Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2 H. Zippert: Worauf muß sich dir Arbeit eines;üd. -tib. Jugendverrins erstrecken? ° ,'jie UX'It des eigenen Geistes gewonnen, der /ich ein Sein bilden will, das seiner Sehnsucht (gleiche, heimisch will er sich fühlen und im ngenen Gause wohnen. Zwar nicht au.f Grund philosophisch-erkenntnistheoretischer Ueberlemngen kamen die Propheten zu dieser Aufassung ihres Lebenszweckes, sondern durch >ie unbeirrbare und unbeugbare Lsärte ihres gerechten Empfindens, und sie bleiben darin Binder Fhrer Zeit, daß sie das, was wir modern als Gewissen zu bezeichnen pflegen, als eine Äußere ^flacht ansahen, deren Befehlen sie gehorchten. „Doch folgsam fühl' ich immer meine Seele am schönsten frei." Auf dieser Gefühlsgrundlage fußen all ihre Taten und Reden. So bleibt es in der Wirkung unwesentlich, daß der Prophet eine unwissenschaftliche, mystische Begründung seiner Handlungsweise gibt, denn trotz alledem bleibt die Einheitlichkeit der Denkrechrmng gewahrt, stets Gott im Rorrelatverhältnis zur Rkenschheitsidee. Auch das Bild des messianischen Zeitalters hat hier segenbringend gewirkt. Es hat den ßÄufgabenchclrakter des Gottesgedankens sinng bildlich verdeutlicht, hat den kategorischen Imperativ kfants dichterisch vorweggenornrnen. Zwar nicht immer und nicht ungetrübt olieb die Reinheit des prophetischen Ideals dem Judentum erhalten. Ts kamen Zeiten/ in denen der Jüdische Gottesgedanke wieder in die Enge nationaler Schranken zurückgedrängt wurde. Selbst unseren Tagen fehlt oft dSr Zusammenhang mit der Ideenwelt der Propheten. Es erhebt sich daher die schwerwiegende Frage: Alit welcher»: Rechte dürfen wir die empirische 2Uasse der Rienschen, die wir die jüdische nennen, als die berufenen Vertreter der prophetischen Ideen betrachten? Gewiß, der geschichtliche Zusammenhang ist gewahrt, aber nicht der ideelle, und das Prinzip der Kontinuität der Ereignisse hat ::::* dann einen Sinn, wenn es als geistige Forderung erkannt, wird. Denn es ist eine Selbstverständlichkeit, daß es in der Wirklichkeit keine leere Zeit geben kann. Ununterbrochen reiht sich Tatsache an Tatsache. Aber hiervon ist nicht die Rede- Es. handelt sich vielmehr darum, die sittliche Verbindung im geschichtlichen Werden aufzudecken. Die jüdische Geschichte bat aber in dieser Einsicht viele Lüchen aufzuweisen. Und doch wollen wir Inden sein im Sinne der alten, heiligen Auffassung der Propheten? Rkit welchem Rechte? Es gibt auf diese Frage nur eine Antwort: Rlit dem Rechte der Liebe zu jenem Volke, in das wir durch den Zufall der Geburt hineingeboren find. Dieses Recht gründet sich nicht auf trockene Erwägungen, sondern ist eine reine Angelegenheit des Gefühls. Aus seiner psychologischen Enge wollen ""wir es hervorholen. In der scharfen Luft moralischer Wertung wollen wir es veredeln. So geben wir der Tugend der Pietät ihre letzte Weihei Ergriffen von neuem Ehrgeiz werden wir dann den Faden der.Kontinuität über Jahrtausende hinweg wieder knüpfen. Die sittliche Weltwollung der Propheten wird von neuem der Inhalt der jüdischen Geschichte werden. Denn den Ablauf einer sittlichen Weltentwicklung sahen die Propheten in der Völkergeschichte. Sinnvoll erschien sie ihnen. Und in der Tat, Geschichtsphilosophie ist eine Entdeckung des Prophetenturns. Wer immer in den Ereignissen des Lebens nach ihrem Wert oder Uriwert sucht, der schaut daher mit jüdischen klugen irr die Welt, so gewiß im Prophetenturrr die jüdische Religion ihren reinsten Arrsdruck findet. Und Eile tut not, daß diese Erkenntnis die Kerzen ergreife, soll nicht tiefe Scham uns erfassen. Denn schon reift in urrserer Tochterreligior: die Einsicht von den Werten unseres Glaubens, schon schickt sie sich an, urrser geistiges Gut zu verwalten. Sorgerr wir also mit Erkenntnis und Tat für eine immer größere Geschlossenheit des Kausalzusammenhangs mit den hohen Ideen von Ulenschenrecht und Rienschenwürde, vorr denen die Propheten erfüllt waren, bis einst, am irnaginären Ende alles Geschehens die Geschichte der Rlenschheit gleichbedeutend geworden ist mit der symbolischen Wiederholung des sittlicher: Gedankens. Darrrr werde»: alle Völker ihn erker:r:er: als den einen, der: eirrziger: Gott. Darm ist jenes Ziel der Errtwicklung erreicht, das die Propheten rrrit poetischen klugen verherrlichten und das sie das rnessianische Zeitalter nannten. Rann die Jugend, die geistsuchende und gläubig hofferrde, ein höheres Ziel für ihre brerzenssehnfucht finde»:? Die Rraft der Begeisterurrg, die. Schroffheit ihres Ja ur:d Rein findet ir: der Gestalt des Propheten eir: überragendes Vorbild. Und die Liebe der Jugend, die eirre Weltenliebe ist, findet quellenfrische