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Liberales Judentum · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November 1917) · p. Seite 116

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 116 (sequence 12)
Language
German
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116 Tätigkrit für die Reform 3. Beim Unterricht sollen Rinder verschiedenen Alters nrck-t in eine Klaffe gesetzt werden. V Uebereinstirnmung der elterlichen Vorschriften mit denen der Schule, damit nicht das Rind ein Heuchler werde. 5. Einwirkung des Rel gionslehrers auf die Bildung des Rindes überhaupt, sowohl von Seiten des Herzens als des Verstandes. 6. Reine nicht zu große Anzahl darf gleichzeitig unterrichtet werden. l 7. Absonderung der Rnaben und der Mädchen. 8. Nicht notwendig aber ist die Kenntnis der hebräischen Sprache fürjedenRnaben, wenn auch zugegeben wird, daß jeder hebräisch lesen und etwas übersetzen könne. 9- Der gewöhnliche Schlendrians-Unterricht in: oKumsZyü, tsÄoh, possuk darf nicht stattfinden. 10. Die Erlernung der Landessprache ist notwendig. Is. Der ganze Unterricht ist fast nutzlos, wenn nicht damit eine deutsche Synagoge oder wenigstens ein verbesserter hebräischer Gottesdienst verbunden ist. 12. Das lernendes Talmud mag Einzelnen überlassen bleiben, obgleich dies Geschäft keinem rohen Polen zu gestatten ist. 13. Es darf kein Privat-Religionslchrer geduldet werden, der nicht von einer legitimen Behörde geprüft ist. 1^>. Konfirmationen sind einzuführen, worin aber kein Bekenntnis des Glaubens, sondern überhaupt ein Bekenntnis des ^Zudelltums. abzulegen, in keinem Falle aber gefclpvoren wird. 15. Es wird vorau^esetzt, daß der Lehrer das Judentum kenne; also sind Ratechismen nur Nebensache. Indes kann mit der Zeit eins vorgetegt und sanktioniert werden. 16. Der Religionslehrer und weiter niemand konfirmiert die Rinder. 1?. Rein Schüler des öffentlichen Religionslehrers darf christliche Religionsstunden frequentieren." •' ' "" Diese lapidaren Sätze, die zum Teil von merkwürdiger Rühnheit sind 4), wurden von ' 4) Die gesperrt gedruckten Worte find von mir unterstrichen: die gelegentlich vorsvnunenden hebräischen Ausdrücke bedürfen für das Publikum dieser Zeitschrift seiner besonderen ErNärung. Zunz arn 2^. März 1820 an Beer in Königsberg geschickt mit einem Schreiben, in dem namentlich das Verhältnis des Lehrers zur Gemeinde lichtvoll erörtert wird. Die Sache hatte aber keine weiteren Folgen. während so ein wirken von Zunz in Königsberg nicht möglich war, hat er in Leipzig für die Sache der Reform gewirkt. Davon ist in Kaufmanns Biographie nur ganz beiläufig die Rede, und wiederum werden wir durch Briefe an Ehrenberg über die ganze Sache genau unterrichtet. Am 2^. September 1820 reiste Zunz von Berlin nach Leipzig ab und erstattete am 3. Oktober desselben Jahres von dort aus über die Leipziger Angelegenheit folgenden Bericht: „Nachdem Herr Isaac Schiff aus Altona mit ausgezeichnetem Eifer alles dazu gehörige besorgt harte, gcscl^ah die Einweihung des hiesigen Betsaales (welchen uns die Universität eingeräumt) am LehsuÜL' azeres und wurde gleichsam fortgesetzt am Simchas'tauroli; den ersten Tag predigte ich über das Fortschreiten und den zweiten Tag Wolfsohn aus Dresden über die Andacht und den Gottesdienst; auch war ich am zweiten Tage Vorbeter des .Deutschen koreh und chasan tauroh. Fünf Rinder waren aus Hamburg mitgebracht, vier etwa gesellten sich hier dazu. Der Gottesdienst dauerte jeden Tag vier Stunden. „Die Wirkung aber, die diese hier «re gesehene Feier hier machte, ist unbeschreiblich! Sie ist einem Sturm zu vergleichen, der plö^- lich entsteht, erst wie der Wirbel an einer Stelle sich heftig bewegt und dann ausfahrt und alles mit fortreißt, polnische Juden, Fromme, Christen, Aufgeklärte, Ausländer usw. — keiner war unbefriedigt — und der Ruf geht mit den gestrigen und heutigen Kosten nach allen Teilen Deutschlands. Die beiden Eilirvechungsprediaren wereen gedruckt. „Bis dato waren Teilnehmer am Gottesdienst aus dreißig Städten, worunter Liffa, Brody, Bukarest, Wien, Rlünchen, Dresden, Elberfeld, Krakau, Rassel, Florenz, Amsterdam, Frankfurt a. Rl. Die Sache, hoffe ich, soll bestehen und wird keinen kleinen Einfluß auf Breslau haben, rvo jetzt eine Synagoge gebaut werden soll; — ja sogar ein Fürther will, bei sich Unterschriften sammelnzu einer deutschen Synagoge und ein Jude aus Brody sagte von mir: das nenne ich ein koreh ....

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