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Liberales Judentum · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 14

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Sücherschau — Rundschau wir m freudigem Stainon jum crftounial begrüßen, läßt hinter d.m vergänglichen Form, die. er bildet, das ewige Gleichnis erahnen. Das inuner Ersehnte cck»er nlnnner Gesehene läßt er uns schauen, jene andere Wirklichkeit, die hinter den Di,gen steht. Ungetrübt von Manier, von Verkommenen Regeln schwingt des Dichters Seele in hemmungslosem Suchen zu .der nicht genannten, aber alles erfüllenden Galheit empor. Und wir werden nntgerissen, urfere Träume sind wach geworden und stehen m lebendiger Gelle; erschreckt bis ins Tiefste lesen wir mit geschlossenen aber nach innon geöffneten Augen vom wahren Wesen der Welt. Aus den, Schwarz der polnischen Rächt flinnnert greller sinnverwirrender Fackelschein von der SühnehochzrL auf mitternächtlichem Friedhof. In unsere Seele fällt der Schatten des schwarzen Reitern, der gespenstisch auf nächtlicher Straße dalmeilt. Unter dem Galgen harrt gelassen Ter greise ruthenische Rauer, der Spion, Ler gehängt wird und ergeben selbst mithilft, als ihm der Denker die Schlinge um den Grls legt. Lsaltlose Liebe und grundloser Gaß drrchstürmen die slawische Seele der Hansa, des schönen Polenmädchens; sie wecken in uns dos gleiche Echo, das in milder Resignation dar Schönheit verklingt. Die Landstraße..wird uns lebendig, auf der endlose Kolonnen ivs Endlose ziehen; der RIarktplatz friert zerüssen in zackigen Häusertrümmern; grauenvM irrt der Reigen der Klageweiber, deren stzinnenhafte Skelette, in wenigen Strichen Lim Bild gestaltet, des Rachts als Alpdruck uns ängsten; die gebückten Juden, in schwarzen Kaftanen, ,,üt f wehendem Haar, keuchend unter der Last des! glatten schwarzen chargs, der die Tbolera- I leichen birgt, meinen auf der Umfchlagszeich-! nung, gleichsam als Sinnbild das ganze | Buch beherrschend, uns an. )lber wie leuch- 1 lende Sonne, klar und gütig, strahlt mrs des p Feldherrn Rlackensens Profil an. Der Künst^ - ler hat es auf der Bronzeplakette geschaffen i> und läßt uns an der Geburt seines Werks teilnehme,,. wie der Gedanke sich losrang aus dem Erschauten und zu eigenem Leben sich zeugte, wie er For,n und Verkörperung wurde, dürfen wir staunend verfolgen. Mit dem feinsten Sezier,nesser der Sprachelegt Llkan sein Innerstes bloß, zeigt den Vorgang künstlerischen Schaffens in nächspürender Intuition. Keine Erzählungen sind's und keine Kriegsskizzen, keine philosophischen Abhandj lungen und keine Gedichte in Prosa, sondern; Kunstwerke eigener Krt, malerisch und poe-! tisch, grauenhaft und schon, ergreifend und beruhigend, humorvoll und. finster. .B j Einen breiten Raum, wie im polnischen Leben, besonders auf seiner Schattenseite, neb- - men in den polnischen Nachtstücken die Schilderungen jüdischer Gestalten, Szenen und i Bräuche ein. Mancher Satz erhellt blitzartig - tiefste Gründe ostjüdischer Seele, legt Wahr-! heilen bloß, denen wir lange, nächgegrübelt. j Solches Linfühlen in wesensfremde Art — daß sie uns fremd ist, bestätigt das Buch uns , wieder und wieder — ist nur einem Künstler! gegeben, der gerecht aber liebend die Dinge erfassen will und Offenbarungen findet. ' ■' L. S. | Rundfehau. Frankfurt a. M Bericht des Frei, sinnigen Vereins fücr jüdisches Gemeindeleben pro (9(6 bis W'!7. (Erstattet in der außerordentlichen Hausversammlung von, 5. Dezenrber (9(7 von Dr. Rud. Geiger.) Die in den, letztm Geschäftsbericht ausgesprochene Doffnu,m auf baldige Beendigung des Krieges hat sich leider nicht erfüllt, und. unter der Fortdauer des Krieges haben die Arbeiten des Vereins in sehr erheblichem Maße gelitten. Ls nur aus denselben Grünlich, in diesen, Jahre öffentliche versamn^ lungen abzuhalten und überhaupt sonst m der Meffentlichkeit tätig zu sein. Auch die innere Tätigkeit des Vorstandes und Ausschusses hat unter den Kriegsverhaltnissen dadurch gelitten, daß die beiden Vorsitzenden zum Heere einberufen sind, der Schriftführer im Felde steht und noch ein weiteres HUt* glied des Vorstandes ebenfalls im Läufe des Jahres ehrfach zu den Fahnen einberufes wurde. Nnter diesen Umstanden gelang es allen Dingen nicht, einen wichtigen Beschluß

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