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Liberales Judentum · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · p. Seite 41

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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Rabbiner Dr. Behrens: Der Ritus 41 tation, gewahrt werde. Da auf Schrift- und Prophetenverlesung predigt oder Schrifterklärung sich aufbauen, so bleibt die Bibelleklion das Hauptstück jüdischen Gottesdienstes. Alan darf aber wünschen, daß sie von allen unnötigen Unterbrechungen verschont werde. Da wird für die verschiedensten Ereignisse ausgezeichnete deutsche Gebete besitzen, so müssen sie genügen, und es bedarf nichtder Einschaltung hebräischer Sondergebete, die bei aller Achtung vor dem Herkommen durch die Namensaufzählungen und Geldanlobungen störend wirken. Aiit dem Schluß der Liturgie und der predigt ist die Aufmerksamkeit des Hörers erschöpft. Der Gottesdienst geht aber noch zu einem wesentlichen Hauxtteil über, zum Alufsaf. Alan kann nicht sagen, daß es einen Gedankenfortschritt enthält. Nur ein Hauptstück ist ihm eigen, die Reduschah, die allerdings gesanglich eine perle ist. Sie mag nicht wenig zur Beibehaltung einer liturgischen Partie beigetragen haben, die durch den Wegfall der Darstellung des Opferrituals im liberalen Gottesdienste nur dann berechtigt ist, wenn sie mit fruchtbaren Gedanken durchströmt wird. Zlber könnte diese Reduschah nicht den früheren Partien des Gottesdienstes angegliedert werden? An diesem Ziel müßten alle Beteiligten Mitarbeiten und die notwendige Entsagung üben. Leider wird gegen diese ^Erkenntnis viel gesündigt, selbst bei einem der schönsten und ergreifendsten Gebete, das die synagogale Liturgie kennt, bei dem Raddisch. Ls will scheinen, als ob fein wert wächst, je weniger es der Wiederholung anheimfallt. Es mag noch hingehen, daß es als Verbindung der einzelnen Partien Verwendung findet, als Gegenstand des öffentlichen Gottesdienstes sollte es ja in getragener weise zu Gehör gebracht werden. Als Raddisch der Waisen aber erklingt es so oft in den einzelnen Andachts- Übungen, daß selbst ein konservativer Rritiker das mit Wehmut verzeichnet. Ls liegt auf der Hand, daß du der fromme Brauch nicht mehr von Wirkung auf das Gemüt ist. Es wird Sache Lss Liberalismus sein, für all die angedeutettw Schwierigkeiten eine einheitliche Lösung zu finden. Alle liberal gesinnten Gemeinden haben Anspuch auf Agenden und Liturgioq,, die den Gottesdienst vertiefen, verinnerlichem und zu einem <Buell der seelischen LrhebuM gestalten. Sind wir auch von diesem Ziel noch wert entfernt, so vertrauen wir doch Ler aufbauenden Akacht des Liberalisim^, er wird schöpferisch fein und sich nicht auf Neuordnungen für einzelne GemeindenbeschÄrken. Denn das wäre halbe Arbeit. WefenMH aber ist, daß die Liberalen, nicht bloß dir Zunftgelehrten, daran Anteil nehmen. He Reform muß aus der Gemeinschaft erstchen, für die sie bestimmt ist, in ihr muß A organisch erwachsen und Boden fassen. wir haben 'eine Schöpfung, die ganz in Geiste des Liberalismus gehalten ist, die Alädch'enkonfirmation. Dennoch snd es gerade liberale Rreise, die ihr aus selHamen Gründen widerstehen oder sich ihr entAchen. Lin ganz unbestimmtes Gefühl schiebt sich da in den Vordergrund, die Befürchtung, daß sie nur wesensfremd und andern Rulten entlehnt erscheint, obwohl sie doch nichts anderes sein will als ein weihevoll Abschluß der religiösen Unterweisung Les weiblichen Geschlechts. Es ist notwendig, liberale Rreise einmal wieder daran zv erinnern, daß wir doch eine geschichtliche Derpflichttmg selbst gegen unsere liberale Vergangenheit empfinden müßten. Ze mehr man aber auch außerhalb unseres unmittelbaren Anhängerbezirks einsehen wird, daß. es ums um unsere religiösen Ideale ernst ist, d-ß wir auf den alten Richtlinien des Zudentmns verharrend im Geiste unserer religiösen Genien wirken wollen, um so mehr rrü-d vor solchen Bestrebungen die Gegnerschaft der Parteien verstummen, um so sicherer dürften wir einer gerechten geschichtlichen Würdigung fein.

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