Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 113 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zun;' Tötigkrit für dir Arfarm m Zunz Tätigkeit für die Reform (1817-1823) mit einem Anhang (1840). von ludcoig Seiger. ^eopold Zunz, der Begründer und Meister ^der Wissenschaftdes Judentums, war kein eigentlicher Reformer. Lin Mann, der im Jahre zum Befremden gar mancher, lebhaft und entschieden für Thefillin eintrat, und der in seinem Gutachten über die Beschneidung, (8^, diesen Gebrauch als ein geradezu heiliges Gesetz betrachtete, kann mit diesem Namen nicht bezeichnet werden. Der starken Reformtätigkeit der vierziger Jahre stand er skeptisch, um nicht zu sagen feindlich gegenüber. Ueber die Frankfurter Reformfreunde spöttelte er, er erhielt darüber von seinem Freunde Jost mannigfache Berichte, von denen einer, September JS^o, folgendermaßen lautet: „Von unfern Reformatoren ist ein Manifest nebst einem Briefe und einer dreiköpfigen Erklärung erschienen. Mit der Zeit hat das vielleicht historisches Interesse." Zunz hat als Ronzept auf den Brief geschrieben: „Das Ganze der Reform in Frankfurt ä. M. ist ein, wenn auch erklärlicher Mißsriff." Später schrieb Jost an Zunz, 27. Gktober \8^3: Daß die Reformakten als ein Mißgriff angesehen werden müssen, sagte ich den Herren in der Versammlung. (Lr meldet ferner, daß in Gießen \S „Unwissende" die „drei wortd" unterschrieben hätten. „Wahrl) Die im Folgenden benutzten Briefe, sämtlich ungedruckt und bisher noch niemals beachtet, find feem Zunz-Arcknv entnommen. Es find Briese von I M. Jost an Zunz, zum Teil mit dessen Antworten; ferner die Briese von Zunz an seinen väterlichen Freund 'S. M. Ehrenberg, sodann lose Artenstücke Abschriften von Briefen an Verschiedene), die als Anfang eines nur von 1833—4S regelmäßig durchgeführten Briesüuches sich in dem Nachlaß von Zunz befinden. Nur die Königsberger Akten und die im letzten Abschnitte benutzten Schriftstücke aus den Jahren 1822 und 23 sind verwendet und teilweise abgedrnckt i» der Schrift von Maybaum: Aus dem Leben von Leopold Zunz. 12. . Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, erstattet vom Kuratorium. Berlin 1891. Druck hon Z-oscr>ihal u. Co. Da indessen dies vor 22 Jahren gedruckte Programm nicht im Buchhandel erschienen ist und das übliche Schicksal der Programme teilt, in weiteren Kreisen unbeachtet zu bleiben, habe ich geglaubt, wenigstens einzelnes aus diesen bereits eine:ai verwendejen Aktenstücken mitteilen zu dürfen, fa zu sollen. scheinlich sind ihnm die zehn Gebote Worte) schon zu Ml. Inzwischen haben e:- die Herren gut gemeint und die daraus fdjon entstandene Diskusfbn wird wohl einige gut? Folgen haben." Die Berliner Drformbewegung haßte, ja verachtete er. NÄen vielen anderen Zeugnissen gibt es namentlich eine sehr heftige Aeußerung in einem Briefe an S. M. Ehrenberg, 2. Mai die so lautet: „New; Tage nach der bevorstehenden Sonnenfinsternis wird hier eine Versammlung der Re former des Judentums stattfinden; sie wollen, durchaus mesekiaedmid die Speise verböte für die Emanzipation beschlagen. An der Spitze stehen zwei Narren und zwei Ignoranten: bekam inen sie noch zwei meseluuiimoäim, f* sind sie (d^on die HäKe der Apostel und lmben vielleicht dasselbe Glück." Die Rabbinervwsanmilungen, die von ihren Anhängern urü von gerechten Historikern als ei,i Triunyh des Liberalismus angesehen wurdet!, betrachtete er als eine Veveinigung von Sektiemrn, denen er sich fernhielt, so daß er eine chvfurchtsvolle Tluffordsrung Geigers, an der Breslauer Verfanunlung teilzunehmen, küK ignorierte. Der eigentliche Grund seiner akürhnenden Haltung geht aus folgender chaxcLeristifchen Aeußerung hervor. f)h. Ehrenkm-g, der Sohn des in Anm. l genannten S. M. Ehrenberg halte über die BraunschweiZsr Versammlung einen anerkennenden Bericht gesendet. Darauf en> gegnete Zunz (5. IM „Ihre 2Rit- Leitung über die RabKner-versammlung war mir sehr interessant, ich zweifle keinen Augenblick, daß in Form urü Haltung die Herren es mit anderen.Versammlungen aufnehmen können; aber sie haben keine Rcission; ein Rabbinerverein riecht nach f)faffenturn un> Hierarchie. Doch bis Lh die Protokolls rze-i sehen, werde ich mich xdes Urteils enthalten, aber die Anmaßung, mit der die Schotten- Rabbiner sich die Repräsentation des Iudeirtrrms zueignen, verdamme ich." Und doch darf in höherem Sinne Zunz von den Liberalen als einer der Ihrigen rv Einspruch genommen werden. Denn der Grundsatz von der Entwickelung des Juden-