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Liberales Judentum · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 83

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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Nie SrLrrrtrmg des Unterrichts im KrbrLWHen 83 oben angeführten Uebersetzung erwähnt), und diese enthalten die beiden Grrmdl ehren des Judentums, daß der Ewige, d. h. ein rein geistiges Wesen, unser Gott ist, und daß der Ewige einzig ist. Sie entsprechen demnach den ersten beiden Geboten. Denn auch das erste Gebot wird in der hergebrachten Form: Ich bin der Ewige, dein Gott, usw. unsrer Ansicht nach nicht richtig wiedergegeben. Es heißt vielmehr: Ich, der Ewige, bin dein Gott, Her ich dich heransgeführt habe aus dem Lande Aegypten, aus dem Haufe der Knechtschaft, und besagt, der Gott, der dich aus -Aegypten geführt hat, ist (nicht etwa Ra oder Amon oder Baal, sondern) der Ewige, das geistige Wesen. Darauf folgt in dem (nach unsrer Zahlung) zweiten Gebot zunächst: Du sollst nicht andre Götter haben vor meinem Angesicht, und dann das Verbot, den Ewigen irgendwie körperlich darzustellen. Scl^on das bisher Bemerkte zeigt, wie nötig zum richtigen Verständnis grundlegender Lehren unsrer Bibel die Kenntnis des Hebräischen ist. Was kann denn ein des Hebräischen. Unkundiger erwidern, wenn ihm gesagt wird, das erste Gebot beginne nicht: Ich, Der Ewige, bin dein Gott, sondern (wie es Luther wiedergibt): Ich bin der Herr dein .Gott? weder weiß er, daß das Hebräische eine Copula nicht hat, noch wie es kommt, daß die eine Uebersetzung „Ewiger", die andre „Herr" bietet. Er nmß eben lernen, daß der Gottesname, das sogenannte letragrammaton, IHWH, früher (wie heute noch im Gottesdienst von uns) nicht gesprochen und dafür Adonaj (mein Herr, Herr) gelesen wurde, ferner daß die griechische Uebersetzung der sogenannten Septuagürta sich an den gelesenen Namen hielt und nur diesen, und Zwar mit Kyrios wiedergab. (Ueber die geradezu unheilvollen Folgen dieser in gutem Glauben erfolgten Uebertraguug ist hier nicht zu reden.) Danach wurde der eigentliche Gottesname von Hieronymus mit Dominus und voit Luther mit HERR wiedergegeben. So beginnt denn das erste Gebot und lautet Deuteronomium 6,4 in der Septuaginta^ Ego eimi Kyrios ho theos su und Akue Israsl ho theos hemön Kyrio.' heis estin, bei HierTnymus: Ego sum vominus vsus tuus und Allüi Israel, vominus äeus noster, dominus ums est, bei Luther: Ich bin der HERR, dein Mtt und: Höre, Israel, der HERR unser Goch, ist ein einiger HERR. Daß diese Übersetzung nichts von dem Wesen des durch Israel erkannten Gottes zum Ausdruck brngt und leicht irre führen kann, leuchtet ein. Luther selbst hrtt das Unzulängliche dieser Uebertragung gefiM, freilich nur gefühlt. So heißt es in der Bearbeitung einer Nachschrift seiner predigt und Auslegung des 8. Psalms (der mit den Wortsu beginnt: Ewiger, unser Herr '— bei Luthru: HERR, unser Herrscher): „Das Wort HERR (dehova) wird in der ganzen Heiligem Schrift niernand zugeeignet denn allein Der göttlichen Ulajestät. Denn es ist der M>ße Name Gottes, der in unsrer großen Wblia mit großen Buchstaben geschrieben Hebt zmn Unterschied der andern Namen. -Ärmer Kreatur auf Erden, sa keinem Engel im Himmel wird der Name HERR (J6hova) zugeschrieben, sondern Gott allein. Darum ist's sin sonderlicher, eigener Name Gottes und heißt der rechte, wahre, ewige Gott. Aber Wort Adon, Herr oder Herrscher ist ein genuiner Name, welchen die Heilige Schrift auch von Fürsten und Hausherren braucht." (BL. ^5 der Weimarer Ausgabe, S. 207.) Seiner wahren Bedeutung entsprechend wurde das Tetragramnaton zuerst (nach Ealvins Vorgang) in drr Genfer Bibel '((586), und zwar durch TEternel wiedergegebeu. In Deutschland hat die Uebersetzung durch „Herr" meines wifstus zuerst der Göttinger Professor Johann Drvid Alichaelis (in seiner deutschen Uebersetzurg des <llteu Testaments mit Anmerkungen für. Ungelehrte, (76))) auf-

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