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Liberales Judentum · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November 1917) · p. Seite 119

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 119 (sequence 15)
Language
German
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Zunz' Tätigkeit für die Reform 119 form.') Aus diesem Grunde sind die oben mftgeteiiteu Aktenstücke ein ungemein wichtiger Beitrag, nicht bloß zur Lqbensgeschichte von Zunz, sondern üuch zur Geschichte des Liberalismus. Als Anfang mag ein sehr merkwürdiges Schreiben aus etwas späterer Zeit, JS^O, mitgeteilt werden, das so bedeutsam genannt werden mag, daß es an dieser Stelle nicht fehlen darf. Das Konzept ist unendlich stark korrigiert und beweist schon dadurch die Bedeutung, die Zunz dem Schriftstücke beilegt. 45s ist an prof. Ls. Horwitz in London gerickstet und hat folgenden Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Professor! Am tzO. vor. Mon. beehrte mich Herr R. Salonrons mit seinem Besuche und richtete in Ihrem Aufträge einige Fragen an mich, die projektierten Synagogen-Reformen in Ihrer Gemeinde betreffend. Ich versprach Ihnen, darüber -n schreiben, behnf? b^sffrer VeistmLizung. und er füllt iresr s'nsagL inud) gegenwärtige Bemerkung n, die Reform und Personal, Gottesdienst und Schule berührend, deren Anwendung ich Ihrer« weiterer: Ermessen arrheinrstelle. Keberdas Wesen der Rcfornr glaube ich mich im Kapitel des Werkes „Die gottesdienstlichen Vorträge" deutlich ausgesprochen zu haben. Ideen und Grundsätze rnüs er: durch die häusliche Erziehung und die öffentliche Belehrung erläutert werden, darin rnachen Verbesserungen sich selbst Bahn. D.nn bloßes Aendern, Abschaffen und Einreißen heißt nicht reformieren, zumal wenn eine Aenderung unbegründet ist. und ohne Teilnahme bleibt. Manche solcher Verbesserung:n sind vielmehr Verschlimmerungen, z. B. die Verstümmelung der rezipierten Gebete, die Zerteilung des einjährigen pentateuchischerr Leküonen-Zyklus. die Aufnahme christlicher Lieder in d.n öf.'entlichen Gottesdienst, dieProfanierung des Sabbat, die Aufhebung des. zweiten Feiertages. Be! anderen Maßregeln konnnt es darauf *) Die Predigten sind charakterisiert und nach eine« von Zunz angelegten Verzeichnis sämtlich ge» nannt — es sind nicht weniger als 61 bei Maybanm S. 10 fg. Von diesen sind in der 1823 erschienenen Dwsmilung nur 16 gedruckt. an, sein Publikum M kennen; nranches läßt sich allmählich einfühaen, was, wird es plötzlich aufgedrungen, StLreit und Trennung bewirken würde wie etwa a) der Gebrauch einer Grgel, b) die Einsegnung der Mädchen in der Synagoge, c) die Abstellung der lauten Wiederholung der TeMa. Zu den wirklichen Bedürfnissen, mithin wesentlichen Verbesserungen, darf gezähL werden: öffen.liche Konfirmation der Niaben, 2. ^.raureden. 3. regelmäßiges Predigen an Sabbat- und Festtagen, religiöse Gesänge, 5. Vortrag der* .Hastarah und drr Psalrnen (aschcs etuxx ausgenommen) in dsr Landessprache, welches letztere auch von dem vorher genannten vier Gegenständen gilt, 6, abwechselnder Gebrauch einzelner Selichot und desgleichen der Kinnot, 7. Aufhebung von Sol Nidre, Schic Hajichud und aller kabbalistischen jehi razon, 8. Streichung der meisten Partim für die drei Hauptfeste urrd purim, - % Wiederherstellung der würde der ^lndachte»^ daher Abfchafsen v.n Malkusschlagen, ffawanklopfen, Mizwot-Ver steigerung, namentlichen Aufrufen zur Thora 2iirt> dergs. mehr. Diiese Ginzclheiten ftihrm mich zu ein:r tuaLtmr3 über Im3 mit tu- Leitung dieser wick^en 'Angelegenheit beauftragte personal. Bdn diesen Männein muß vorausgesetzt werden, daß sie k.inen Anstoß geben, Bildungsstufe und Bedürftüfse ihrer Gemeinde kennen ias£> voll Eifers für das Wohl des Ganzen nur dieses im Auge haben, nicht die eigene Bequemlichkeit oder eitle Ehrenbezeugungen, vornehmlich kommt er viel an auf den pröLLger, welcher in Ihren Unternehmungen die Moralische Macht bildet, daß er fähig sei, verkamen zu erwecken, geistig anznregen, weiter 511 Wden und einen sittlichen Wandel mit tüchtiger Einsicht verbinde. Seichte Halbwisser Wüsten nichts aus und Heuchler und LgoifteD und Finsterlinge stiften nichts Gutes, aber Beruf und Eifer, Frömmigkeit und Liebe zu Israel werden Berge versetzen und Ivundrr' verrichten. Das verhälmis zwischen dcsr Prediger und dem Vorstand muß ein geregeltes, aber ehrerrhaftes sein. Für den Gott esd i e n st würde man die gedruckten MrdnungeDder Synagoge in Württemberg und Kopenhagen zu Rate zieh.m können, ohne denselben sklavisch zu folgen, indem teils der Londoner Ritus berück,rchstgL. teils Einzelnes besser gemacht würde. Matz-

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