Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Ans der Jugendbewegung -der sind gezeichnet jener roten Seite im S^chuldbuch der Menschheit, die in ihrer grausigen Schrecklichkeit, mit ihren nackten Tatl'achen allein, wäre sie noch so nüchtern dargestellt, jedes Her; zerreißen müßte. Das weiß der Dichter und so schildert er möglichst schlicht und den wirkliche?: Ereignissen folgend. Lreilich i «bcm er den Zuschauer Zeuge?: des Mords an der Esther Solvmofi sein läßt, nimmt er die Unschuld der' Juden für ihn vorweg, bringt den Ankläger und Richter um den guten Glauben und dadurch wirkt die ^Bosheit und Gemeinheit noch krasser, als es Ln Wirklichkeit wohl der Fall gewesen ist. wundervoll ist die Schilderung des intimen jüdischen Gebens getroffen. Mit gewaltigster Wirkung weiß der Dichter. das jiidifche Gebet und Familienleben, Kultus und Ritus, Sprache und Sitten zu verwerten, wenn einmal xon der Bühne herab — das .Stück ist vom Frankfurter Schauspielhaus zur Aufführung angenommen, — diese Bilder in weitere Volkskreise dringen werden, so wird das Werk als Kiddusch Haschen:, Verherrlichung des göttliche?: Namens und des Judentums wirke?:. Denn nur Unkenntnis ist die Mutter des Antisemitismus. Es tt:t u?:s .Juden not, derartige Werke zu schaffen und verbreiten zu helfe::, die ohne einseitige Verhimmelung und Apologetik gerecht 5icht und Schatten verteilen und so Kenntnis des wahren und wirklichen Judentums und der tiefsten jüdischen Seele verbreiten könne?:. Aber beileibe ist es nicht etwa ein 'aufdringliches Tendenzstück, es ist ein Kunstwerk, in dem jedes Wort nur.um des Ganze?:, der Kunst willen geschrieben ist und sich einfügt zu einem harmonischen Bau. Zu bedauern allerdings ist das sehr aus dem Zusamme?:- hang fallende tendenziös-zionistische Schlußrvort, das hoffentlich die Aufführung unterdrücken wwo. Das Werk, für das der Dichter im vorigen Jahre mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet werden ist, ist ein Geschenk, für welches Deutsche wie Juden ihm dankbar sei?: müssen, wir begrüßen in Zweig einen Dichter von angeboren dran:atischem Talent, wie wir wenige in Deutschland hatten und haben, der uns berufen schei?:t, einer der verheißungsvollsten Meister der jüngsten deutschen Dichtung zu sein. Als Juden erwarten wir von ihm, daß er uns das „jüdische Drama" schenken wird, das Werk, das, Frucht und Botschaft jüdischer Seele, mit der Macht Malerischer Wahrheit alle Kerzen erleuchten muß, denen Kunst und Wahrheit nur etwas zu sagen haben. L. S. RundTchau. Elberfeld, in: Juli M?- Der vorsta?:d unserer Ortsgruppe befa?:d sich gerade mitten Ln den vorbereitungsarbeiten für die Dele- Hrertenverfammlnng, die Ende Oktober \9V^ in Elberfeld tagen sollte, als der Krieg ausbrach und unsere Tätigkeit auf unbestimmte Zeit lahmlegte. währe?:d der drei Kriegszahre haben kci?:erlei Veranstaltungen stattgefu?:de?:. Erst in jüngster Zeit haben wir erwöge?:, ob es nicht doch an der Zeit sei, die Arbeit, u?:d sei es zunächst auch nur in befcheidonclir Umfang,- wieder aufzunehmen. Dies war a::ch die Ansicht des neuen Generalsekretärs unserer vereinigu?:g, fjerr?: Rechtsanwalt Ster?:,, der uns a?n 2. Juni d. I. durch seinen Besuch erfreute. In einer Vorstandssitzung unserer Ortsgruppe sprach Herr Rechtsanwalt Stern über Zweck und Ziel der Vereinigung. Seinen Ausführungen folgte eine angeregte Aussprache, aus der Herr Rechtsanwalt Stern die Ueberzeugung gewa?:n, daß hier von Anfang an volles Verständnis für die Nützlichkeit und Notwendigkeit der liberale?: Bewegung geherrscht hat, und daß in de?: fünf Jahren vo?: der Gründung der Ortsgruppe bis zum Ausbruch des Krieges fleißige Arbeit geleistet worden ist. Ls wurde beschlösse?:, im kommenden Winter wieder mit der. Arbeit zu beginnen, und das Anerbieten ' des Herrn Rechtsa?:walt Stern, innerhalb der Ortsgruppe einen Vortrag zu halten,?nit Dank a?:ge?:on:??:e?:. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Jur die Redaktion und den V.rlag verantworllich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichftr. 29. Druck und Expedition von Voigt * Gleiber. Frankfurt a. M., Bieber-Gaffe 6.