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Liberales Judentum · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 12

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Erwin Seligmann: Die Kibrl im jüngsten deutschen Aroma Gedanke und Lieb cr/ die gottgewollte' Beziehung des Menschen Arm Brenschen und des 21Teiifdicu 511 seiner Gtttheit. Gibt 'cs ein Linderes Thenra, das un'str Geschlecht mit seiner Abkehr von: Maternlismus, Umkehr zur Selbstbesinnung und Heimkehr zur idealistischen Weltauschcuung im Innersten bewegen könnte? Darim ist die Bibel wieder zuni grasten Buch urferer Tage geworden, darunr schöpfen unsere Dichter immer neue Befruchtung aus dem gleichen Urgrund. Aber darunr wiM' das neue Drama der Bibel nicht eintönig, ckeichmäßig schematisiert. Der Begriff von (Mt, Mensch und Liebe ist so welturnfassend, daß jeder Dichter sein Lied davon neu und eigen erklingen lassen kann. Jeder legt sich selbst, sein Innerstes hinein und gewinnt fo ein Neues Problem. Soll ein Drama nicht zu blasser Reflexiorr verdämmern, so bedarf es erdhafter Triebe die einander im Widerstreit verschlingen; braucht Gluten der Mollust und Dualen der Liebe. Die Bibel aberLietet we,üg von solchen Ekstasen sinnlicher Liebr: Die Liebe der Bibel ist Sittlichkeit, Nächstettkebe und inniges Gottverlangen. Wo vom Triebe des Körpers die Bede, da spricht sie eiifach, naiv, in schlichter Natürlichkeit. Das kanr dem heutigen Dichter nicht genügen, der an Ler schürfenden Psychologie des Naturalisnus geschult, bewegende Kräfte unserer Zeit zur Verkörperung bringen will. Darunr wählt er aus der Bibel derr Hintergrund, auf dem Konflikte des Triebs sich verbildlichen lasstn. Mannigfache Möglichkeiten sind hier gegeben: der Widerstreit der Sinne miteinander^ der Kampf von Sinnlichkeit und Sittlichkäst, und endlich, rein im biblischen Sinne, das Burgen der göttlicher: Gewalterr in der Burst eines Manschen. Jede dieser drei verschiedenartigen s)roblemstellurrgen hat in eurem Bibeldrama der letzten Tage Gestalturg gefunden. Adam 1), das fgiel vorn ersten Menschen, der aus dem Gottesparadies.auf die harte Erde berniederwrk, zeigt uns den Sinnentrieb der Liebe als wesenstiefste Kraft des irdischen Geschehens. Bern Menschen erklingt die Stimme Gottes nickst mehr von: Baume des Garterrs her, er bangtür seiner Einsamkeit urrd muß sich selber nun seinen Wog der Mühsal ertasten. Aber tief in seiner Brust brennt das göttliche Gebot: „Seid fruchtbar und mehret euch!" In der Liebe zu Eva, dem Weibe, wird Adam gottesgleich urrd lernt. des verlorenen Paradieses vergessen. Kein finsterer Spuk von Erbsünde lastet auf diesen Menschen, fröhliche Lebensbejaburrg findet irr stiller. Liebe das neue Licht Lind den Sinn des Seins. Aber Liebe zeugte nicht nur den Lichtsprossen Abel, sie zeugte den finsteren Kairr, der tierhaft, von Wallung - des Blutes getrieben, nichts Göttliches kennt, der um der tierischen Liebe willen eifersüchtig den-sanften wehrlosen Bruder erschlägt. Denn vor der Türe wacht die Sünde; wenn Menschliche Liebe des .Gottes vergißt, wird der Dämon, der in ihr lauert, zum.Herrn. Auch Adam erliegt. Seine Sinne, in langer Gewohnheit'der Eva überdrüssig, begehren die schwarze Kelimah, seines Blutes Brand fühlt zu ihr hin. Sie wird feine Beute, dann stößt er sie zurück und kann sie doch rricht lassen und muß sie doch begehren. ' Selbst Evas Tod sinnt er, bis er endlich zuü Gramgebrochenen, Sterbenden, aber immer Geliebten zurückkehrt und im Verzicht ihm wieder des Paradieses hinrnrlifch milder Ton erklingt. während dies Stück in edlen Jamben, von Mystik umhaucht, doch recht weltfern dahinrollt, pulst durch Simson?) schirmende irdische Glut und verbrennt in lohenden Versen und wehenden Rhythmen. Hier ist ein Mensch qualvoll gezerrt zwischen Gott und irdischer Liebe. Ein Mensch, seiner Auserwähltheit sich bewußt, ringt sich durch Sünde empor zur Erlösung. In unendlichstem Leid erkennt er den Gott, der ihn zum werkzeugArerufen. Mit gigantischer Wucht werden dramatische Bilder vor uns hingeworfen, daß wir im Grauen erzittern, im Mitleid vergehen, im Feuer aufflammen. Die Sprache, an kühnen Wortschöpfungen reich, .ist^ von ehernem Klang. Lyrische- Weichheit wechselt mit brutaler klärte. Es ist kein Werk für müde Aestheten. Brausende Gahrung schäumt sprudelnd nackte Worte hervor. Kein Dunst mrd Schlanrnr verlebter Konventton verwerch* licht die vom glühenden Leben durchpulsten *1 Ada m. Drama in einem Voriviel und vier AkUn von Arno Nadel. Jnsel-Bcrlag. Leipzig 1917. Sibeftet 4 Mk.. in Lernen5 Mk. 8°. 86 Seiten. *) Simjon, ein Sckauspiel von Hermann Burte. Verlag von (Gideon Karl Sarasin.,Leipzig- 1917. 5 Dtt.. gebunden 6,50 SJit 8» 277 Seite».

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