Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Jirnomann: jnr J3ibfl!4< oen Akt der Frömmigkeit selbst uden. Darum mutz gerade für den liberalen 3n* n die Losung gelten: „bfin zur Bibel." 3« e alte Form des in allen Einzelheiten in ier vorgeschriebenen Bahn sich bewegenden bens, bei dem für-jede Stunde des Tages ne bestimmte Fonu religiöser Betätigung im rraus genannt und für sie ein abgemessenes -ewand zugepaßt ist, bei dem jedem Gefühl in weg im voraus gebahnt ist, wollen, innen wir uns nicht mehr einzwängen lassen, lit der steigenden Abkehr von diesem Prinzip -höht sich die Gefahr, dafür, nun etwa als ürftigen und kümmerlichen Ersatz ein geintes, trockenes System von lehren und Go anken einzutauschen; von dieser Gefahr gibt 5 nur eine einzige Errettung, die wiedernknüpfung an den Urquell unseres religiösen ebens, an die Bibel mit ihrem urewig flieenden Strom voll Religiosität. Rlit ihr vollzieht sich dann auch die Verwurzelung im Jüdischen, die unauflösliche )erbindung von persönlichem und Jüdischem. Dieser Ruf: „lsin zur Bibel" ist nicht o zü verstehen, wie er zweimal bereits in >cr jüdischen Geschichte erhoben wurde, bei >en Sadduzäern in der Zeit des zweiten Tempels Und bei den Karäern im frühen Ulittelilter, obgleich man häufig in orthodoxen dreien dem Spotte begegnen kann, daß der mo- >erne Liberalismus nur ein aufgewärmtes Sadduzäertmn, ein modernes Uaräertum sei. llk> früher die Bibel betont wurde, da sollte aus allerlei politischen Gründen ein Gegensatz züm Talmud, zur mündlichen Lehre errichtet werden, da setzte man schließlich an die Stelle des einen Gesetzes ein anderes, aber nirgendswo handelte es sich wie bei uns um»eine Vertiefung und verpersönlichung der Religiosität. wir führen keinen Kampf gegen den Talmud, wir betonen nicht die Bibel im (Gegensatz zu ihm, wir wollen uns einfach von dem Strom persönlicher Frömmigkeit, der durch sie majestätisch rauscht, fortreißen und h'mtragen lassen zu den Quellen unseres eigenen Lebens, wir wissen, es gibt nichts Besseres, um fromme Gesinnung zu erzeugen als die Worte und Gestalten der Bibel. Eine solche Forderung namens des liberalen Judentums erheben, das heißt zugleich, eine.gewisse Lücke in den programmatischen Kundgebungen des religiösen Liberalismus ausfüllen. In dem Ruf: „Sin zur Bibel" spricht sich der Wunsch aus, eine tiefe und feste <Näubigkeit in die Seelen zu senken^ ein treues Gefühl des Verbundenseins mit Gott. Und es ist das eigentlich etwas, was in den öffentlichen Kundgebungen des religiösen Liberalismus nicht mit dem genügenden Nachdruck betont ist. Selbst bei umfassenden positiven Forderungen konnte, weil vor allem die Tat zum Ausdruck kam, das Ulaß der religiösen Handlung betont werden mußte, die Vermutung entstehen, als bedeute Liberalismus nur ein wind ermaß von religiöser Einzelvorschrift, eine Vereinfachung des religiösen Lebens, sozusagen eine Subtraktion von orthodoxer Lebensweise. Am Augenblick, da wir als positive Betätigung eines liberalen Judentums eine stärkere und festere Verknüpfung. mit der Bibel und.ihrem Worte und ihren Gedanken, fordern, wird zugleich die Forderung ausgesprochen, daß für einen liberalen Juden eine fromme Gesinnung notwendig ist, ein starkes Ulaß von innerer Religiosität. Sie mag sich in anderen Einzelheiten auswirken als die überlieferte jüdische Frömmigkeit, sie mag für sich Freiheit in Anspruch nehmen, mag sich in Regeln nicht einschnüren lassen, aber vorhanden muß auf dem Grunde des Gemütes eine tiefe und ernste Gläubigkeit fein, ein Gefühl des unauflöslichen verbundenseinsmit Gott, die Kraft zur unbedingten Eingabe an Gott und seine Forderung an den Ulenschen, ohne das gibt es köine ernste und wahrhafte Erneuerung des Judentums. Erst solche quellende und schöpferische Religiosität könnte die. jüdische Frömmigkeit erneuern und in ungehemmtem Strom durch die veränderten Zeiten fließen lassen. Und eben um dem Acker unserer Seele diesen Quell zu erbohren^ um an freiem Judentum fr.ies Judentum, an lebendiger Frömmigkeit posi- - Live Religiosität zu entzünden, ergehe an uns liberale Juden die Forderung zu eifrigerer Vertiefung in die Bibel/ der Ruf: „Hin zur Bibel."