Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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;0 Rabbiner Dr. Behrens: Der Ritus ichts der oben erwähnten Tatsache, daß, von rationalistischen Schlagworten geblendet, sozar abgesagte Gegner des Nationalismus uner Judentum als.„Problem" bezeichnen, ist es unabrpeisbare glicht und nur ein Herzensbedürfnis, den Tharakter des Judentums als Religion aufs deutlichste zu. betonen. Denn nur hierdurch^ ersparen wir unsrer Jugend überflüssige Zweifel und geben ihr anstelle eines flatternden Phantoms, das unter den fänden in Nichts zerrinnt, das sichere, hochragende sanier, das ihr vorangeht, wie es unfern Vätern vorangezogen ist: derech emunoh — den Weg zum Glaubens ver Mus. Lon Stadlrabbiner Dr. Behrens-Göttingen. u den wesentlichen Aufgaben eines zielbewußten jüdischen Liberalismus gehört die Ausgestaltung des Gottesdienstes nach den Grundgesetzen, die er sich selber gegeben hat. In der Tat bilden Fragen des Gebetbuchs den Gegenstand ständiger Erörterung in diesen Blättern, ein Beweis dafür, daß das religiöse Empfinden nach zeitgemäßem Ausdruck ringt. Bei all den Kämpfen aber, die wir mu diese Reformbestrebungen führen, ist eine bemerkenswerte Zwiespältigkeit unverkennbar. Der Liberalismus ist sich klar darüber, daß er etwas Neues Hervorbringen muß, wenn er nicht wesensfremd modernen Gefühlsarten gegenüber verharren will, aber er ist noch immer des Glaubens, daß er an das einmal Gegebene anzuknüpfcn, daß er doch in den Bahnen eines ausgesprochenen Konservativismus zu wandeln hat. Line Vereinigung beider Tendenzen wirkt seltsame Gebilde, merkwürdige Schöpfungen, die im Grunde niemanden befriedige,:. Bei aller Dichtung vor dem Gewordenen wird der Liberalismus nun mit diesen Schwierigkeiten sich auseinanderzusetzen haben, ohne auf irgend jemandes Meinung einen Zwang auszuüben. Die Zeit des paktierens ist für ihn vorbei, er hat fortan eigene Wege zu gehett. Er harrt des genialen Pfadfinders, der den neuen Geist in neue Former: gießt. Lr wird nicht geringe Schwierigkeiten und widerstände zu überwinden haben angesichts der ausgeprägt konservativen Stimmung, die gerade in dieser Frage mit merkwürdiger Starrheit sich aufrecht erhält. Nicht diese bekämpfen wir, wir haben nur darüber zu befinden, wie wir liberale Juden an den Gottesdienst fesseln. Dieser Forderung glauben wir zu dienen, Indern wir in folgenden: aus einige merkwürdige Lrscheinungen unserer Gottesdienste Hinweisen. Die Neformbestrebungen des Judentums waren von Anfang an' darauf gerichtet, die Dauer des Gottesdienstes durch Streichungen in: Gebetbuch zu verkürzen, weihe und Andacht müssen leiden, wenn die ihnen zngemessene Zeit zu weit ausgedehnt wird. Die Konzentration, die sie erfordern, die Sammlung, die sie voraussetzen, müßten sonst sich erschöpfen. Diese Erwägungen haben natürlich nicht das geringste mit Rücksichtnahme auf die beruflichen Pflichten der Gemeindemitglieder zu tun. Man darf geruhig eine bestimmte Zahl von Stunden für den Gottesdienst ansetzen, die ein jeder in religiöser Sttmmung verbringe:: kann. Darüber hinaus wird nach alter philosophischer Erfalrrung die Spannung des Gemüts Nachlassen. Die Funktionäre leiden unter der Fülle des Stoffes und der Begrenztheit der Zeit. Die Folge ist, daß ein wesentlicher Teil der Gebete als bloße Einleitung betrachtet wird, zu der ein starker Prozentsatz der Andächtigen noch gar nicht erscheint. Thoravorlesung und predigt sind die am stärkster: frequentierten Mittelpunkte der Andacht. Man muß gestehen, daß das ein unbefriedigender Zustand ist. De schönsten Partien des Frühgottesdienstes, die Psalmen ur:d andere Stücke, , werden sozusagen unter Ausschluß der-Oeffentlichkeit vorgetragen, und nicht mit derjenigen Schönheit und Kraft des gesanglichen Ausdrucks, der gerade ihnen zukonmrt. Line verteil:::^ gerade der biblischen Partien auf die eir:zelr:er: Sabbate des Monats würde eine Abwechslung in die ständige Wiederholung bringen und einen erheblichen Gewinn bedeuten. Die Thoravorlesung beansprucht mit Recht einen breiter: Rain::, und man darf fordern, daß ihr die alte Sorgfalt des Vortrags, ob mit, ob ohne kantillierende Rezi-