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Liberales Judentum · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · p. Seite 35

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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ZI Dr.Kellennann: Hermann Cohens System — die Begründung desWeralenJudentums 35 gewiesen, dann waren auch Ulathematik und Physik als Auswirkungen der Vernunft erkannt.^ Damit konnte die Natur als Inbegriff der mathematischen Naturwissen- Asast der Vernunft gänzlich unterworfen werden. Jetzt erst war der Satz bewiesen, baß der Verstand nur das aus der Natur heraus- > liest, was er selbst in sie hineingelegt hat. . Mit der Eroberung der Natur für die Verminst war auch die Bahn frei für die Verwirklichung der Ethik. Jetzt konnte nicht mehr die bange Frage entstehen: Vermag auch die Ethik der Natur ihre . Gesetze austuprägen? Denn wenn Ethik und Natur aus ein und derselben Wurzel stam-. men, wenn die Vernunft ihre gemeinsame Mutter bildet, dann durfte auch erwartet werden, daß beide Gebilde derselben Instanz eine harmonische Vereinigung eingehen würden. Aber diese Erwartung nmßte doch erst logisch gerechtfertigt werden. Diese Arbeit ließ sich jedoch nunmehr spielend bewältigen. Beiden Gebilden, Natur und Ethik, prägt die Vernunft ihre Einheit als Negel auf. wahre Einheit ist aber nichts anderes als die ewige Aufgabe einer Linheits b i l d u n g. Natur und Ethik können sich also niemals decken, sondern der Ausgleich setzt ebenso sehr ihre ewige Trennung voraus, wie andererseits ihr ewiges Getrenntsein die ewige Vereinigung fordern. Erst in diesem wechselseitigen Aufeinanderbczogensein bestirnmt sich für Lohen die Desinitton der Vernunft. was folgt hieraus für das Judentum? Daß im Sinne des Prophensmus der Gottcsbegriff nur eine ewige Unterwerfung der Natur unter die Grundgesetze des Sittlichen bedeutet mit der froher: Zuversicht auf Erfolg, kann nach den Ergebnissen der Bibelforschung nicht mehr bestritten werden. Aber auch der Messianismus hat seine logischen Schranken, wie Lohen an einer Stelle seiner Ethik des reinen Willens hervorhebt. So stark sind diese Schranken, daß sie selbst die prophetische Religion mit dem Gdium einer mythischen Färbung belasten. Sind nämlich 'Natur und Ethik als reine vernunftgebilde unendlichen Lharakters, dann kann es kerne rdcit geben, in der jemals die Ethik restlos so erfüllt wäre, wie es den prophetischen Gedanken von der messianischen Zeit entspricht. Denn für den Propheten wird das Gottesreich Wirklichkeit auf Erden, während für die Ethik als Wissenschaft die Wirklichkeit nur die ewige Aufgabe der Verwirklichung bedeutet. Ivrchl gibt es eine immer, größere Entfaltung des ethischen Geistes, aber niemals eine bruchloße Erfüllrmg. So - muß der Gedanke eines ewigen Friedens in den Gedanken eines ewigen Fortschritts umgrLogen werden. Schon in dieser Korrektur am prophetischen Gottesbegriff zeigt sich die wollige Voraussetzungslosigkeit und Unbefangenheit des kritischen Denkers. Demi die Ethik wird hierdurch nicht nur von ihrer geschichtlichen Prägung losgelost, sondern der Gottesbcgriff selbst erhält einerr neuen InhM. Ein Gott, der sich erst in der weite dar Unendlichkeit rrranifestiert und offenbart, ein solcher Gott kann nicht mehr mit solchen Attributen ansgestattet werden, wie sie das fvsmme Gerrrüt der dogmatisch Gläubigen eißmdet. Denn all diese Zlttribute sind der Sxhäre des-Ulenschlichen, Allzumenschlichen entnommen und drücken die Gottheit Ai einem mikroskopisch erweiterten Spiegelbilde der mensWchen Einzelseele herab. Sie berauben die Gescheit ihrer unendlichen Funklionskraft und verstechten in sie das Gewebe kleingeistigcr Be^benheiten. Daher projiziert Lohen in lapidaren Stilform den prophetischen Gottesgedanken auf die Ebene philosophischer Spekulation Lurch die Worte: Die C.ranszendenz des Gottrsbegriffes bedingt die Inrnranenz der SittlickMt auf Erden. Freilich befindet er sich mit dichrr Preisgabe menschlicher Attribute in guter Gesellschaft. Bei den gesamten jüdischerr ReliZwnsphilosophen macht sich ein derarttg logischer Purismus geltend, und mit besonderer Gmugtuung stellt Lohen fest, daß auch Maimsnides der Gottheit' „toben" und „perförLchkeit" abstreitet. Mit dieser philosophischen 2Xuffafjuiuj des Gottesbegriffs bängt such aufs irmigste der logische Kern der Kritif zusammen, die Lohen vom Standpurrkte seines Systems ans gegen den absoluten Geltungswert des Kimolgesctzcs erhebt. Wohl steht er rricht auf dem Starrdpunkte paulirrifäm: mrd moderrr protestantischer Gesirmungsethik, die das Gesetz deshalb als eine ethische Fälschung bezeichnen, weit es eine Empichierung und Materialisierung der Gesinnuns bedeute. Mit Recht hebt Loben in all seine» Werken hervor, daß die wahre Gesinnung.«Am der gesetzmäßigen Handlung ihren AbWuß erreiche, und es

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