Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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28 — Aus der Jugendbewegung im Saal als Gast anwesenden Rabbiner unter Namensnennung in gehässigster- Weise anAigreifen; ein Vorgehen, das von liberaler Seite sofort gebührend zurückgewiesen wurde. -Nach. dieser Rede, die neben dem Beifall der engeren Parteigenossen des Redners doch sowohl bei den Delegierten wie bei den Gästen lebhaftestes gefremden ausloste, war eigentlich der Man einer Verfrändigungsgemeinfchaft als gescheitert anzuseben. Dies sprach der Redner der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine, Rechtsanwalt Stern, auch aus. Gr äußerte lein Bedauern darüber, daß von der ganzen mit vieler Blühe ins Weck gesetzten Verständigungsaktion nichts übrig geblieben sei, als eine Gelegenheit für die Monistische Seite, programmreden zu halten, legte dann kurz dar, daß für die Liberalen von dem vorgetragenen Programm ein Teil des Grziehüngsprogramms, das soziale Programm und selbstverständlich das deutsche politische annehmbare Punkte gemeinschaftlicher Besprechung und eventueller Verständigung darstellten. Gr ließ aber darüber keinen Zweifel, daß nach dem Standpunkt des zionistischen Redners alle diese Zustimmungs-- ecklärungen zu spät kämen und nur noch theoretische Bedeutung hätten. Gs sprach dann für die Zugendgruppe der Agudas Zfroels Herr Rosenheim, Frankfurt a. Rt., der in wohlabgewogenen Worten unter Wahrung des prinzipiellen Standpunktes der Trennungs-Orthodoxie und unter Vorbehalt der Zustimmung des Gesamtvorstandes zwar keinen direkten Gintritt in die Verständigungsgemeinschaft, wohl aber ein Mitarbeiten von Fall zu Fall als möglich irr Aussicht stellte, Herr Landesrabbiner Dr. Rieger-Braunschweig versuchte in einem warmherzigen Appell noch einmal die Wichtigkeit einer Verständigung rlarzulegen mit dem Hinweis darauf, daß in Hamburg tatsäch- lieh schon im kleinen eine solche Verständigung der Zugendvereine aller Richtungen gelungen sei. Daß aber dieser Zeitpunkt für eine Verständigung schon verloren war, darüber wird sich wohl auch Herr Dr. Riegcr trotz seines energischen Appells an das ge,neinjüdische Gefühl der Anwesenden nicht im Unklaren gewesen sein. Der Standpunkt tiefster Gegensätzlichkeit wurde noch verstärkt durch die Rede des zweiten zionistischen Redners, des Herrn Dr. Buber. Herr Dr. Buber auf dessen Ansichten man bei der Bedeutung dieser Persönlichkeit besonders gespannt sein Surfte, legte seinen Ausführungen im wesentliche,; den Satz zugrunde, daß eine Ginigung der Zugendorganisationen nur zustande kommen könne auf dem Gedanken eines „Primats des Zudentums", d. h. des Bewußtseins, daß die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft voranstehe der Zugehörigkeit zu jeder andern Gemeinschaft. Gs ist in diesem kurzen vorläufigen Referat nicht der Ort, darauf hinzuweisen, daß dieser Standpunkt bei der Mehrheit aller deutschen Zuden auf schwere» Widerspruch stoßen wird, und daß er dein Standpunkt nicht nur der liberalen, sondern sehr vieler konservativer kreise gewiß nickt gerecht wird. Denn für alle die, die im Zudentuin eine Religionsgemeinschaft erblicken, kann es sich nicht umdas Primat des Zudentunrs oder des Deutschtums bandeln, weil Zugehörigkeit zur Religionsgem-einschast und Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft nicht im Widerstreit zu stehen brauchen, sondern tatsächlich Rreise sind, die sich nickt schneiden. Herr Dr. Goldmann, der nächste Redner der Liberalen, hatHann auch in treffender und nicht mißzuverstehender Weise diesen; Grundgedanken des religiösen Zudenrums Ausdruck gegeben und im übrigen scharf die - Maßlosigkeit des ersten Redners der Zionisten, namentlich seiner Angriffe auch gegen den Zentralverein, usw. energisch zurückgewie sen. Gs folgten dann noch verschiedene Red ner, die nichts Neues.brachten, Hingewiesen sei nur noch auf die tief eindrucksvollen führungen .des Armeerabbiners Dr. Salz« berger, daß die von dem zionistischen Redner vorgetragenen Ansichten keineswegs die Ge finnung der iin Felde befindlichen Zionisten Wiedergaben, und daß nach "seinen Grfahrungen, die er im Felde gesammelt habe, die Verständigung, wenn sie jetzt nicht zustande kornnie, durch die heimkebrenden Feldgranen geschaffen werden würde. Gin Antrag des Herrn Lehrer Steinhardt, Magdeburg, der der Ansicht war, daß trotz aller Gegenläü lichkeit dlnsätze zu gerneinschaftlicker Arl'en vorhanden seien und der daher eine Aon, nnssion zur Ausarbeitung eines gemeinschaU lichcn Arbeitsprogrannns einsetz en woktte, scheiterte an dem Widerspruch des Dr. -fr'M. der namens des Verbandes der jüdischen