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Liberales Judentum · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 21

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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oo oo H. Arppert: Mormrfrnuß sich dir Arbeit rines züd.-lib. IrrgerLverrins rrsirrcken? 21 So fanden wir unsere Jugend, so gäben wk unseren „Flegeljahren" Sinn und Rechtfertigung, so findet sich Jugend immer von neuem. Sie sucht in der Vernunft die letzten Grunde der Welt. Sie hat die Rraftz, dem lächeln der „Erfahrung" das jfo&e Gericht eines tief sittlichen Optimismus entgegenIkKemmen, und sie läßt sich nicht wankend machen in dem Glauben, daß die Dinge dieser VO& noch eine andere Würde haben wie die des Marktpreises. .Wer ihr diesen Glauben rauben wB, der nimmt ihr die Nahrung ihres geistigen Daseins) der stößt ihr das Schwert in die lodernde Seele, und darum wehrt sie sich gege» ihn mit der ganzen Geschlossenheit ihrer übexzeugungsmutigen Innerlichkeit. So ist die Jugend die heiße Hüterin des geistigen Schatzes der Menschheit, an dem sie mit flammendem Schwert .Wache hält. Aber Jugend ist mehr. Sie ist auch die weiterbilderin des Menschengeistes. Sie schafft geqßge Mehrwerte. „Wahrlich, ich sage Eucktz, man muß noch Lhaos in sich Hecken, iW einen tanzenden Stern gebären zu können?" Und wo ist mehr und vor allem ^allgemeiner der Tumult der G^oankengegensätze zu Hanse als in jugendlichen Seelen? wem» «n jüdisch-liberaler Jugendverein feste IDugäfn schlagen will, muß er diesem ideellen Jwgendbegriffe volle Rechnung tragen. Er nwch große, weite Gesichtspunkte aufweisen, die eine jugendliche Seele befriedigen können. - Es enHeht daher die wichtige Frae: f^at der liberale Gedanke des Judentums einen Inhalt, so umfassend, daß er dem Traum der JugeiÄ» eine allmähliche Verwirklichung gewährleiste kann? Bevor wir der Beantwortung dieser Frage nähercücken, müssen wir uns darüber klar werden was für einen Gedankeninhalt wir mit deu kvorten jüdisch und liberal verknüpfen^ Alles geschichtlich Gewordene entzieht sich im hohen <Srade dem Hellen durchsichtigen GedankenbW des bewußten Geistes. Dieser erfordert Warheit und Gesetzmäßigkeit, kausale, innere Bedingtheit jedes einzelnen Gliedes. Aber der natürliche Entwicklungsprozeß gehorcht der tyrannischen Schwerkraft des größeren Druckes. Er ist ein mechanischer, geistfremder-- Wo trotz alledem die Weltgeschichte euren Sinn aufweist, da ist er gewaltsam mit dem Kammer der Vernunft hineingekeilt worden^ da ward die Vernunft sich ihres Serrjcherirechtes bewußt, da behandelte sie die Welt «Ms ihr Material, um sich selbst symbolisch in ihm auszudrücken. Jetzt wurde die Welt ihr Gleichnis, der kongeniale Ausdruck ihres Vermögens. Aber nur vereinzelt gelang es bisher der Vernunft, sich die Welt zu erobern. Als 'einsame Geistesblitze leuchten ihre Strahlen über die Erde. Einer dieser Blitze — und nicht der geringste — flammte auf im Lande Israels, in palästimr. Es ist der jüdHche Prophetismus, dessen Geist das Judentum in den Hellen Glanz jener transzendentalen Wckt emporhebt, die in des Menschen Brust ihre Heimat hat. Siegreich aus Dunst und Nickel der vorprophetischen Zeiten schält sich der Gedanke des Rechts heraus und reckt sich, eine weithin ragende starre Säule, stolz empor, ein 2Nahn-und Weckruf den Rindern Ijsraels und der gesamten Menschheit. „Ich' Mag das Geplärr eurer Warfen nicht hören umd der Opfergestank eures Mastviehs ist mir m Greuel: Aber das Recht ströme wie Wasser dahin, und die Gerechtigkeit wie ein gewaltiger Strom," so tönt es aus dem Munde des Propheten Amos. Und ,in hnntcr wiederbMen Bildern und gewaltigen Gleichnissen tM der gesamte proxhetismus auf diese Ebeme, die nationale Schranke durchbrechend und sich wendend an alle Völker der Erde. Denn im proxhetismus erhält der 2luserwähltheitsgedaEe Israels seine sittliche Verantwortung. Das Verhältnis Gottes zu seinem Volke erhält Vertragscharakter. Wandelt Israel nicht mehr in den Bahnen des Rechts, so verwirft es der Lvige und sucht sich ein anderes unter den Völkern des Erdballs. Diesen für damalige Zeiten, in denen selbst das Helle Volk der Griechen jeden Richtenden als Barbaren bezeichnet^ ungeheurer: Gedanken vermochten die Propheten zu .fassen. Gebrannt von der glübenDen Idee der Gerechtigkeit riß sie diese bmweg über Jahrtausende und gab ihnen in genialer Intuition den Gedanken des universalen, sittlichen Monotheismus. So war zum erKenmal in der Geschichte die Einsicht der Einheit des Menschengeschlechtes erwacht. Gott war die Verkörperung alles Guten, und allen gnuten Menschen war er Vater: denn nach seinem Ebenbilde hatte er sie geschaffen. So war auch der Anschluß av

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