd auf ändern wird und darum gilt es schow jetzt diese Versammlungen - und werbeveTkräge vorzubereiten. Diese Versammlungen Müssen von einer Zentrale aus geleitet, bis ms Kleinste durchdacht, nach Ort und Zeit im Einklang mit den wirklichen Verhältnissen festze setzt, die besten Wanderredner, die nicht nur berufsmäßig, sondern auch durchdrungen von der Wahrheit ihrer Sache, ihre Aufgabe erfüllen, .ausgewählt werden, die sich mit einem Vertrauensmann am Orte wegev der vorbereittmg in Verbindung setzen. Am besten wäre die Synagoge an einem Sabbat oder Festtage für diesen Vortrag geeignet. Wo das nicht möglich ist. käme ein größerer Saal oder ein großes vereinszimmer in betracht. Findet die Versammlung nicht an eiwem Sabbat- oder Fest-

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