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Liberales Judentum · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 27

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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Aus der Jugendbewegung 27 Die Versammlung war berufen 'worden, nachdem in kurzen Vorbesprechungen sich Geneigtheit gezeigt hatte, bezüglich Gründung einer Verständigungsgemcinschaft aller Organisationen in Verhandlung zu treten. Ls ist nicht zu leugnen, daß der Gedanke einer Verständigung aller Jugendorganisationen namentlich nach dem großen Ginigungswerk, wie es in der V. 3. <D. D. zustande gekommen war, für das jGesMntsudentum von hervorragender Bedeutung gewesen wäre. Leider ist über ein völliges Mißlingen des planes zu berichten. ^err Dr. 2lpfel, der Vorsitzende des Verbandes , der Deutschen Iugendvereine, welcher die Versanunlung berufen und die schwierigen Vorarbeiten mit rühmenswertem organisatorischem Geschick geleitet hatte, eröffnte die Verfamnrlung mit einen: warmen Appell an alle Geschienenen, der Schwere der Zeit gemäß den Parteistandpunkt zurückzustellen hinter den einigenden Momenten. Fräulein Dr. Berliner hielt sodann ein ausführliches Generalreferat, in dein sie im einzelnen diejenige,! Punkte klarlegte, in welchen nach ihrer Ansicht ein Zusammenxgehen möglich sei. Von dein ^Gedanken ausgehend, daß die gemeinsame Grundlage aller Organisationen der jüdischen Jugendbewegung die LrAehung zniil Judentum und die , Teilnahme an der Gestaltung des jüdischen Lebens der .Gegenwart sei, prüfte sie, in welchen Punkten im einzelnen eine verständigung denkbar wäre. Sie besprach die Wege intellektueller Beeinflussung (Verbreitung jüdischen tvissens) und auch die ethische Beeinflussung (Grziehung zürn jüdischen Gemeinschaftsgefühl); sie wandte sich daim den 2lufgaben der Gegenwart zu, zunächst zu.den deutsch-jüdischen Aufgaben, die sie in soziale und politische Aufgaben (Kampf gegen den Antisemitismus) trennte, dann zuden außerdeutschen Aufgaben (Oftjudenfrage, Palästinafrage). Sie gab an allgemeinen ein objektives Bild über die Punkte, in denen eine Verständigung denkbar sei und entwickelte ein allerdings weit gestecktes Rlarimalprogramm gemeinsamen Vorgehens. Die Delegierten der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine hatten sich vorher mit diesen! Progrannn beschäftigt und unter Ablehnung einzelner Punkte doch einen Teil der Vorschläge als diskutabel« und brauchbaren Beratungsstoff für die verständigulgsgemeinfchaft bezeichnet. Zu einer Grttvicklung dieses Programms der Liberalen im einzelnen kanr es aber nicht. Denn der wste Diskussionsredner, der Vertreter der zioniMchen Organisationen, bserb Dr. Löwenstein, entwickelte in einer einstündigen Rede derart extreme und unversöhnliche Grundsätze, Laß schon nach den ersten Worten klar wax, daß er trotz prinzipieller Zustimnmng zu der Verständigungsgemeinschaft in Wahüspit alle wesentlichen Punkte im einzelnen alMlehnen beabsichtigte. Das ist dann auch geschehen. In schroffster Form legte der zionistische Lkedner dar, daß seine Freunde, wie sie stlbftverständlich keinen 2lnlaß hätten, um der Mrrständigungsgerncinfchaft willen ihre für chpe Handlungen maßgebenden Ueberzeugungm zu ändern (was niemand verlangt hatH) fo auch nicht gewillt feien, im einzeln»! in irgend einem Punkt, in dem Zionistm schon praktisch arbeiteten, einen Fingerbreit von ihren! Programm nachzulassen b<M. andern Richtungen enrgegenznkommen. vor dem ganzen Lrziehungsprogrannn der Teferentin blieb nichts übrig als die Teilnahne an Schaffung von Bibliotheken, von dem ganzen religionspolitischen progrannn rüchts als kleine Reste gerneinsarner sozialer Täigkeit. Nicht einmal für den Kampf gegen den 2lntisemitismus und uin die Gleichberechtigung zeigte der Redner auch nur eine ^ur von Verständnis für den Standpunkt und die Not nicht nationaler Kreise, ein Gntgrgenkomrnen in dieser doch wahrlich für dos Gesamtjudentum brennenden und ihn, ans verz gehenden Frage. Daß es bei der Rrde, die allgemein nichts weiter darstellte d& eil! mit erfreulicher Offenheit entwickeltes prograrnm zürn radikalsten Zionisnrns nicht chne Ausfälle gegen die Reformbewegung des (9- Jahrhunderts, die das Judentum zu einer „künnnerlichen Religionswissenschaft" W gemacht habe, gegen die jüdische Wissenschaft, die übereinstimmend ein vollkonunLM falsches 'Bild von der Geschichte Israels drrstelle (— daß bei dieser Einmütigkeit der wissenschaftlichen Lehre vielleicht die eigene Ansicht nicht ganz zutreffend sei, auf diesen Gedanken kam der Redner garnicht —), nicht abging, versteht sich von selbst, vöchst brLauerlich aber war, daß der Redner sich nicht scheute, einen

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