Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 117 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Zrmz' Tätigkeit für dir lief un» 117 „Vielleicht predige ich nächsten Sabbat wieder. . . . Anstellung in Leipzig mag ich mdg, der Juden wegen. Ls hat mir hier Jemand $00 pfunb Gehalt versprochen, wenn ich englische Reden wie deutsche halten könne, denn in London sind faßt alle amme hoorez . Am Lnde desselben Briefes 'fordert Zun; seinen Meister "auf, in Braunschweig für die Sache des reformierten Gottesdienstes tätig ja sein und fahrt fort: „Ueberhaupt werde ich nächstens öffentlich dazu auffordcrn, damit der deutsche Bundestag wisse, wer und wieviel eigentlich für die deutsche Synagoge stimnren. Ls ist gar nichts an der Minorität gelegen, denn ich l>offe, sie soll durch ihr Gewicht die Anzahl ersetzen." Nach Berlin znrückgekehrt, meldete Zunz am 27. Oktober, daß er auch am 7. Oktober über Licht und Finsternis gepredigt, vor 250 Zuhörern, worunter sich mich der prinz Lmil non Dänemark-mit seiner Gemahlin befand. Lr nennt den Domherr Dittmann eitlen eifrigen Begünstiger des israelitisch-deutscherr Gottesdienstes, berichtet, daß die Zeitungen über die Angelegenheit Artikel gebracht hätten und teilt eine Stelle aus der Leipziger Zeitung vorn V$. Oktober mit. Das wichtigste jedoch ist Zunz' Tätigkeit' in Berlin. Am 20. Mai {S20 hielt Zunz seine erste predigt im Beerschen Teinpel, er wurde nach Kaufmanns Bericht erst geraume Zeit später fest angestellt5), legte aber am Sextenlber 1822 das 3Imt nieder. Ueber diese predigten erfahren wir nun mancherlei Interessantes aus den an Lhrenberg gerichteten Briefen, und zwar über ihren Inhalt und ihre Wirkung. Am 5. Januar f82f konnte Zunz nrelden, daß er die sechzehnte predigt gehalten und äußert sich in folgender weise über eine Stolle in einer früheren Rede: „Das verschriene Mördergrube habe ich allerdings gesagt, aber es ist nliß- *) Samt Zunz eigentlich angestellt wurde, steht nicht fest. Nach MayvaumS Äermutuug, der mau «vhl jufrimmcn Tann/erfolgte Die Anstellung im September 1821, weil Zuuz sich im Oktober deskelöen Jahre verlobte, ein Schritt, beit er bei feiner Vorsicht rvohl ohne eine bestimmte Lebcusstcttuug nicht getan haben würde. Da er"scin Amt am l«. September niederlegte, so könnteman dieses Datum als AnstellungSlag ansehen. Sein Gehalt bttechnete er in eiiwm Briefe an Johlson 1823 aus i»rs Gulden, die etwa 700 Th. entsprechen würden. verstanden. Nicht Don Synagogen, von Schnlen war die Nede.^ Hwr ist die Stelle: „Li-chsoll werden in den Schttlen! Daß sie die cheimat seien der Wissenschaft, der Sitten., der äugenden und der Religion. M, daß ich Luch, meine Freumde, nicht an jene 3!nsialten erinnern dürfte, X>k man leider noch in Israel findet, und sie Schulen netutet, die aber nicht Schulen sind, des kindlichen Friedens unsä'.u!- dige Wohnungen, — nein, die Mördergruben find; denn sie morden die Hoffnung der Litern, morden die Erwartungen des Staates, morden den Keim M so vielem geistigen Leben. Sind das SchuleM, wo Menschen, entblößt von Kenntnissen, nicht von Liebe zu den Kindern beseelt und Memd der bildenden Sitte, die Knaben mit Unsinn martern, ihr Ohr verstopfen vor demr Ruf des Wissens und zu' feigen, rohen Menschen sie auferziehen? O, daß ich Luch, mein? Freunde, man an jene Erzieher ervsnern dürfte, die, hergelaufen aus irgend srnem Winkel der.Erde un geprüft zu Führern und Gefährten der Söhne gemacht werden, die aber nicht selten unwissend und lasterhaft ihre Verderber werden und den Segen des Kaufes in Fluch verwandeln." ' Am f5. Mai M2H konnte er bereits von seiner 27. predigt berichten und fügte hinzu, daß er für die isvLelitisch-deutsche Betanstalt in Breslau, die dar Minister, inhibiert habe, tätig sein müsse, und daß es zu persönlicher Auf-- wartung bei MinUern, Staatsräten usw. in dieser ÄngelegenhM gekommen sei. In demselben Briefe findet sich folgender, überaus bemerkenswerter Satz: „Ls sind jetzt tüchtige Kämpfer gegen den Rabbinismns da, sowohl Inden als Christen» darauf, verlassen Sie sich, und solange ich mich regen rann, s o l l e r e s e m p f im d c n . . . Line Auswahl niemer predigten werde ich einst 'Herausgeber!, d a ß d i e we l t sehe, was ich üoii dem deutscheu Gottesdienst v erbang e." 2lm 2{. dluguft {S2{ schrieb Znnz triumphierend an Lhrenberg: „In Wien geht die deutsche Synagoge., zumal da Mannheimer aus Kopenhagen dort 'ist, rasch vorwärts." Lr selbst rechnete damals so sicher auf eine definitive Anstellung als Prediger in Berlin, daß er auf Grund dieser Aussicht am 9- Alai 1.322 heiratete; der Druck seiner predigten wurde chrmer wieder verschoben, da der Buch-