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Liberales Judentum · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November 1917) · p. Seite 118

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 118 (sequence 14)
Language
German
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18 Zrrnz' Tätigkeit für die Reform i^ändler ein zu geringes. Honorar bot. (Brief x>m 29. April (322.) Sein Enthusiasmus war aber bald ge- ><nnpft. Am 25. Juni (822 ändert er sich bereits sehr resigniert: „Die hiesige deutsche Synagoge geht noch ihren alten schläfrigen 6ang", und am (8. April (825 muß. er die traurige Nachricht übersenden, daß auf höheren Befehl der neue Tempel seit 8 Tagen geschlossen sei. In dem eben erwähnten, ungemein' wichtigen Briefe, aus dem auch die Forderung hervorzuheben ist, „gute Schulen, gute Lehrer, tüchtige Rabbiner, wackere Vorsteher, die müssen angeschafft werden" und die.andere Stelle: „Das Taufen erniedrigt die Juden in den Augen derselben Regierung, die es wünscht", heißt es: „Meine berühmte predigt vom (7. August, die den Beifall aller redlichen Männer hier und irr Hamburg erhalten, bitte ich ebenfalls nicht rrach den Zeitungsberichten der Fama zu beurteilen; vielleicht lesen Sie dieselben eimnal gedrrrckt. Die predigt selbst hat nicht sowohl rneinen darnaligen Rückzug bewirkt, als vielmehr die n.?rrück1on und elenden Mabinetionen der Lxw.uuujsr.m Gumputz, Muhr und ümgrr ähnlichen. Gesellen." Leider fehlt der ausführliche Bericht, den Zunz in diesem Schreiben versprach. Nur meldete er in demselben Briefe, daß Septernber (825 Mannheimer von Rieß nach Berlin berufen worden sei und fährt fort: „Tr l^at in Kopenhagen aufgesagt und dringt nun, nach Schließung der hiesigen deutschen Synagoge (welche ich für kein Unglück ansehe), bei den voreiligen Lngageurs auf Schadloshaltung." Uebrigens rühmt er Mannheimers Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit und bewahrte ihm auch später freundschaftliche Gesinnung. Der Epilog zu der ganzen Angelegenheit steht in dem Briefe vom 7. November (825, in dem es heißt: „Ich gebe Stunden, spiele Schach mit Mannheimer, der provisorisch nebst Auerbach unter der geistlichen Autorität von Gumpcrtz, Beer & To., sowie der Polizei hier predigt. Punkt (0 Uhr gehen die Orthodoxen aus der Synagoge, und die Deutschen fangen Ihre" "Gebete an." was nun Zunz eigentlich zu seinen: Rücktritte veranlaßt hat, wird aus dem vorhandenen Material nicht völlig klar, was aus den Akten des geheimen Staatsarchivs zu ziehen ist, lmbe ich jn meiner Geschichte der Juden in Berlin, Band 2, S. 252 zusammengestellt. Die Angelegenheit endete bekanntlich damit, daß durch eine Kgl. Kabinettsordre vom 9- Dezember (825 jede Aenderung des Gottesdienstes verboten wurde, und der Gottesdienst ohne die geringste Neuerung in Sprache usw. ganz nach dem alten Herkommen gehalten werden sollte. - Aus mannigfachen Schreib er: von Zunz an Gumpertz, Zluerbach, Muhr und Jacobson geht hervor, daß Zunz und Auerbach im Jahre (82( ein Statut der Tcmpelkommission ausarbeiteteu, das Zun; im Laufe des Jahres (825 sehr energisch zurückverlangte. Der eigentliche Grund der Differenzen wird aber aus diesen Aktenstücken in keiner weise klar, wenn Kaufmann in seiner Biographie sagt, daß er das Amt niederlegte, „das mit seiner Begeisterung und Religiosität, wie mit seinem Mannesmute und Gradsinn ihm unerträglich schien", so kann ich in den mir vorliegenden Briefen und Aktenstücken keine Bestätigung für diese Einsicht finden und glaube auch, man tritt dem Andenken Marrnhen.mrs n: uoh?. drß cr «ir Amt ungrnrm. men habe-, das sich mit41faunesmut und Gradsinn nicht hätte vertragen sollen. Ich glaube, daß der eigentliche Grund von Zrmz' Rückzrrg wohl mehr in persönlichen DifferenzenG) und in der außerordentlichen Schroffheit vorr Zun; lag, die ihn zur Bekleidung eines Amtes wenig fähig machte, und die ihn auch in den übrigen öffentlichen Stellungen, die er annahm, nach zienrlich kurzer Zeit zu Reibungen mit der Vorgesetzten Behörde und zrr schneller Aufgabe seiner Stellung veranlagte, wie dem aber auch sein mag, die in: Jahre (325 erschienenen predigten, von denen leider in den Gesammelten Schriften, Band 2, nur zwei Stücke, und zwar Band 2, S. 85—(0(: Die predigt über Religiosität, September (8(7 und die „Erweckung zum Fortschreiien", 50. September (820 (also die Leipziger predigt, vgl. oben) gedruckt sind, bieten ein treffliches Zeugnis von der Art, wie Zunz den Predigtberuf auffaßte, von seiner Stellung znm deutschen Gottesdienst und von feiner"- Anschauung über eine wahrhafte geläuterte Ree) lieber diese Differenzen, die wirklich sehr ins einzelne gehen und höchst unerfreulich sind, hat Mahbanm um 0. O. S. 7—9 eine Anzahl Akten stücke mitgete:.: on deren Wiederholung ich absehe.

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