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Liberales Judentum · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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o c o o Mchrrscharr Angeln heben." Aus Jedem 'Wort, jedem Satz des gewaltig wuchtenden Dramas gellt dieser Notschrei eines, dessen Herz übervoll ist von zur Gestaltung Ringendem. Und er hat es gemeistert, er hat jenen Punkt gefunden, von wo aus er mit der erhabenen Ruhe des Meisters seine Geschöpfe lenkt, sie leben, kämpfen und leiden läßt. 'Gr hebt uns, seine Leser und.'Zuschauer mit sich empor zu der erhabenen Warte am Throne Elohims, Gottes. Wir blicken mit ihm hinab auf das Gewimmel der Menschen unten, die sich gegenseitig zerfleischen, getrieben von Dummheit, Bosheit und hinterlistiger Gemeinheit, den Dienern Semaels, des Satans; der da abfiel ■* von Gott, vom Sinne des Alls, und doch ' zähneknirschend den Willen Elohims erfüllen muß. Wir hören die kraftvoll haßerfüllten Worte des Anklägers der Menschheit und die erhaben milden Reden Noahs, des Stammvaters und Retters alles Geschaffenen, der für sie bittet. Um die Seele seines Volkes Israel streitet der Prophet Eliahu, der alte Schützer, der getreue Eckart, mit dem dämonischen Verräter, den Jakob Pfefferkorn, der Apostat, verkörpert. Und flehend hadert mit Gott für feines Volkes Wohlergehn Iizchak, der Patriarch. Als sei die alte'griechische Tragödie wieder lebendig geworden, wo des Chores ernste, schwere Gesänge Taten und Leiden des Helden begleiten, so schlingt sich hier um das irdische Geschehen ein Kranz jener Szenen außerhalb der Zeit und des Raumes, in denen die Dämonen und seligen Geister walten, auf der Menschen Handeln einwirkend, es begleitend mit Antrieb und Mahnung, Strafe, Sühne, Lohn und Verzeihung. Doch nicht im starren Determinismus des alten Griechentums ist der Mensch sinnloses Spielzeug in der Hand des Schicksals. — Der Dichter hat an die Stelle der griechischen Tragödie die jüdische gesetzt; nicht nur darum, wejl der Held in seinem Leiden, seiner Qual das Volk Israel ist, vor allem deshalb, weil drr^Gründgedanke des Dramas Ausfluß und. Verherrlichung Jüdischer Weisheit und Ethik bedeutet. Aus der jüdischen Mystik, der altgeheimnisvollen Kabbala schöpft der Dichter den Gedanken von der Schechina, der Glorie Gottes, die bei der Sci^öpfung vom Gotteswesen getrennt und in die Dinge zerstreut, zu ihm zurückkehren will. Das bedeutet im tiefsten Grunde die Willensfreiheit des Menschen. Die Rückkehr, der Schechina geschieht mit dem Erscheinen Meschiachs, des Erlösers. Zu dessen Kommen muß der Mensch bereit sein und geläutert, jp hilft der Mensch, der im Leiden gereinigt wird, Gott zu seiner Vollendung. Und das istdie Aufgabe Israels vor allen Völkern der Erde, für seinen Gott zu dulden, damit der Meschiach komme. So verstehen wir, wie derAllgütige, Allbarmherzige sein Herz verhärtet und die Lüge des Blutes über sein Volk schockt, damit es geläutert werde in der Quai Und so erkennt es auch oas Volk, es trägt ergeben, was ihm auferlegt, rechtet nicht mit GcM, da es fühlt, daß jedes Leiden Prüfung und verdiente Strafe ist. Aus dem Gefängnis betem sie zu Gott, die unschuldig verfolgten, und schlagen sich an die Brust und schreien: „Wir haben gesündigt, um .unserer Sünde willen kommt uns der Fluch des Verdachts, um unserer großen dauernden blutroten Sünde willem. Um unsere Lauheit int Dienst, um die Hasst (unseres Lebens, um die Gier nach Geld, sott die Schmach des' Verleugnens, um die Härte zu Armen, um das Ausnützen der WaHen, um das Leiben aur Zins, das Langen nach Fremdem — um unser Vergessen am Dich, Tag und Nacht. Sommer und Wintrr; weil wir umherzogen und nicht Deiner dachten, handelten und nicht beteten, beteten mit schneller Zunge und allem Wort, ohne das Herz; um unser ganzes Ungöttisches Leben alle unsere Jahre und Wochen, um unserer elenden Schwäche willen geschieht uns das." Diese Worte, scheu vor dem Kriege geschrieben, dieser Notschrei eines Herzens, das sich anklagt der HaltlcGgkeit und Lauheit, wie müssen sie wiederhallen heute in der Brust eines jeden, der fassungslos und mit Grauen auf das Elend der Krirgswelt ringsum schaut, und sich fragt: Warum das Alles? — So verbindet der Dichter harmonisch Zeitloses mit Zeitlichem, Ewiges mit vergänglichem. Die irdische Handlung sind die markantesten Szenen des Weltbekannten Prozesses von Tisza-Lszlar in Südungarn. Mit krasser Realistik, alle Fesseln sprengender, dramatischer Gestaltungskraft ift die Handlung monumental aufgebaut, hinreißend und überzeugend. Nur einige Der erschütterndsten Bil-

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