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Liberales Judentum · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · p. Seite 37

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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Prediger Karl Rosenthal: Ist das Judentum ein Prrdlem? m. seiner künstlerischen Ausgestaltung die hoch- Wen Anforderungen. Kunst, Natur und Ethik m-aren für ihn Aeste eines und desselben Sknnmes. In ihnen allen waltet die Vernunft als der Geist der unendlichen -Harmonie, «d diese harmonische Uebereinstimmung war Ochste Humanität, reinste Religion. Gegenüber dieser Stellung des Lobenßchen. Systems 'zum Judentume konnte man fich nun auf feine in den letzten Jahren ent- Mmdenen werke berufen, die dem religiösen Probleme eine intensivere Beschäftigung zufstSL werden lassen und scheinbar mit dem ßHstemaüschen Ertrage seiner Lebensarbeit in Mdvrfpruch stehen, wer jedoch derartiges behaupten will, der übersieht die LinschränfsB%, die Lohen selbst dem Geltungsbereich dieser seiner spezifisch religiösen werke zieht. Er wird nicht müde zu betonen, daß in diesen Büchern der Vorrang und die Selbständigkeit seiner systematischen Arbeiten nicht. außer Kraft gesetzt werden Men, daß das Ziel der von ihm begründeten reinen Religion ebensosehr auf die Soziaffprrung der Geschichte lossteüre, wie sein phLqvphisches System. Es mag fraglich bleibey, ob' die Kontinuität zwischen diesen werkan die eine ungeheure Zölle neuer Gedanken und Konzeptionen aufweisen und den frülstven Werken in allen Punkten gewahrt ist. Mer das wird niemand bestreiten können, daß-aich aus diesen Büchern nur ein solches JudeMun gefolgert werden kann, das mit den Grundgedanken der reinen Vernunft aufs innigste verwoben ist. St das Judentum ein Problem? 7 n der Besprechung einer vor einiger Zeit erschienenen Schrift, die mir hier draußen tobet nicht zur Verfügung steht, die sich jedoch mit der ^Organisation der jüdischen Zugend befaßt, fand ich — in Uebereinstimmung mit Lau Inhalt jener Schrift — den Standpunkt werkreten, das Judentum sei „ein Begriff, mit dem unter den obwaltenden Verhältnissen nicht md begonnen werden kann, wer ist sich h^nte darüb er klar, was Judentum tze»ßt?" ....;,Durch die hergebrachten Begriffe fei das Problem Judentum noch nicht gelöst." . Als ich diese Worte las, empfand ich leb-- HDen Unwillen, zugleich aber ein Gefühl des Bedauerns für jene Juden, denen ihr Judentum nur Schall und Rauch ist, ein schemenhaft flatternder Begriff ohne feste Formm und ohne klaren Inhalt. Leider ist die ZÄhff derer nicht gering, die Ln der Tat mit ,^rem" Judentum nichts anzufangen, wissen. Indifferentismus weiter Kreise ist ein beredter Beweis dafür. Nur fragt es sich, ob Lre Ursache im Judentum als solchem liegt, ob «virkllch das Judentum nur „ein Problem" ist, das seiner Lösung harrt wie etwa dcs Perpetuum mobile oder die (Quadratur des Kreises! Ich möchte diese Frage mit «arm glatten Nein beantworten. Jude nimm ist kein Problem! Damit' soll ftsilich nicht geleugnet werden, daß es allerbä heißumstrittene Fragen innerhalb des Iudmtums gibt, die ihrer Losung noch warten: dLe tatsächliche Verwirklichung unserer bürgcMchen Gleichberechtigung, die staatliche Grgrnisation der Iudenheit und Schaffung mies Grganisaüonsgesetzes, Zentralisation der Armenfürsorge, Berufsberatung, Ueberschrung der Juden aus dein kaufmännisches in werktätige Berufe, Förderung der Bodmkultur, körperliche- Regeneration, JugendpPege, <vstjudenfrage, Palästina-Kolonisierung-alles dies sind „jüdische Probleme", die zu lösen die schöne und verantwortungsreche Aufgabe aller bleibt, die am stolzen BaudeS Judentums Mitarbeiten wollen. Aber rmes darf bei diesen Problemen nicht übersehrmwerden: es handelt sich bei ihnen nicht um die begriffliche Formulierung des IudeErms; vielmehr sind das Rittes nur Fragen Lästerlicher Art, gewissermaßen Probleme au der Peripherie des Judentums. Soweit w e s e n u nL B e g r i f f des Judentums in.Betracht konrnen, gibt es meines Erachtens nur ein Problem: das religiöse! wie wir Lehre und Leben, Reberlieferung und Gegenwartsunxfinden in Ueber- T«r Prediger Karl Nosenthal, Hörde i.Wests., z. Zt. Gffiz.-Stellv. im Felde. „Das"

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