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Liberales Judentum · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November 1917) · p. Seite 120

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 120 (sequence 16)
Language
German
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150 Amrr' TüLiLkeit für dir Urform regeln, die unrnotivierten Zwang auflegen, «Lles äußerlich uniformieren,, das EharaktexPische der Feier verwischen, die innerste Empfindung ertöten, vorgeschriebene, fixierte Texte, gezwungene Sporteln für Segensxrechungen, Entfernung aller Rinder unter acht Jahren, Zurücksetzung der heiligen Sprache, Bevorzugung der Reichen, überhaupt Nach- «chmerei in Tracht und Rebendingen, dies und jchnliches mag ich nicht empfehlen. Die Ordnung fei würdevoll, und der Zutritt zu der Synagoge erleichtert. Zeder empfinde, daß er zu feierlich-andächtiger Gemeinschaft (Mikro leandesch) nicht zur Parade berufen werden.. Womöglich bleibe täglich, . nündestens Montags und Donnerstags der Früb-GotLesdienst im Gange, sollte man auch anfangs zehn Leute dazu halten müssen. An dem Vorabend, Morgen und dlusgang der Sabbate, Fest-, Fast- und Butzetage darf der Gottesdienst nicht ausfccklen. Die ersteren Leroedrun;, Lsoärs bis zum Schlüsse der Te'iiilo und Olenu scheint angemessen, unverändert hebräisch vertragen zu lassen. - Ueber den Gesa,lg der Gebetstücke dürfte die Wiener Liturgie, deren RIelodien setzt im Druck erscheinen, zu Rate gezogen, indessen jedenfalls vereinfacht werden, damit der Syna- Kogengefang populär und die Dürer des Dienstes abgekürzt werde, viele Lieder könnten aus Rleys Gesangbuch ins Englische übertragen und zu den Melodien beide holten werden; dergleichen Gesänge mögen zu Anfang und beinr Beschluß der Andacht vor und nach den predigten usw. stattf'mden. Als den Grund des ganzen Gebäudes betrachte ich'die Schule, die das werdende Geschlecht für fortschreitendes Judentum, also sLr angemessenen Gottesdienst heranbilde. Kle Verbesserungen, die aus dem. Bedürfiriffe einzelner hervorgehen, sind eitel, wenn Zugend nicht Verehrung der Religion, Liebe zum Zudentnrn, echte Bildung, Ach.ung Hrer selbst eingeflößt und sie ohne Renntnis aec Hebräischerl Sprache, ohne Runde von denr nationalen ^lltertnm auferzogen wird, was in dieser Schule und wie es gelehrt wrrd, der innige Zusammenhang von Schule und Synagoge, die Beförderung zeitgemäßer Reform, dieses so wichtige Element darf darurn nicht dem Zufall preigegeben werderr. Gerade hierin vermutlich ist in Ihrem vaterlande noch vieles zu tun, wie noch in manchen anderen Ländenr; wenn aber auch keiner die Aufgabe vollständig lösen wird, sollte der verständige sie doch vollständig kennen. - Dies Thema überschreitet die Grenzen eines Briefes, zumal desgegenwärtigen, der über Einzelheiten nur Ansichten des Einzelnen geben will: Ergebnisse von Studien, von dreißigjährigem suschauen und Mitwirken, seitdem im Zahre f3f0 in Deutschland ähnliche Verbesserungen wirklich zu werden angefangen haben. Meine aufrichtigen wün. sche für das, was edle Mällner erstreben, lneine freudige choffnung, daß das Gute gedeihen werde, begleitet dieses Schreiben. Solange ein heiliges Ziel sich den Blicken nicht entrückt, lassen Sie sich nicht von dem Staub, den der Rampf aufwühlt, zurückschrecken. Aber in diesen Rämpfen scheuen Sie mehr die Schwachen wie die Starken; gibt man hie und da nach, so wird es ehrenvoller fein, recht zu haben, als recht haben zu wollen. Sie werden dllrch Serrn Saloinons, deni ich mich empfehle, eine für Sie' bestimmte Rede erhalten haben. Die gegenwärtige Gelegenheit ergreife ich, Sie der besonderen Gochachtung zu versichern, mit welcher ick die Ehre habe zu sein Zhr ergebenster Zunz. Berlin, \8. September HO. Dieses merkwürdige Aktenstück beweist, daß Zunz der Reform des Rultns keineswegs abgeneigt war. Man muß bei Würdigung des eigenartigen Gutachtens besonders bedenke,:, daß es nicht für deutsche, sondern für , englische Verhältnisse bestimmt war. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 3, Nauerftraße 22. jfcx bie ftchaftior. und dm Vertag verantwortlich Or. L. Seligmann. Frankfurt a. M., Frrcdrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt L Gleiber, Frankfurt a. M.. Bieber-Erffe 6.

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