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Liberales Judentum · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 3

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ar. Fange: Liberale Aerrinignng unb FibrraLsums die Seele der Mdifchen Jugend. Aber auch hier ist das Gemeinsame großer als das Trennende. A)ir. erstreben. beide Erhaltung des Judentums, wir durch Erhaltung der Re- %km, jener durch Erhaltung der Gemeinschaft. Wir wollen um der Religion willen, die allein uns Existenzberechtigung und geschichtlichen Wert verleiht, -unsere Gemeinschaft erhalten, jener will die Gemeinschaft um ihrer selbst willm, auch obne jeden religiösen Inhalt, erhcken. Dem Zionismus gegenüber schreiben wir auf unsere Fabnen: „religiöses Iudmtum". Lebendiges religiöses Judentum ist unser Programm, mit dem wir die Zukunft erobern wellen. Es trägt die siea hafte Werbekraft in ffch, um uns'die Herzen und Geister unserer Iugend zuzuführen. liberale Vereinigung unä Liberaii5mu5. Von Kabdmer vr. Lruno tange-Magäeburg. ie letzte Sitzung der Vertreter der Vereinigung des liberalen Iudentums in Deutschland zu Berlin am 29. Oktober d. I war für Rabbiner wie Laien im gleichen Alaße bedeutungsvoll. Dies gilt besonders von den mannigfachen Anregungen, die Jeder erhielt, dem die Sache des religiösen Liberalismus am Gerzen liegt. Da es mit Rücksicht auf die Kürze der Sitzung,-die die verschiedenartigsten Anregungen erbrachte, unmöglich war, alles zum Ausdruck zu bringen, was im Ginblick auf die weittragende Bedeutung der Sache hätte gesagt werden können — sogar müssen —, andererseits es auch geboten ist, allen Denen im Felde und in der Gennat, die persönlich nicht haben anwesend seinen können, Näheres von den wichtigsten Punkten der Verhandlung mitzuteilen, soll es mir gestattet sein, die Kernpunkte der Debatte nochmals hervorzühebcn und sie zugleich unter eine persönliche Kritik zu stellen. Zunächst betone ich gern, daß alle Anwesenden die Notwendigkeit erkannten, die liberale Sache mit Nachdruck weiter zu propagieren und-es Bedürfnis geblieben ist, für die Erweiterung und Festigung unserer Anschauungen mit aller. Kraft zu wirken. Die ' einleitenden Worte des bisherigen Vorsitzenden der Vereinigung, Herrn Iustizrat Breslauer-Berlin, der aus Gesundheitsgründen zum lebhaften Bedauern der Versammlung von der Leitung zurücktrat, bekundeten, daß der Glaube an die Echtheit und Notwendigkeit der Bestrebung nicht wankend geworden ist und die Ueberzcngnng besteht, daß die Zukirnst des Judentums wesentlich von der Arbeit unserer Vereinigung abhängig sein wird. Die liberalen Rabbiner, die der Sitzung beiwohnten, hcEm sich gewiß nicht durch die von dem neuen Generalsekretär, Herrn Rechtsanwalt Ls. Strvn, gegebene Statistik, nach der im verhWris zu ihrer wirklichen Anzahl noch viele Werale Iuden wie auch Gemeinden fehlen, ru ihren Hoffnungen umstimmen lassen. Treün sie doch mit der ganzen Kraft ihrer Stelling und ihrer persönliche keit für die heilige Sache unserer religiösen Neuordnung ein, dir sie als unumgänglich für den .Bestand drs Iudentums erkannt haben. Eine Bewegung, die so sehr ein Bedürfnis unserer Zeit 511 stillen sich bestrebt, hängt nicht ab von sensationellen Gegenwartserfolgen, sie ist LebenÄlotwendigkcit geworden mit echter Wesenhaftickeit und Grundgewalt. Aus dein verlangen nach verjüngtem religiösen Leben, aus nfrigem Ginhorchen auf die innere Stimme drr neuen Zeit erwuchs der programmfeste Liberalismus, der die religiöse Erschlaffung bekämpfen und die Stagnation der natürlichen Fortentwicklung durchbrechen sollte. Um die Sehnsucht nach religiöser Erfrischung, welche die große Ulasse der deutschen Iudenschaft erfüllte, vor das Forum der modernen Rabbimr zu führen, wurde die große Tagung zu Pefpn im I^hre Olf. gehalten, welche als greifbares Ergebnis die Richtlinien des -liberalen Iudentu Nt s hervorbrachte. Venn sie auch von Fachgenossen und Laien euer berechtigten Kritik unterstellt wurden und die Urteile über ihre Berechtigung begreifkcherweise.sehr auseinandergingen, sie sind und bleiben die Bekundung eines starken willctts zur religiösen Betätigung, ein rührwnswerter gründlicher Beginn, einer in alten Zweigen geistiger Be-

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