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Liberales Judentum · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
Seite 98 (sequence 10)
Language
German
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ßöcherfchau. Merer» Paul: Die fremde Frau. Berlin. S. Fischer Verlag. ^6. 3n eine fremde Welt und zu fremden Brenschen führt uns dies nachdenkliche werk. Lin Meisterwerk der Kleinmalerei; die Umxceli fremden mährischen Bauernlebens erstellt anschaulich und bildhaft vor uns, so eindringlich, daß wir mit unseren hungernden Kriegsmägen die köstlich würzige Hühnerfuxpe am Gaumen zu schmecken vermeinen, daß wir die „leichtsinnige Etage" mit ihren schiefen wänden und unharmonischen Fenstern uns angrinsen sehen, glauben, in der verräucherten Schnapsschänke mit rohen. Bauern zu sitzen, während auf der wage der Händler mit eingeschmuggelten Steinen das Gewicht der rauchend-blutigen, frischabzezogenen Gchsenhaut betrügerisch zu erhöhen versucht. Ls ist ein quälendes Buch, lieblose ungute Menschen leben darin: wir leiden mit der stillen, Haffen Beate, die dem fremden 2Tiannc folgt als die fremde Frau, die als Magd im J^aus der strengen Schwiegereltern dienen muß und die Hochzeitsnacht im Statt feiert! Alles stürzt ihr zusammen, Familie und Besitz, bis sie schweigend und duldend durch die schwer druckenden Geschehnisse der Erzählung sich hindurchgealtert. Daß die Hauptpersonen Juden sind, wird nebenbeigesagt, ist aber auf den Gang >er Lreignisse ohne jeden Einfluß. von jüdischem Wesen, jüdischem Herz, Familienleben. Gesittung und Bräuchen ist kein Hauch zu spüren. Ls wirkt befremdend, wenn Beate als höchstes Glück eine Weihnachtsbescherung für ihr Kind ersehnt, Hier tut sich uns der Abgrund völliger Assimilation auf, die das Hute, Altjüdische ohne Bedenken abgeworfen hat, ohne Besseres dafür einzutauschen, nur «us dem vielleicht unbewußten Streben heraus, sich der Umgebung -anzugleichen-'ihn ihr aufzugehen. Erreicht wird das Ziel nicht: <lti der Haustür steht doch das Wort „Iud'" als Schimpfname geschrieben; als die tschechische Hetze einsetzt, brüllt doch der pöbel zuerst „Hcp, hep, nieder mit den Inden!" Lin Buch des Verstandes, dem das Herz fehlt; wir warten vergebens auf einen ttefinnern Aufschrei der gequälten Kreatur, der befreiend die Spannung.löste. Ls sind alles Tiermenfchen, die den brutalsten Instinkten folgend, gegen einander wüten. Dabei ist die Schilderung bis ins Kleinste detaillierend von fabelhafter Realistik. Dieser Gegensatz von rohen Menschen und Geschehnissen einerseits und der liebevollen künstlerischer Ausgestaltung andererseits ist der Grund der Lrgenartigkeit und befremdenden Wirkung -es Romans. Lrwin Seligmann. Meyrink» Gustav: Das grüne Gesicht. Lin Roman. Leipzig, Kurt wolff Verlag l9f7. Geheftet 3,50 2Tt, gebunden ^,50 AI., kartoniert H AI. ' Alan legt das Buch aus der Hand, Lehnt sich nachdenklich in den Sessel zurück und Läßt sich von seinen Träumen weit forttragen über das Haus 'hinweg und über die Stadt und über die Erde, hinweg in das Reich des Geheimnisvollen, Uebersinnlichen, an dessen Pforte mit kecker Hand der Meister rüttelt. Durch einen Spalt blicken wir in diese andere Welt hinein, die Welt" des Sohar, der indischen, ägyptischen Mystik. Zu kalt, zu fremd und liebeleer ist uns Menschen die Lrde gewroden, vom Kriege zerstampft. Ninive ist reif zum Untergang. Nur wer dem Flug in jene andere Welt folgen kann, wird gerettet. — Meinen wir nicht, wie aus dem Boden gewachsen stünde er vor uns, jener Mann mit dem grünen Gesicht, Thidher, Lliah, Ahasver der ewige Jude, oder wie er sich nennen mag, der Unfaßbare, Zeit- und Raumgelöste, der die beiden Leuchter umstellt in uns, daZ wir fühllos werden und .eingehn in das andere Reich. Der Atem stockt uns, beklemmend schnürt sich die Brust zusammen, das Herz fetzt aus. ' Gewaltig rüttelt der Dichter an unseren Nerven. Sensationen von nie geahnter Spannung, Schrecklichkeit, Brutalität; alle Register von Entsetzen, Furcht und Grauen werden gezogen und klingen zusammen zu einem sinnverwirrenden Lhaos von Tönen. Ls jagen sich gehetzte Bilder bluterstarrenden Schr^ ckons. Mit souveräner Meisterschaft w.'i« Meyrink uns zu hypnotisieren, uns das Unglaublichste alltäglich erscheinen zu lassen Nur wenige Ruhepausen gönnt er uns in de: lieblichen Geschichte der Liebe Hauberisser- 511 Eva. — Line ganz neuartige Kunst in*»

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