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Liberales Judentum · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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o o O 9 Erwin Srligmaun: Aie Aibrl iw jüngsten deutschen Drama — SüchersÜMM LZ Szenen. Das Triebhafte wird schleierlos enthüllt, Grgien der Sinnlichkeit brennen blutrot. Aber über dem Ganzen leuchtet sieghaft die Idee, der tiefe Gedarrte, getragen von starkem sittlichen Wollen. Der suchende Mensch unserer Tage, der die Gottesstimme in sich betäubt und in irdischen Genüssen versinkt. Bis er kraftlos erwacht, gefesselt vom Trieb, dessen Herr zu sein er wähnte! Erst wenn er geblendet, öffnen sich seine klugen nach innen und er erkennt die göttliche Wahrheit. Da wächst ihm wieder die Kraft, und in ihm und durch ihn siegt Lloah, das sittliche Prinzip des Weltalls über Dagon, den Götzen der Philister, der Sinnlichkeitsanbeter. Das erste: Der Mensch und die Liebe, das zweite: Der Mensch, zwi- ' scheu Liebe^und Gott und endlich das dritte: Der Mensch und Gott. Das Drama IeremiasH ist geboren ans dem bitteren Erleben des Krieges. Lin Dichter, der des Daseins Sinnlosigkeit nicht mehr erträgt, flüchtet sich in die reine Gotteshöhe des edelsten der Propheten. Kriegslärm du hbraust das Stück. In wildem Begeisterungstaumel erzwingt das Volk die Kriegserklärung an den übermächtigen Feind. Alles jubelt in Raserei. Nur einer warnt und erhebt wieder und wieder die Stimme. Er möchte schweigen und kann es doch nicht. Der Gott treibt ihn gegen seinen Willen, das Unheil, das. er vorausschauend sieht, zu künden. Er kann das Geschick nicht wenden, sein Wort ist. ohmnächtig und verhallt. Der Prophet wird verlacht, bedroht, in den Kerker geworfen. Doch er redet. Seine Mutter stirbt in Verzweiflung. Doch er kündet die Wahrheit. Er ist in seinen Reden bitter wie Wermut lind hart wie von Marmor, aber innen glüht die innige blutende Liebe zü^ den andern, *) Jeremias, eine dramatische Dichtung in neun Zubern von Stesan Z w e i g. Insel - Verlag . ^^oipzig 1917. Preis gehestet 4 Mk., in Pappband .» Alk. 8". 216 Seiten. die blind sich selber .vernichten. .. .MÄd das- Schicksal erfüllt sich. Jerusalem fälM, das Volk wird getötet, der Rest nach B«b>F geführt. Nun wächst der Warner auf ans Zorn zur Liebe, aus Strafe zur Tröstung. (Efer schaut in der Ferne die Heimkehr. Aber nichts m Die engen Grenzen des räumlichen Landes. Mein, „Auf du Gottvolk! Beginn deine wunWsLS^bLre Heimkehr durch die Welt in die LwigMÄ", f* ruft er den Schreitenden zu. Noch nie ist der Gedanke von der Miafgäbe Israels unter den Völkern in solch rcrÄM ergreifende Form gegossen, wie in den: Letzten Szenen dieses herrlich klaren, tiefen innD befreienden Werkes. Die Sprache der Bibel ist wieder lebendig gervorden, psalmerrL und proxhetenreden tönen im Parallelismus hebräischer Dichtung uns neue Gedankens entgegen. Wahrheiten, die wir heute aWiend spüren, klingen auf in wuchtiger, von. edlem Pathos getragener Sprache, höchste ErrZenntnisse schimmern uns zwischen den Wörtern entgegen, letzte Sehnsüchte sind zur vollerMeten Form entbunden. Mit dem Propheten wce-chsen wir hinaus über uns selbst zu den ZinnorM der Ewigkeiten, von wo Schicksal und LörZden, winzig geworden, uns verschwinden, 'Äberstrahlt vom Lichte Gottes, den wir fchauLernd erleben. So reifen uns IZuden köstliche FßrLchte vom Baume unserer Jugend. Sind wirr Mrer noch wert? — Bei allem Fremden Paschten wir gierig das Neue, das Tiefe, das RMachre. Sogen es ein in wahlloser Inbrunst.. Derachteten aber den eingeborenen Urgrunds Der unsere Seele an die alte geschichtliche Gerrmeinschaft kettet. Und doch wurzelt echte WÄcktur nur im eigenen, faserverwachsenen Erbee. Nun leuchtet es schlackenrein in der Sonne ruMeres Tags, wir können uns hingegeben: ffesmor erfreuen. Aber wir vernehmen die MalMmug. Indem wir danken, wird uns die Gabss zur Aufgabe: Die Bibel kehrt uns zurück wir wollen ihr suchend begegnen. ülicbersäiau. Senn» Glkan: polnische Nachtstück-. Ml Federzeichnungen des Künstlers. Delpbin- Verlag, Alünchen k9l8. 8. {52 Seiten. ‘ zugleich in Wort und Bild gestaltet uns ein lebnis. Der Bildhauer Elkan jchläW: mit scharfem, bewußt geführtem Meißel aus dem dunkeln Nachtgrund polnischer KriegseirErÄcke klarste Formen heraus, daß sich Gebilde und Szenen, im Kern ihres Wesens enthüEM, zu erschütternden unvergeßlichen Bildern zriHam-

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