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Liberales Judentum · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November 1917) · p. Seite 114

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 114 (sequence 10)
Language
German
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Zunz' Sütigkeit für dir Urform 114 iums und seiner Lehre stand ihm in seiner Ueberzeugung obenan. Das Recht der Kritik an Einrichtungen des Judentums und an dem Texte der biblischen Bücher wollte er sich nicht nehmen lassen. Durch seine kühnen bibelkriti schon Forschungen, die der an der Schwelle der Achtziger Stehende veröffentlichte-), bestürzte er die Konservativen und überraschte die Liberalen, vor allem aber hat er durch sein ganzes wissenschaftliches Arbeiten der freien Forschung die Bahn, gebrochen und ihr sein Leben lang gedient und durch sein grundlegendes Merk „Die gottesdienstlichen Borträge", in welchem er u. a. nachwies, daß religiöse Ansprachen in den Synagogen seit den ältesten Zeiten in der Landessprache gehalten wurden, der Darren Gläubigkeit und dem Gängen an dem sogenannten Alten den Krieg erklärt. Aber es gab eine Zeit in seineni L eben, zugleich eine der interessantesten und am wenigsten bekannten, in der er offen auf Seite der Reform stand. Das war die Epoche von 181?—1822. Was man bisher über diese Tätigkeit wußte, ist nicht viel. Kaufmann, der die einzige beachtenswerte Biographie Zunzens getrieben hat (Allgemeine deutsäoe Biographie, Band Seite ^9°—501) drückt sich darüber folgendermaßen aus: „Die predigerstelle am Hamburger Tempel, um die er auf das Drängen einiger Freunde sich bewarb (1818) sollte ihm nicht zuteil werden; er war von der Konkurrenz aus Freundschaft für Büfchenthal sofort zurückgetreten." Dies trifft nicht völlig zu. Diese Bemerkung soll kein Vorwurf für Kaufmann sein; der betreffende Gelehrte konnte vielmehr die ungeordneten Aktenstücke der Berliner Sammlung nicht vollständig verwerten, die Briefe an Ehrenberg sind erst kürzlich, August 19(5, zugänglich geworden. Am 29. August 18(8 schrieb er an S. Bl. Lhrenberg: r) Gemeint ist die große Abhandlung „Bibelkritisches", zuerst erschienen in der Zeitschrift der Deutsch-morgcnländischen Gesellschaft, Band 27, Seite 669—689. Dann vervolls: '.digt und mit zwei neuen Abschnitten vermehrt in Zunz'Gesammelten Schriften 1675, Band 1, S. 201—270. Die zwei letzten 1875 zum ersten Mal gedruckten Abschnitte handeln über Exodus, Numeri, Genesis, lieber die in der Zeitrift der deutsch-morgenläirdischen Gesellschaft erienenen Abschnitte vcrgl. die Charakteristik Geigers in einem Briefe an Nöldcke, 13. Juni 1874, Nachgelassene Schriften 5, S. 364. „Nach Hamburg reise ich nicht. Ich habe zu Gunsten Büschenthals auf die Konkurrenz verzichtet." Büfchenthal war ein von Zun; sehr überschätzter Dichter, der übrigens schon am 27. Dezember 1318 staxb, Zunz widmete ihm einen Nekrolog. (Gesammelte Schriften, Band 2. S. 1^5, ^.) Zunz berichtigte sich aber selbst, indem er am 13. Oktober 1813 an den genannten Ehrenberg schrieb: „Die Stelle in Hamburg und alle ihr ähnliche mißfallen mir, weil mir die Sache mißfällt. Solange keine Autorität da ist, die die ganze Sache sanktioniert, geschieht nichts rechtes; jeder ist Reformator und macht sich lächerlich. Ehe der Talmud nicht gestürzt ist. ist nichts zu Machen. Die aufgeklärtesten und geschultesten Leute hier sind die Gegner der deutschen Synagoge. Mein Vorgeben mit Büfchenthal war eine Finte, um die Hamburger nicht zu beleidigen. Die Wahl wäre ohnedies auf mich nicht gefallen." Daraus geht hervor, daß Zunz sich überhaupt gar nicht um die Hamburger Stelle bewarb. Am 12. Oktober 1815 war Zunz in Berlin eingetroffen. Am \6. schrieb er an ^.hrenberg: „Gestern oder vielmehr Sonnabend (d. 1^.) war ich in Iacobsohns Synagoge.^ Menschen, die 20 Jahre keine Gemeinschaft mit Juden hatten, verbrachten dort den ganzen Tag: Männer, die über die religiöse Rührung schon erhaben zu sein glaubte^ vergossen Tränen der Andacht; der größte Teil der jungen Leute fastete. Aber wir besitzen hier auch drei Redner, die der größten Gemeinde Ehre machen würden. Herr Auerbach trägt mit philosophischer Klarheit und innerer Gediegenheit vor, seine Stimme ist klingend, weich; sein Wesen ist Unschuld; selbst das hebräische spricht er wunderschön aus, auch ist er ein guter Dichter in dieser Sprache. Kley ist lebendig und kühn; seine Bilder erregen die Fantasie; als er sagte: „nun wollen wir uns erheben" war auch alles — rvoPgemerkt abends 5 Uhr — wie durch einen Zauberschlag aufgesprungen. Diesen möchte 3) Mit Jacobsohns (des bekannten Philantropen Israel I.) Synagoge, mit dem neuen oder Beerschen- Tempel, mit der „Neuen Synagoge" ist immer dieselbe Institution gemeint: Der Versuch Berliner Privater, denen sich die Aeltesten anschlosseu, einen verheuerten Gottesdienst mit deutscher Predigt einzu-

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