Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Vrlegrertenvers'.nrmrlrmg drr jüdisch-tibrrrrlen Jugerdverriue 109 V. Zu Punkt 3 der Tagesordnung hält Herr Hirschfeld-Berlin sein Referat über das Verbandsthema: Wie gewinnen wir die schulentlassene Jugend? Dem Referat sind die in der Anlage beigefügten Leitsätze zugrunde gelegt. Dieselben werden vom Vortragenden eingehend dargelegt und begründet. -Zn der Erörterung vermißt zunächst Dr. Goldman?! in dem Referat praktische Vorschläge zur Erreichung des gesteckten Zieles. Andererseits erhebt er Bedenken gegen manche der theoretischen Aufstellungen des Vortragenden, insbesondere gegen die Forderung eines im fortschrittlichen Sinne zu erteilenden Religionsunterrichtes(I B b der Leitsätze). Er erachtet einen solchen für die Verhältnisse der Provinz nicht als durchführbar. Er verlangt weniger eine Betonung des fpezifischckiberal-jüdischen Standpunktes, als die pflege jüdisch-religiösen Lebens überhaupt innerhalb der liberalen Kreise. Dem Prophetismus habe der Vortragende zu Unrecht eine ausschlaggebende Stelle im Religionsunterricht eingeräumt, Bibelkrittk innerhalb desselben fei bedenklich. Dr. Schweitzer verwirft den vom Referenten "stark betonten Unterricht in der hebräischen Sprache (I Aa der Leitsätze). Zustizrat Joel: Die Hauptsache bleibt eine religiös-liberale Erziehung; hier versagen leider nicht nur die Lehrer, sondern auch die Rabbiner in der Praxis oft. Der deutschen Sprache im Gottesdienst ist größerer Raun? elnzuräumen, ohne daß das hebräische im Gottesdienst ganz beseitigt wird. Ein hebräischer Unterricht empfiehlt sich von seiten der Zlrs nicht. Die Leitsätze I B b (Erteilung des Religionsunterrichtes) gehen zu weit. Die Bildung von Sportgruppen in den Zli (II Aa der Leitsätze) ist abznlehnen. Vorsitzender: Die Gegensätze zwischen pirsch seid und Dr. Goldmann sind mehr solche der Taktik als grundlegender Art. - Beide wollen positive religiöse Arbeit in den Zli fördern; das ist der Kernpunkt unserer; ganzen Bewegung. Ls muß praktisch gear-; beitet werden, z. B. müssen sich die Zli von ' sich aus einmal gründlich mit der verbesserung des Zugendgottesdienstes beschäftigen. 1 Die Veranstaltung religiöser Feiern (Freitag- § sbende, Sederfeiern) gehören nicht zum bloß geselligen progranun, fordern zu den eigentlichen Vereinszwecke?? (affx nicht unter II A B, sondern unter I A der Leitsätze). Fräulein peritz wurdet sich gegen eigne Sportabteilungen (II Aa). Prof. Ivo h lau er:: Zn der Frage der Stellung des hebräischen Unterrichts folge ich der Ansicht des Dr. Schwätzer. Ls mag jedenfalls erreicht werden, dvß einige fundamentale Gebete verstanden werden; im übrigen ist ein stark verkürzter urid den modernen Auffassungen insbesondere durch Hebung des Gemeindegesangs anglpaßter Gottesdienst dringend zu erstreben. Jr Uebereinstimnumg mit de?n Referenten ist da? Unterricht liberaler Gemeinschaften durch libwale Lehrer zu verlangen. Der Referent hält grgen Dr. Goldmann an der Forderung eines liberalen Religionsunterrichtes fest. BibelMik und Betonung der wesentlichen Bedeuturg des Prophetismus sind von einen? solclM rücht zu trennen; sie sind mit dem nötigen Takt auch in der Schule wohl durchzufühWu. Andererseits ist der hebräische Unterricht M?n rnehr als oberflächliche?? Verständnis dar Lehren des Zuderrtums unentbehrlich. Die pflege des Freitagabends ist selbstverständlich eine erste Forderu??g jüdischer Erziehung. Hier hat das Elternhaus zurrächst zu wirZrn. Wohl ist praktische Arbeit zu fordern;ch??e gründliche Feststellung der theoretischen Grundlagen ist ein planrnäßiges Arbeiten abw nicht denkbar. Schluß der vormüttagsfitzung. (Gemeinsames Rlittagrsscn irr? Restaurant Schaal auf Einladung ises Breslauer Zli.) Iviedereröffuuug der Debatte HV-Uhr. San.-Rat Dr. Reiche Die Leitsätze sind theoretisch richtig und praktisch drrrch führbar, irrsbesondere ist der Betörung der Bedeutrrrrg des P.rophetisrnus, d er pfdge des hebräischen Unterrichts urrd der Äistellnng liberaler Lehrer durch die Gemeindrw rückhaltlos beizutreten. Unsere Lehrer Warden scho?r eine geeignete Form des Unterrichs finden. Auch der pflege der Geselligkeits- und Sportbestrebungen ist im Znteresse darpropagarrda weitgehende Ausinerksamkeit z» schenken.